Laut dem spanischen Portal „La Tribuna de Automoción“ sorgt die Ankündigung der EU-Kommission im VW-Konzern für erhöhte Planungsaktivitäten. So soll die im Zuge des „Auto-Pakets“ Mitte Dezember angekündigte neue Fahrzeugklasse für kleinere Elektroautos bei Audi und Skoda den Ausschlag gegeben haben, eigene Ableger der neuen „Electric Urban Car Family“ anzubieten. Für Skoda wäre es nach dem bestätigten Eqip bereits das zweite Familienmitglied. Für Audi wäre es Neuland.

Beide Projekte sollen dem Bericht zufolge 2021 im Konzern schon einmal in Erwägung gezogen – aber später wieder verworfen worden sein. Die neue Gesetzgebung hat sie nun offenbar wiederbelebt. Die Pläne sollen bereits weit fortgeschritten sein: Der E-Kleinwagen-Ableger mit den vier Ringen ist laut dem spanischen Medium „praktisch bestätigt“, während der von Skoda noch kein grünes Licht erhalten haben soll. Der hypothetische Audi A1 e-tron soll dabei dem Artikel zufolge 2029/2030 auf den Markt kommen, der potenzielle Skoda E-Fabia aber erst 2031/2032. Offiziell bestätigt sind diese Pläne bzw. Überlegungen allerdings nicht.

Gesetzt sind für die Kleinwagenfamilie bisher der Cupra Raval, der VW ID. Polo, der VW ID. Cross und der Skoda Epiq. Den Anfang macht der Raval mit der geplanten Öffnung der Bestellbücher im ersten Halbjahr 2026. Auch die anderen drei kleinen Stromer sollen noch dieses Jahr folgen. Gebaut werden sie in Spanien. Beim Skoda Epiq handelt es sich um ein kleines SUV, für einen Elektro-Kleinwagen wäre im Modellangebot der Tschechen also noch Platz – und in der Verbrenner-Welt ist der Fabia das Pendant zum VW Polo.

Der Fokus auf kleine Stromer ist dabei neu. Über Jahre hatte die Branche das E-Kleinwagen-Segment recht stiefmütterlich behandelt und vorrangig margenträchtigere Segmente bedient. Viele Gering- und Normalverdiener konnten sich E-Autos deshalb lange nicht leisten. Das bewegte die EU-Kommission dazu, bei ihrem jüngst vorgestellten „Auto-Paket“ den Versuch zu starten, mit einer neuen Fahrzeugklasse gegenzulenken. Kern des Pakets ist freilich die leichte Lockerung der CO2-Ziele für Hersteller. Beide Aspekte hat die Kommission in ihrem Vorschlag gekoppelt.

So will sie über sogenannte „Super Credits“kleine und preiswerte E-Autos besonders fördern. E-Autos, die kürzer als 4,20 Meter sind, werden demnach bei der Berechnung der Flottenemissionen eines Herstellers stärker gewichtet. Praktisch ausgedrückt: Ein verkaufter ID. Polo würde bei der Berechnung der Flottenemissionen von VW nicht als ein Fahrzeug gezählt, sondern wie 1,3 Fahrzeuge. „Dies wird Anreize für die Markteinführung von mehr kleinen Elektrofahrzeugmodellen schaffen“, teilte die Kommission im Dezember mit.

Der Vorschlag soll auf Spanien und Frankreich zurückgehen. Beide Länder hatten sich schon im Herbst für die Beibehaltung des 2035er CO2-Ziels mit nur etwas zusätzlicher Flexibilität ausgesprochen und wollen lieber über Maßnahmen wie die Super Credits E-Autos fördern. Unternehmensseitig soll die neue Fahrzeugklasse vor allem von Renault und Stellantis befürwortet werden.

Geplant sein soll konkret eine neue Unterkategorie der normalen Pkws (Klasse M1) mit der Bezeichnung M1E. Dabei ist eine Länge von maximal 4,20 Metern maßgeblich. Aktuell gehören dazu etwa der kommende Twingo, der Renault 4 und der Renault 5 (alle Renault), der Citroen e-C3, der Opel Mokka Electric oder der Jeep Avenger (alle Stellantis) oder die angesprochenen Kleinwagen des Volkswagen-Konzerns. Knapp größer sind Modelle wie der Ford Puma Gen-E, der Volvo EX30 oder der Kia EV3.

Laut Medienberichten sollen aber nur E-Kleinwagen profitieren, die innerhalb der EU gebaut werden. Das passt zur neuen Linie der Kommission, die in ihrer Industriepolitik vermehrt „Europe-First“-Regeln einführen will. Damit würden von der Länge her qualifizierte Modelle wie der Dacia Spring, der Hyundai Inster oder der Mini Cooper und Aceman aus der Definition herausfallen.

latribunadeautomocion.es, forococheselectricos.com (beide auf Spanisch)