Heizen in Stuttgart: Überraschung in Stuttgart-Botnang – weitere Wärmenetze aufgetaucht In Stuttgart-Botnang heizen mehr Menschen über Wärmenetze als zunächst von der Stadt angenommen. Foto: mago/Arnulf Hettrich

In Stuttgart-Botnang gibt es mehr Wärmenetze als von der Stadt bisher angenommen. Entdeckt wurden sie von Bürgern. Und es sind keine Einzelfälle.

Das kommt nicht aller Tage vor: In Stuttgart-Botnang sind zwei bestehende Wärmenetze aufgetaucht, von denen die Stadt Stuttgart bis dato offenbar nichts wusste. Jedenfalls fehlen sie bisher in der Wärmeplanung.

Und diese in Botnang „vergessenen“ Netze sind gar nicht mal so klein: Insgesamt hängen mehr als 1000 Wohneinheiten daran. Das sind mehr als die Stadtwerke Stuttgart beispielsweise in der Winterhalde in Bad Cannstatt anschließen wollen. Dort sind es 950.

Rund um den Vivaldiweg in Stuttgart-Botnang planen Bürger ihr eigenes Wärmenetz. Foto: Archiv Lichtgut/Leif Piechowski

„Entdeckt“ hat die beiden Netze die neue Energiegenossenschaft in Botnang, die rund um den Vivaldiweg ein eigenes Wärmenetz bauen will. Es handelt sich dabei um zwei private Gebäudenetze, mit denen die Bewohner seit bald 50 Jahren heizen.

Das Gebäudenetz Spitalwald soll nach Angaben der SW Verwaltungsgesellschaft mbH zeitnah erneuert werden. Es gebe immer wieder Leckagen, sagt der Zuständige auf Nachfrage. Als Wärmequelle soll ein Mix aus Wärmepumpen und einem Blockheizkraftwerk die bisherige Gasheizung ablösen.

Stadt Stuttgart spricht nicht von „vergessenen“ Netzen

Das Gebäudenetz an der Leharstraße soll ebenfalls auf klimafreundliche Energiequellen umgerüstet werden. „Die Heizungsanlage ist so geplant, dass im Jahr 2045 die Wärmeerzeugung mit einem regenerativen Anteils von 90 Prozent erfolgen kann“, sagt Sven Rosenberger von der Dieter Kuhn Immobilienservice GmbH. Dies soll mit einer Kombination aus Pelletkesseln, Pufferspeicher, Luftwärmepumpen und Gaskessel für die Spitzenlast erfolgen.

Die Stadt Stuttgart spricht im Zusammenhang mit den entdeckten Wärmenetze nicht von vergessenen, sondern von weiteren, wie der Sprecher Sven Matis betont. Es handele sich um „kleinste Netze ohne Ausbaukapazität“. In der Fortschreibung der Wärmeplanung – für Mitte 2026 geplant – „werden wir auch diese Gebiete in den Blick nehmen, um alle Netze und Kleinstversorger abzubilden“.

Das gelte im Übrigen auch für weitere Netze dieser Art, die bisher keinen Eingang in die Wärmeplanung gefunden haben, so Matis: konkret ein Wärmenetz zwischen Gemsen- und Uhuweg in Weilimdorf-Wolfbusch sowie das Wärmenetz Robinson-Barracks in Zuffenhausen/Münster/Bad Cannstatt.

Zur Einordnung: „Der Anteil der vier genannten Netze am Gesamtwärmeverbrauch in Stuttgart beträgt circa 0,7 Prozent.“ Der Stadtsprecher verweist zudem darauf, dass die Wärmeplanung die Stadt zwar unterteile in Netzgebiete und solche, die sich individuell versorgen müssen – beispielsweise mit Wärmepumpen. Aber: „Kleine Netze können sich auch dort bilden, wo das Amt bislang eine Individualversorgung ausgewiesen hat.“