Das Ehepaar K. schläft tief und fest, dann werden beide plötzlich wach. Vor ihnen am Bett steht ein fremder Mann. Der Einbrecher fordert Bargeld, doch davon ist nicht viel im Haus. Nur ein Portemonnaie mit einer kleinen Summe hat Barbara K. parat.

Bei dem Raubüberfall ist der Einbrecher nicht allein, auch Komplizen sind vor Ort. Die 120 Euro, die das verschreckte Opfer in seiner Geldbörse findet, reichen den Männern nicht. Sie wollen fette Beute machen. Dann eskaliert die Situation.

In der neuen Folge von „OstwestFälle“, dem True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen, spricht Moderatorin Birgitt Gottwald mit Marc Uthmann, Redakteur beim Haller Kreisblatt (HK), über einen Raubüberfall im November 2017, der brutale Ausmaße annimmt und später auch vor Gericht für Aufsehen sorgen wird.

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OstwestFälle

Wöchentlich spannende Einblicke in True Crime Fälle aus OWL.

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Raubüberfall in Halle – das Wichtigste in Kürze

  • Ehepaar K. schläft in einer Nacht im November 2017, als mehrere Männer ins Haus einbrechen.
  • Die Eheleute wachen auf, als einer der Täter vor ihrem Bett steht und Geld fordert.
  • Die Ehefrau wird an einen Stuhl gefesselt, ihr Mann kann im Krankenbett nur zuschauen.
  • Große Beute machen die Täter nicht und verschwinden wieder.
  • Erst nach einigen Minuten kann die Seniorin sich befreien und Hilfe rufen.
  • Die Täter werden später über ihre Mobiltelefone ermittelt.

Täter bedrohen und fesseln Seniorin in Halle

Das im Haus vorhandene Bargeld reicht den Einbrechern nicht. Sie zwingen die Seniorin auf einen Stuhl, fesseln sie mit Plastikfolie und halten ihr ein Messer an den Hals. Ihr Ehemann kann nur hilflos zusehen. Aus Krankheitsgründen kann er das Bett nicht verlassen. Minuten der Angst und Ungewissheit vergehen, die Täter bedrohen Barbara K. und durchsuchen weiter das Haus.


Die Täter fesseln und bedrohen die Seniorin aus Halle, um an Geld zu gelangen. - © Philipp von Ditfurth/dpa

Die Täter fesseln und bedrohen die Seniorin aus Halle, um an Geld zu gelangen.
| © Philipp von Ditfurth/dpa

Nach einer gewissen Zeit beenden die Männer ihren Raubzug und ziehen ab. Die Seniorin lassen sie auf dem Stuhl gefesselt sitzen. Auch als die Täter weg sind, sitzt sie noch eine Zeit lang wie paralysiert da. Nach Minuten löst sie sich aus ihrer Erstarrung und kann sich befreien.

Sie ruft ihren Sohn an, dieser verständigt sofort die Polizei. Kurze Zeit später kommen Beamte zum Tatort. In den frühen Morgenstunden werden Spuren gesichert. Es stellt sich heraus: Mit einem Brecheisen verschafften sich die Täter über die Terrassentür Zutritt zum Haus.

Seniorin stand nach dem Raub unter Schock

Als HK-Redakteur Uthmann die Seniorin nach der Tat befragt, sei sie erstaunlich gefasst gewesen. „Sie machte einen sehr toughen, gelassenen Eindruck“, erinnert sich Uthmann heute. Nach der Tat habe sie zunächst angefangen, alles sauber zu machen.

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Uthmann vermutet, dass die Frau nach dem Vorfall noch immer unter Schock stand. Ungewöhnlich an dem Verbrechen ist, dass die Täter das Ehepaar weckten. Üblicherweise suchten Einbrecher nicht den Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, so die Polizei damals.

Als Täter wurde daher eine Person aus dem näheren Umfeld vermutet. Aber auch Habgier könne nicht ausgeschlossen werden, vermuteten die Beamten. Nach Ermittlungen wurden vier Männer im Alter von 21 bis 32 Jahren festgenommen. Überführt über ihre Mobiltelefone, die sich zur Tatzeit in die Funkzelle einloggten.

Vier Männer werden für Raubüberfall vor Gericht angeklagt

Die vier Täter waren gleichzeitig vor Ort mit ihren Handys verbunden und kommunizierten miteinander. Der Verdacht, dass die Täter mit fetter Beute rechneten, bestätigt sich. Ein Bekannter der Täter soll gesagt haben, dass sich im Haus ein Koffer voll mit 500-Euro-Scheinen befinden soll.


Im November 2017 verschaffen sich die Täter durch ein Terrassentürfenster Zugang zu dem Haus des älteren Ehepaars in Halle. - © picture alliance / Florian Schuh/dpa-tmn

Im November 2017 verschaffen sich die Täter durch ein Terrassentürfenster Zugang zu dem Haus des älteren Ehepaars in Halle.
| © picture alliance / Florian Schuh/dpa-tmn

Wer dieser Bekannte ist, bleibt ungewiss. Die vier Männer: Ein 32-Jähriger, ein 31-Jähriger, ein 22-Jähriger und ein 23-Jähriger wurden wegen schweren Raubes angeklagt. Zwei weitere Männer, ein 26-Jähriger und ein 48-Jähriger, wurden erst später verurteilt – auch sie waren zur Tatzeit in der Nähe des Hauses eingeloggt.

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Die Angeklagten beschuldigten sich vor Gericht gegenseitig und sagen verschiedene Dinge aus. Später stellte sich heraus, dass der 22-Jährige mit dem Fesseln und Bedrohen des Opfers begonnen hat. Er erhält eine Haftstrafe von vier Jahren wegen schweren Raubes. Sein 31-jähriger Kollege musste für ein Jahr und neun Monate wegen Wohnungseinbruchdiebstahls ins Gefängnis, da er bei der Tat bereits auf Bewährung war. Der 32-Jährige erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe und 100 Sozialstunden. Der 23-Jährige kam mit sechs Monaten auf Bewährung davon.

Menschen pöbeln im Gerichtssaal

Nach der Urteilsverkündung kam es im Saal zu Pöbeleien. Zuschauerinnen und Zuschauer wurden des Saales verwiesen. Sie waren offenbar mit dem Strafmaß nicht einverstanden.

Die relativ geringen Strafen für einen Raub rührten daher, dass nicht nachgewiesen werden konnte, dass die Täter von der Anwesenheit des Ehepaars wussten. In einem Folgeprozess wurden dann die zwei weiteren Männer (26, 48) auch verurteilt.

Ihnen konnte durch die Funkzellenauswertung nachgewiesen werden, dass sie nicht nur, wie anfangs gedacht, Schmiere standen. Sie hatten eine tragende Rolle und halfen bei der Bedrohung. Sie wurden zu Haftstrafen von dreieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt. Die Urteile sind mittlerweile rechtskräftig.

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