Gerade haben bei den Olympischen Winterspielen zwei Eiskunstlauf-Paare aus Zypern und Italien zu ihrer Musik getanzt, im Herbst kommen sie für ganze zehn Konzerte nach Düsseldorf. Die Backstreet Boys sind wieder in aller Munde. Wir versammeln ihre elf unvergesslichsten Songs.
Die Debütsingle der Band aus dem Jahr 1995. Zum ersten Mal trifft die Welt in einem Musikvideo auf Brian Littrell, Howie Dorough, Nick Carter, AJ McLean und Kevin Richardson. Die fünf Jungs stellen sich zu Beginn des Musikvideos in einer Radiosendung am Mikro vor. Und dann sehen wir sie in Action: Beim Basketball, Auto waschen, in energiegeladenen Choreos – und immer mit guter Laune. Unterlegt von einem bassigen HipHop-Beat führen uns die Backstreet Boys in ihren unverwechselbaren Vibe ein. Song und Video strotzen vor Jugendlichkeit – Nick Carter war zur Zeit des Videodrehs gerade einmal 15 Jahre alt.
Ebenfalls ein absolut gelungener Party-Hit vom ersten Album der Gruppe. Mit „Get down, get down, and move it all around“ fordern sie uns dazu auf mitzumachen. Im Video sieht man die Jungs in grellen Jacken auf einer riesigen Halbkugel tanzen, die Kulisse ist gepflastert mit TV-Bildschirmen, auf denen tanzende Menschen zu sehen sind. Geschrieben wurde der Song vom deutschen Produzenten-Duo Booya Records, bestehend aus Bülent Aris und Toni Cottura. Letzterer teilt sich den Rap Part im Song mit AJ McLean und fliegt im Video sogar kurz durch die Luft. Ganz besonders: das finale, chorische Singen von „whoao whoao whoao – whoao whoao whoao“.
Dieser Song sollte eigentlich keine Single-Auskopplung werden, die Band setzte sich aber dafür ein – Gott sei Dank, denn es wurde ihr erster Nummer-eins-Hit in Deutschland und Österreich. Die unverkennbaren ersten Takte zu dieser Herzschmerz-Hymne versetzen einen schnell ins 1990er-Flair zurück. Das Video setzt noch einen drauf: Wir sehen die Bandmitglieder im Regen tanzen – mit offenem Hemd und nichts darunter. Herzschmerz und Schmachten nach den Backstreet Boys – kein Wunder, dass sie damit an die Chartspitze stiegen.
4. „Everybody (Backstreet’s Back)“
Die erste Single-Auskopplung des zweiten Albums, „Everybody“, präsentiert sich als epischer Partysong mit ebenso epischem Musikvideo: Der Bus der Band hat eine Panne, die Mitglieder sollen in einem verlassenen Schloss übernachten, in dem es spukt. Sie verwandeln sich in gruselige Alter-Egos und präsentieren als Mumie, Werwolf und Dracula ihren Hit. Angelehnt an Michael Jacksons „Thriller“, kommen die Partygäste und die Backstreet Boys zusammen für eine Tanzchoreo, mit klarer Referenz zum Original.
„Ich habe kein schickes Auto, um zu dir zu gelangen, würde ich tausend Meilen gehen“ – mit diesen Worten versuchen die fünf Jungs klarzumachen, dass sie bescheidene Liebhaber sind. Alles andere als bescheiden: das Musikvideo. In weißen Anzügen mit verschiedenfarbigen Hemden wird eine langsam-melancholische Choreo präsentiert. Episch. Die Hemden dürfen dabei natürlich offen bleiben. Auch nicht zu unterschätzen: Howie Doroughs Solo-Gesangsstellen in diesem Song. In Minute 3:23 kommen wir sogar in den Genuss seiner Pfeifton-Fähigkeiten.
