Der Vergessene. Als die Handballer des THW Kiel ihre ersten beiden Bundesliga-Spiele nach der Winterpause gewannen, saß Rasmus Ankermann am Spielfeldrand (in Mannheim) beziehungsweise war gar nicht vor Ort (gegen den SC Magdeburg). Stattdessen war er zeitgleich für den TSV Altenholz, den Kooperationspartner der „Zebras“, im Drittliga-Topspiel in Hildesheim (33:30) aktiv. Aufgrund der Kieler Siege hatte THW-Trainer Filip Jicha alles richtig gemacht und Ankermanns Fehlen wurde nicht thematisiert.

Fans wählen Ankermann zum „Mann des Spiels“

Der Gefeierte. Als die „Zebras“ am Dienstag, 17. Februar, zum Start in die Hauptrunde der EHF European League bei der SG Flensburg-Handewitt mit 32:30 (13:15) gewannen, wurde Ankermann nach acht Minuten von Jicha auf das Parkett beordert. Dort glänzte er nicht nur mit vier Toren, klugen Pässen und einer starken Zweikampfführung, sondern auch mit einer für einen 18-Jährigen beeindruckenden Nervenstärke. Sie ermöglichte es ihm, zusammen mit dem ebenfalls hervorragend aufgelegten Nikola Bilyk (29) das Spiel der Gäste zu lenken. Dies honorierten auch die THW-Fans, die den gebürtigen Kieler zum „Mann des Spiels“ wählten.

Im Siegerkreis nach dem Derby-Sieg herzte Rasmus Ankermann (vorne rechts) auch Nikola Bilyk, mit dem zusammen er das Spiel des THW Kiel gelenkt hatte.
Foto: Johannes Speckner

Im Siegerkreis nach dem Derby-Sieg herzte Rasmus Ankermann (vorne rechts) auch Nikola Bilyk, mit dem zusammen er das Spiel des THW Kiel gelenkt hatte.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Der Genügsame. „Ich habe immer Spaß am Handballspielen – egal ob ich es in der THW-A-Jugend, in der 3. Liga oder bei den Profis tue“, sagte Ankermann. Dass er gegen die Rhein-Neckar Löwen und den SCM nicht berücksichtigt worden war, kommentierte der 18-Jährige wie folgt: „Ich bin froh, dass wir beide Duelle gewonnen haben – das war die Hauptsache.“ Da die Kieler mit 17 Spielern nach Mannheim gereist waren, sei „klar gewesen, dass einer aussetzen muss“, so Ankermann, der seine Rolle wie folgt umschrieb: „Ich bin da, wenn ich gebraucht werde. Dann gebe ich Vollgas. Und wenn nicht, dann sitze ich auf oder hinter der Bank – das tut nichts zur Sache.“

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„Jetzt hier in der Hölle Nord zu bestehen, nach einer so negativen Serie und fünf Niederlagen in Folge gegen die SG, ist unfassbar schön.“

Rasmus Ankermann

Rückraumspieler THW Kiel

Der Euphorische. Dass er sein erstes Derby in Flensburg gewann – am 11. Oktober 2025 war er bei der Kieler 34:36-Niederlage in Flensburg zwar für den Kader nominiert, aber nicht eingesetzt worden –, nannte Ankermann „großartig“. Es würde sich „immer wunderbar anfühlen, für die THW-Profis spielen zu dürfen“, so der 18-Jährige, der den besonderen Stellenwert des Derbys hervorhob: „Jetzt hier in der Hölle Nord zu bestehen, nach einer so negativen Serie und fünf Niederlagen in Folge gegen die SG, ist unfassbar schön.“ Das Spiel habe „uns allen wirklich unheimlich großen Spaß“ und ihn selbst „richtig stolz gemacht“, sagte der U19-Weltmeister von 2025.

In vielen Topspielen ließ Filip Jicha, Trainer des THW Kiel, Rasmus Ankermann gar nicht oder nur kurz mitspielen. In Flensburg baute er auf den 18-Jährigen, was sich auszahlte.
Foto: Johannes Speckner

In vielen Topspielen ließ Filip Jicha, Trainer des THW Kiel, Rasmus Ankermann gar nicht oder nur kurz mitspielen. In Flensburg baute er auf den 18-Jährigen, was sich auszahlte.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Der Dankbare. „Vor allem für unsere vielen mitgereisten Fans freut mich der Sieg“, sagte Ankermann, um den THW-Anhängern, die in der GP Joule Arena trotz klarer zahlenmäßiger Überlegenheit der SG-Sympathisanten immer wieder zu hören waren, zu danken: „Sie haben uns großartig unterstützt.“ Bei Jicha bedankte sich der 18-Jährige für dessen Vertrauen: „Ich bin dankbar, dass ich so viel Einsatzzeit bekommen habe.“ Jicha verteilte an Ankermann ein Sonderlob: „Das hat er sich verdient, weil er die Reifeprüfung bestanden hat.“ Und nach dem European-League-Spiel gegen Montpellier HB (27:18) glänzte Ankermann zum zweiten Mal gegen einen „großen“ Gegner.

Defizite in der Anfangsphase

Der Realistische. Dass gerade in der ersten Halbzeit im THW-Spiel nicht alles rund lief, gab Ankermann ehrlich zu: „Am Anfang gab es eine kurze Phase, in der wir drei, vier Tempogegenstöße und einfache Gegentore kassiert haben, die wir eigentlich verhindern wollten.“ In seiner Analyse hob der 18-Jährige aber auch die Steigerung hervor: „Wir haben in der zweiten Halbzeit kühlen Kopf bewiesen und, anders als beim Bundesliga-Spiel im Herbst, unseren Stiefel heruntergespielt.“ Und sein Team hätte „im Angriff immer Lösungen gefunden, entweder über Niko (Bilyk, Anmerkung der Redaktion) oder über Lukas Laube am Kreis“.

Die letzte Szene: Für dieses Foul von Niclas Kirkelökke (SG Flensburg-Handewitt, links) an Rasmus Ankermann (2. von links) bekam der THW Kiel einen Siebenmeter, der zum 32:30-Endstand verwandelt wurde. Blaz Blagotinsek (SG, 2. von rechts) und der Kieler Nikola Bilyk verfolgen die Aktion.
Foto: Johannes Speckner

Die letzte Szene: Für dieses Foul von Niclas Kirkelökke (SG Flensburg-Handewitt, links) an Rasmus Ankermann (2. von links) bekam der THW Kiel einen Siebenmeter, der zum 32:30-Endstand verwandelt wurde. Blaz Blagotinsek (SG, 2. von rechts) und der Kieler Nikola Bilyk verfolgen die Aktion.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Der Entscheider. Auch dank Torhüter Andreas Wolff (Ankermann: „Mit seinen Paraden war er ein starker Rückhalt.“) gingen die „Zebras“ mit einer 31:30-Führung in die letzte Spielminute. 38 Sekunden vor Ultimo nahm Jicha eine Auszeit und sagte einen Angriff an, dessen Zielspieler Ankermann war. Zweimal zog der 18-Jährige halblinks gen Kreis, wurde jeweils vom Flensburger Niclas Kirkelökke gefoult. Beim zweiten Mal gab es dafür einen Siebenmeter, den Bence Imre zum 32:30-Endstand verwandelte. Hätte Ankermann in dieser Szene auch gerne selbst getroffen? „Natürlich wäre ich gerne zum Abschluss gekommen – aber wichtig ist, dass wir gewonnen haben.“