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Sie hat endlich auch bei Olympia wieder gezeigt, was sie wirklich drauf hat. Mikaela Shiffrin (108 Weltcup-Siege) hat beim Slalom die Konkurrenz deklassiert und mit 1,50 Sekunden Vorsprung Gold gewonnen. Ihr dritter Titel nach dem Slalom-Sieg 2014 in Sotschi und Riesenslalom-Gold 2018 in Pyeongchang. Vor vier Jahren in Peking ging sie komplett leer aus. Auch in Cortina verpasste sie in der Team-Kombination als Vierte die Medaille.
Im Zielbereich umarmte Shiffrin auch ihre Mama Eileen. Für beide ein emotionaler Moment. Shiffrins Vater Jeff starb 2020, nachdem er vom Dach des Familienhauses gestürzt war. Shiffrin sprach schon in der Vergangenheit oft davon, wie sehr ihr Papa fehlt. Jetzt holt sie das erste Olympia-Gold, das er nicht mehr miterlebt.
Shiffrin auf der Pressekonferenz: „Ich habe an Leute gedacht, die hier sind und welche, die nicht hier sind. Ich habe an meinen Vater gedacht.“ Dann kämpft sie mit den Tränen und sagte weiter: „Es gab Momente, an denen ich dachte, ich möchte nicht ohne meinen Papa leben müssen. Und vielleicht war heute der erste Moment, in dem ich das wirklich akzeptieren konnte – also die Realität. Und statt zu denken, dass ich diesen Moment ohne ihn durchlebe, ihn nutzen möchte, um still mit ihm zu sein.“
Druck für Shiffrin gewaltig
Der Druck für Shiffrin ist gewaltig. Sie ist die erfolgreichste Skifahrerin aller Zeiten. Alles außer Gold wird oft schon als Niederlage gewertet. Vor vier Jahren in Peking schien sie diese Last komplett zu erdrücken. Auch damals sprach sie mehrmals davon, dass sie sich wünschen würde, ihren Dad um Rat fragen zu können.
Nach ihrem Slalom-Gold in Cortina erklärt sie: „Ein Teil meiner Trauer war schwierig, weil ich dieses spirituelle Gefühl nicht habe, von dem viele sprechen. Viele sagen, sie spüren die Präsenz ihres geliebten Menschen. Ich habe das nicht so erlebt. Ich denke ständig an meinen Papa. So fühle ich mich mit ihm verbunden – in meinen Gedanken und indem ich über ihn spreche. Aber manchmal war ich auch neidisch auf Menschen, die sagen: Er ist hier bei mir, er trägt mich durch diesen Tag. Ich habe gedacht: Warum kannst du das fühlen und ich nicht? Warum kann es nicht einfach leichter sein? Heute war es eher so: Vielleicht darf ich einfach mit ihm sprechen. Vielleicht muss er nicht unbedingt antworten. Das ist schwer. Aber es ist okay.“