„Heut ist so ein schöner Tag, na na na nah“, klang es gestern Nachmittag frohgemut aus dem Kirchsaal im Lutherstift auf dem Schusterplatz. Dort schlossen die Tänzerinnen und Tänzer der KaGe. Prinzengarde ihre diesjährige Tournee durch die Seniorenheime ab und sorgten in ihren leuchtend rot-weißen Kostümen für mehr Farbe im Alltag von rund 80 Seniorinnen und Senioren (derzeit gibt es 188 weibliche und männliche Heimbewohner), die dem bunten Wirbel auf der „Bühne“ je nach Temperament mit Begeisterung, aber auch mit Zurückhaltung folgten.
Doch im Lutherstift war man schon vorher karnevalistisch eingestimmt, denn aus den Reihen der Betreuerinnen und Betreuer, die ihren Dienst am „Veilchendienstag“ diesmal malerisch verkleidet versahen, wollte man auch einen kleinen Beitrag zum heiteren Nachmittag leisten und hatte ein Lied einstudiert, das auch von den ausgewählten Sängerinnen und Sängern mit Inbrunst gesungen und mit rhythmischem Klatschen begleitet wurde. Marillina Soundé gab da mit viel Elan den Takt vor.
Karnevalistische Auftritte vor Senioren sind ein Dauerauftrag
Die von Präsidentin Nordhild Neumeyer geleitete Karnevalsgesellschaft Prinzengarde hat es sich schon seit Jahren zur Aufgabe gemacht, das Leben in diversen Senioreneinrichtungen zur Karnevalszeit mit frischen Auftritten zu bereichern. „Das ist fast ein Dauerauftrag seitens der Altenheime“, erklärt Nordhild Neumeyer, die diesmal auch gern dem Wunsch von Larissa Schätzl, der Leiterin des sozialen Dienstes im Lutherstift, gefolgt war und mit einem Dutzend junger Tänzerinnen und Tänzer gekommen war, um ab 15.11 Uhr (die Elf ist im Karneval besonders wichtig) närrischen Frohsinn zu verbreiten und tänzerische Klasseleistungen zu zeigen.
Und da geht mit Melissa Peters (20) die „Kommandantin“ des Ensembles voran, die ihr bemerkenswertes tänzerisches Talent mit einem beispielhaften sozialen Selbstverständnis verbindet. Die Studentin der Sozialpädagogik war im Karneval schon Kinderprinzessin und hat dreimal die närrische Session als Hoppeditz am Elften im Elften auf dem Rathausvorplatz eröffnet, ist dem Karneval seit ihrer Kindheit verbunden und nicht nur die herausragende Tänzerin in der Prinzengarde. Sie gibt ihr Können als Trainerin und „Kommandantin“ an den jungen Nachwuchs weiter, wobei es ihr auch eine Herzensangelegenheit ist, menschlich ein Vorbild zu sein.
Gefeiertes Heimspiel für Melissa Peters
Die sympathische junge Frau hat ein Freiwilliges Soziales Jahr als „Bufdi“ (Bundesfreiwilligendienst) absolviert und ist noch im Altenheim „Paul-Hanisch-Haus“ als ehrenamtliche Helferin tätig. Da diese Einrichtung auch auf dem „Tourneeplan“ der Prinzengarde für Tanzvorführungen in Seniorenheimen stand, hatte die dort äußerst beliebte Melissa Peters bei dieser Gelegenheit ein gefeiertes Heimspiel, bei dem die von ihr betreuten bejahrten Damen und Herren „ihre Melissa“ mal von einer ganz anderen Seite kennenlernten.
Am Dienstag im Lutherstift führt sie zwar beim Einmarsch („Jetzt geht’s los, wir sind nicht mehr aufzuhalten“) ihre Truppe an, hielt sich dann aber zurück und gab, vor der Bühne sitzend, quasi als stumme Souffleuse, den Aktiven mit den Jüngsten Mila, Helena und Frederic ganz vorn, kleine Tipps, damit die sich nicht „vertanzten“. Klappte alles wunderbar.
Und dann waren auch die im Publikum plötzlich Teile des Programms, die dem Geschehen mit wenig Anteilnahme gefolgt waren. Als die jungen Karnevalisten in Rot-Weiß ausschwärmten und im Publikum Hände ergriffen und sie im Takt zu den gängigen Schlagern schwenkten. Das zauberte Lächeln auf nahezu jedes Gesicht, und als die moderierende Nordhild Neumeyer fragte, ob noch das eine oder andere Tänzchen folgen sollte, da schallte ein einstimmiges „Ja“ aus dem Kirchsaal im Lutherstift.
Die stimmgewaltige und bewegungsstarke Truppe aus Vohwinkel, wo die Prinzengarde ihr Stammquartier unterhält, hatte noch einiges auf Lager und spulte mit Einsatzwillen ihr rund zweistündiges Programm ab, ehe man sich im Speisesaal an vorbereiteten Berliner Ballen, heißen „Fastnachtskrapfen“, und heißen und kalten Getränken erlaben und die Kraftreservoire wieder auffüllen konnte.
„Wir sind mit unserem Programm in dieser Session rund zwanzigmal aufgetreten und haben uns immer gefreut, wenn wir selbst Freude verbreiten konnten“, so Melissa Peters. Sie, Nordhild Neumeyer und die tanzfreudige Truppe erschienen fast ein wenig wehmütig, weil jetzt am „Veilchendienstag“ das letzte Ziel angesteuert worden war. „Wir treten aber auch bei Weihnachtsfeiern und am Vohwinkel-Tag auf“, berichtete Nordhild Neumeyer, die sich kurz nach dem Finale im Stift wieder auf den Weg nach Nächstebreck machte. Dort wurden im Gemeindesaal Hottenstein die Tollitäten dieser Session, das Jugendprinzenpaar Celine I. und Logan I., nach ihren großartigen Auftritten unter Beifall verabschiedet. Denn bekanntlich ist am Aschermittwoch alles vorbei.