Dresden. Sein Fall sorgte für Schlagzeilen und gilt als einer der größten Dopingfälle im deutschen Handball. Im Dezember 2024 wurde Nils Kretschmer, der zuvor neun Jahre für den HC Elbflorenz Dresden spielte, positiv auf Testosteron getestet. Der Fall landete nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vor Gericht und ist nun abgeschlossen.
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Unter anderem wegen der unerlaubten Anwendung von Dopingmitteln und deren vorsätzlich unerlaubten Erwerbs wurde der 33-Jährige zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich zahlt er eine hohe Geldstrafe.
Kretschmer, mit knapp 430.000 Followern auf Instagram reichweitenstärkster deutscher Handball-Influencer, hat die Strafe akzeptiert, das Urteil ist seit 9. Dezember 2025 rechtskräftig. Exklusiv äußert sich Nils Kretschmer nun bei Sächsische.de zu seinem Fall.
Herr Kretschmer, wie haben Sie das Urteil empfunden?
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Der Abschluss des Verfahrens war für mich eine Erleichterung. Ich habe einen Fehler gemacht, bin mir der Sache komplett bewusst, ich habe eine Strafe verdient. Das ganze Thema war sehr anstrengend für die Psyche. Ich war irgendwie erleichtert, dass das Thema abgeschlossen ist und ich nach vorn schauen kann. Meine Dopingsperre wurde auch von vier auf drei Jahre reduziert. Bis zum 11. Dezember 2027 bin ich gesperrt.

Wie ist es zu diesem Fehler, wie Sie es nennen, gekommen?
Ich hätte in Dresden meine Handballkarriere beenden müssen, hatte dort teilweise schon arge Knieprobleme. Es war jedoch alles in einem Rahmen, dass ich mit Schmerzmitteln spielen konnte. Ich hatte da schon Arthrose vierten Grades in beiden Knien. Dann bin ich nach Großwallstadt gewechselt, habe dort nicht mehr mit dem Team trainieren können, habe nur noch gespielt – mit Schmerzmitteln vollgepumpt. So liefen die letzten Wochen bis zum Dopingbefund ab.
Warum haben Sie sich entschieden, nach unerlaubten Mitteln zu greifen?
Es war am Ende natürlich eine bewusste Entscheidung, aber auch eine verzweifelte und naive. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, was man gegen die Knieschmerzen noch tun könnte, zum Beispiel Eigenbluttherapie oder Ähnliches. Nichts half. Ich bin 2024 mit der Vorstellung nach Großwallstadt gegangen, dass ich noch drei Jahre Spaß habe und meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehe. Aber ich konnte den Alltag nicht mehr ohne Schmerzmittel bewältigen.
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Sie haben sich Testosteron in die Knie injiziert?
Ja, das Testosteron war die illegale Substanz, die ich mir in die Knie gespritzt habe. Irgendwann habe ich keinen Ausweg mehr gesehen, habe aber aufgezeigt bekommen, dass Testosteron bei der Regeneration und mit Arthrose befallenen Knien helfen kann und soll.

Warum haben Sie nicht gesagt: Mein Körper kann nicht mehr, ich höre auf?
Das ist leichter gesagt als getan. Ja, jetzt im Nachgang sitze ich hier und sage: Das war der größte Fehler meines Lebens, ich hätte in Dresden aufhören müssen, wenn ich rational gedacht hätte. Aber wir denken nicht immer rational. Es ist nicht einfach zu sagen: Okay, ich höre mit dem auf, was ich am besten kann und am meisten liebe.
Nils Kretschmer
Der gebürtige Lübecker verbrachte den Großteil seiner Handball-Karriere beim HC Elbflorenz in Dresden – neun Jahre. Ab 2024 spielte der mit 430.000 Followern reichweitenstärkste Handball-Influencer Deutschlands beim TV Großwallstadt und wurde im Dezember des selben Jahres positiv auf Testosteron getestet. Der 33-Jährige wurde dafür juristisch verurteilt und sportlich bis zum 11. Dezember 2027 gesperrt.
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Ihr Vater Holger war selbst Handballer, Ihr Bruder Finn ebenfalls Profi. Wie hat Ihre Familie den Fall aufgenommen?
Meine Eltern waren geschockt, ich habe mit ihnen erst relativ spät darüber geredet, die Kommunikation hat erst mal meine Freundin Robin übernommen. Ich habe mich vor ihnen geschämt, habe sie enttäuscht und wusste anfangs nicht, wie ich damit umgehen soll. Sie waren dennoch sehr hilfsbereit, haben mich total unterstützt, waren richtig gute Eltern.
Auf Ihrem Instagram-Profil haben Sie auch psychische Probleme angedeutet.
Ja, tagelang habe ich nur dagesessen, die Wand angestarrt, nichts mehr gefühlt, war emotional leer, kalt, konnte keine Liebe und Freude mehr empfinden. Ich war depressiv, ja. Meine Familie und Robin haben mir Halt gegeben, aber ich war auch jede Woche beim Psychologen.
Sie verdienen Ihr Geld nun als Influencer. Ist das lukrativer als ein Zweitliga-Vertrag?
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Ja, Social Media kann lukrativer sein, da es nicht gedeckelt ist. Natürlich spielt die Zahl der Follower auch eine Rolle. Allerdings variiert das Einkommen jeden Monat. Es ist der Plan, dass ich das die nächsten Jahre so weitermache.
Was raten Sie anderen Sportlern, die in einer vermeintlich ausweglosen Situation stecken wie Sie damals?
Im heutigen Profisport wird leider teilweise gefordert, auch verletzt oder nicht komplett fit zu spielen. Man sollte mit Menschen reden, die ein ehrliches Feedback geben wie Ärzte oder Mentalcoaches. Es ist keine Schwäche, sich eine Verletzung einzugestehen, sondern eine Stärke. Niemand muss verletzt oder mit Schmerzen spielen und trainieren.
SZ