Wenn ich an Rosenmontag aus der Schule kam, habe ich mich als Cowboy oder Indianer verkleidet, je nachdem wie ich mich gerade fühlte – kulturelle Aneignung war damals noch kein Thema – und sofort vor den Fernseher gesetzt, um die Umzüge in Düsseldorf, Köln und Mainz zu schauen. Ich glaube, da wurde hin- und hergeschaltet, genau wie bei der Fußball-Konferenz. Am Tag zuvor konnte man beim Rosensonntagszug vor der eigenen Haustür hautnah dabei sein. Als Kind fand ich das ganz schön spannend und aufregend, so weit ich mich erinnern kann, wahrscheinlich wegen der Süßigkeiten, die einem kostenlos um die Ohren flogen. Nüchtern betrachtet kann ich heute jedoch mit Fug und Recht behaupten, der Zug war immer mehr als langweilig, was ich aber erst als Erwachsener richtig wahrgenommen und erkannt habe. Und das Beste am Rosensonntagszug hier in Wuppertal war, man muss es so deutlich und ehrlich sagen, dass der Zug Gott sei Dank immer schnell zu Ende war. Er war kurz und schlecht, nach knapp 40 Minuten war der Spuk vorbei: Ein Mottowagen, zu einem Wuppertaler Aufreger vielleicht, wenn überhaupt, dazu kamen dann in der Mehrzahl schlecht verkleidete Fußtruppen und Trecker mit Anhängern, von denen die Obernarren der Karnevalsvereine minderwertige Süßwaren auf wehrlose und kariesanfällige Kinder und Erwachsene warfen. Gut gemeint, aber oft schlecht gemacht. Kinder finden das alles spaßig, und sie freuen sich, das ist auch okay.