Ein kleiner Geheimtipp, der auf dem zweiten Studioalbum „Backstreet’s Back“ erschienen und eine tolle Max-Martin-Produktion ist – nicht ohne Herzschmerz versteht sich. Es geht um 10.000 gebrochene Liebesversprechen und wird auf dem Album von AJ McLean und Brian Littrell eingesungen. Beim Konzert 1997 in Frankfurt führen den Song allerdings zwei andere Bandmitglieder auf: Kevin Richardson am Mikrofon und am Flügel, begleitet von Nick Carter am Schlagzeug. Ein wenig beachteter Song, der fantastisch gealtert ist.
1999 veröffentlicht die Band ihr drittes und erfolgreichstes Studioalbum „Millennium“ und schreibt damit Popgeschichte. Die erste Single „I Want It That Way“ schafft es weltweit auf Platz eins der Singlecharts. Während sich viele fragten, was der Text eigentlich bedeuten mag (Spoiler: Wir können das Rätsel auch nicht lösen), wurde der Track bekannt für seinen klassischen Backstreet-Boys-Sound.
Dieser Song repräsentiert die Essenz vom „Millennium“-Gefühl: supermodern, euphorisch und gefühlsintensiv. Mit einer Mischung aus Schreien und Lachen führt AJ McLean in den Song ein, das erinnert an die Stimmgewalt von James Brown – nur eben im Pop. Das Video zeigt die Gruppe im Jahr 3000, mit Roboterkostümen und Sci-Fi-Maschinen. Laut „Business Insider“ soll es 2,1 Millionen Dollar gekostet haben – eins der teuersten Musikvideos überhaupt. Der Song wurde von Backstreet Boy Brian Littrell geschrieben und thematisiert die Sonnen- und Schattenseiten des Ruhms. Schlussendlich dient er als Hommage an die Fans, denn sie sind „größer als das Leben“.
Die dritte Single-Auskopplung aus dem „Millennium“-Album hat es in sich: eine bewegende Ballade über Trauer, Einsamkeit und Verlust. In diesem Fall mit persönlicher Note. Das Musikvideo verweist auf verschiedene Schicksalsschläge der Bandmitglieder. Brian Littrell etwa musste sich im Jahr vor der Veröffentlichung einer Operation am Herzen unterziehen, Kevin Richardson hatte zuvor seinen Vater verloren, Howie Dorough seine ältere Schwester. Der Song wurde am 31. Dezember 1999 veröffentlicht; die erwachsen gewordenen Backstreet Boys läuteten emotional und gefestigt das neue Jahrtausend ein.
Im Jahr 2000 erschien das vierte Studio-Album „Black And Blue“ – so sollen sich die Backstreet Boys damals nach drei erfolgreichen Alben gefühlt haben: grün und blau geschlagen. Die erste Single klingt allerdings gar nicht danach – ganz im Gegenteil: Sie ist ein absoluter Banger. „The Call“ ist der Anruf bei der Partnerin, die man zu betrügen plant. Und das Video dazu — episch. In cyberpunkig angehauchter Manier liefern die Bandmitglieder sich eine actionreiche Verfolgungsjagd durch die metallisch-düstere Großstadt, lange Ledermäntel und Sonnenbrillen inklusive. Und Howie Doroug hat einen Auftritt mit langen, geglätteten Haaren. Fun Fact: Von dem Song gibt es einen Remix, angefertigt von den Neptunes, dem DJ Kollektiv bestehend aus Chad Hugo und Pharrell Williams.
Nach vier Studioalben und einer Pause von 2000 bis 2004 kam die Band für die Platte „Never Gone“ wieder zusammen. „Incomplete“ ist die erste Single des Albums und präsentiert die Gruppe in neuem Gewand: Sie hat sich einen rockigeren Sound zugelegt. Das Album wurde ausschließlich mit Live-Instrumenten eingespielt. Zu diesem Lied spielte Kevin Richardson den Klaviersound ein – passend dazu sitzt er im Musikvideo am Flügel. Ansonsten präsentieren sie sich im Video ernst und gereift. Die Backstreet Boys machen klar: Wir sind erwachsen geworden.