Der britische König Charles III. hat die Nachricht über die Festnahme seines jüngeren Bruders Andrew „mit größter Besorgnis“ zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig betonte der 77-Jährige in einer schriftlichen Stellungnahme die Unabhängigkeit der Justiz. „Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen“, teilte der Monarch mit.

Charles erklärte weiter: „Nun folgt das faire und ordnungsgemäße Verfahren, in dem diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden sachgerecht untersucht wird.“ Er betonte: „Wie ich bereits gesagt habe, haben sie dabei unsere volle und uneingeschränkte Unterstützung und Zusammenarbeit.

Zuvor hatte die britische Polizei Andrew im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein festgenommen. Es geht um mutmaßliches „Fehlverhalten in Ausübung offizieller Funktionen“. Andrew wird vorgeworfen, in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen Epstein weitergeleitet zu haben. Der 66-Jährige, der heute Geburtstag hat, hat sich bislang nicht dazu geäußert.

Die Thames Valley Police erklärte in einer Mitteilung, dass in Sandringham ein Mann in den 60ern festgenommen worden sei. Dieser befinde sich nun in Gewahrsam. Den Namen des Mannes werde man „gemäß den nationalen Richtlinien“ nicht nennen. „Wir verstehen das große öffentliche Interesse an diesem Fall und werden zu gegebener Zeit über den aktuellen Stand informieren“, sagte der stellvertretende Polizeichef Oliver Wright.

Die Polizei gab außerdem bekannt, dass Beamte auch Immobilien in Norfolk und in Berkshire durchsucht haben. In der letztgenannten Grafschaft lebte der ehemalige Prinz bis zu seinem Auszug auf dem dortigen königlichen Anwesen, das er infolge der Epstein-Enthüllungen verlassen musste.

19.02.2026, Großbritannien, Sandringham: Polizeibeamte bewachen den Eingang zum königlichen Anwesen in Sandringham, nachdem Andrew Mountbatten-Windsor von der britischen Polizei wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch verhaftet wurde. Foto: Matthew Kemp/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Polizeibeamte bewachen am 19. Februar 2026 den Eingang zum königlichen Anwesen in Sandringham, nachdem Andrew Mountbatten-Windsor verhaftet wurde.

© dpa/Matthew Kemp

Die BBC, der Sender Sky News sowie die Nachrichtenagentur PA und andere Medien berichteten danach übereinstimmend, dass es sich bei dem Festgenommenen um Andrew Mountbatten-Windsor handeln soll.

Ein früherer hochrangiger Polizeibeamte sagte der BBC, dass die Beamten durch die Festnahme Zugang zu Computerausrüstung, Dateien, Fotos und anderen Beweismitteln erhalten würden. 

Was wird Ex-Prinz Andrew vorgeworfen?

Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu haben, auch, als sie noch minderjährig gewesen war. Andrew hat ein Fehlverhalten stets bestritten, zu den neuen Vorwürfen schweigt er bislang.

Der 66-Jährige hatte die Zivilklage mit einem Vergleich beigelegt. Giuffre beging im April nach Angaben ihrer Familie Suizid.

Er war nie ein Prinz.

Geschwister von Virginia Giuffre

Die Polizei im Thames Valley prüft derzeit zudem einen weiteren Vorwurf gegen Andrew, bei dem es um eine Frau geht, die zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein soll. 

In den jüngst veröffentlichten Epstein-Akten hatten britische Medien E-Mails entdeckt, die nahelegen, dass Andrew Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an den Sexualstraftäter weiterleitete. Die polizeilichen Ermittlungen bedeuten nicht automatisch, dass er sich strafbar gemacht hat.

Strafbestand „Misconduct in public office“

Die Thames Valley Police erklärte, der Vorwurf des Amtsmissbrauchs, ein Delikt des Common Law, das nicht durch ein geschriebenes Gesetz geregelt ist, berge „besondere Komplexitäten“. Der Straftatbestand des „misconduct in public office“ bezieht sich im britischen Recht auf Amtsträger, die ihre öffentliche Stellung vorsätzlich missbrauchen oder vernachlässigen.

Familie von Virginia Giuffre reagiert auf Andrews Festnahme

Die Familie von Virginia Giuffre hat sich nach der Festnahme des britischen Ex-Prinzen erleichtert gezeigt. „Endlich, heute wurden unsere gebrochenen Herzen durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal die Königsfamilie“, teilten die Geschwister von Giuffre mehreren Medien mit. Andrew sei „nie ein Prinz“ gewesen, heißt es darin weiter.

Statement von Giuffres Geschwistern

„Endlich.

Heute wurden unsere gebrochenen Herzen durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal Mitglieder des Königshauses.

Im Namen unserer Schwester Virginia Roberts Giuffre möchten wir der britischen Thames Valley Police unseren Dank für ihre Ermittlungen und die Verhaftung von Andrew Mountbatten-Windsor aussprechen.

Er war nie ein Prinz.

Virginia hat dies für alle Überlebenden überall getan.“

(Quelle: Sky News)

Wegen seiner Verwicklung in den Epstein-Skandal hatte Andrew bereits alle Ehren, militärischen Ränge und Titel verloren. Er musste 2019 von allen royalen Pflichten zurücktreten. Im Oktober entzog ihm König Charles den Prinzentitel, in der vergangenen Woche musste er sein Anwesen Royal Lodge in Windsor räumen.

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Die Vorwürfe hatten das Königshaus erneut schwer getroffen. König Charles III. hatte bereits vor der Festnahme angekündigt, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen.

Weiterhin betonte er, dass die Gedanken und Sympathien des Königspaars stets bei den Opfern jeglichen Missbrauchs seien, hieß es in einer Mitteilung. Maßgeblich an dieser öffentlichen Positionierung beteiligt gewesen sein soll auch Thronfolger Prinz William, der längst mit seinem Onkel gebrochen hatte. (dpa, Reuters, Tsp)