Als einer der prägenden Vertreter des Conservative Punk gilt Michale Graves seit langem als Reizfigur der Szene. Der ehemalige Misfits-Sänger geriet vor allem in den vergangenen Jahren verstärkt in die Kritik, nachdem er 2020 öffentlich seine Unterstützung für die rechtsextreme US-Gruppe “Proud Boys” bekundet hatte. 2021 sorgte er erneut für Empörung, als er sich hinter die Anhänger der Pro-Trump-Bewegung MAGA stellte, die am 6. Januar das Kapitol stürmten, um gegen die Bestätigung des Wahlsiegs von Joe Biden zu protestieren.

Proteste führen zu Absage mehrerer UK-Shows

Diese politischen Positionen haben nun Folgen für Graves’ geplante UK-Tour mit der American Monster Band. Mehrere Veranstaltungsorte sagten nach Protesten aus der Punk-Community die Konzerte der “Sticks And Stones”-Tour ab.

Wie die antifaschistische Zeitschrift Searchlight berichtete, protestierten Musikfans kürzlich gegen den geplanten Auftritt im The Underworld in Camden, London, woraufhin die Venue die Show abgesagt hat. Weitere Veranstaltungsorte zogen nach.

Stadtrat von Worcester: »Michale Graves ist ein Faschist«

Der Fall erreichte sogar die britische Lokalpolitik: In Worcester forderte Stadtrat Neil Laurenson, den für Freitag (20. Februar) geplanten Auftritt von Michale Graves in der Marrs Bar abzusagen – andernfalls wolle er den Club boykottieren. “Es ist unglaublich enttäuschend, dass die Marrs Bar beschlossen hat, den Auftritt nicht abzusagen. […] Michale Graves ist ein Faschist. Er unterstützt die Proud Boys und trat im Juli 2024 in Israel auf, einem Völkermordstaat”, erklärte er. “Ich liebe Musik, aber ich hasse Faschisten.”

Clubbesitzer Brian Marr wies den Druck von Laurenson zurück. Er wolle sich “nicht in politische Streitigkeiten hineinziehen lassen”, und habe keine Absicht, das Konzert abzusagen.

Graves: »Ich fördere weder Gewalt noch Hass oder Schaden«

Als Reaktion auf die zahlreichen Absagen hat Graves ein Statement in den sozialen Medien veröffentlicht, in dem er von einer “aggressiven Online-Kampagne” gegen ihn sprach. “Ich respektiere, dass Menschen unterschiedliche Meinungen haben oder sich entscheiden, diese Konzerte nicht zu besuchen”, so Graves.

“Bei meinen Konzerten geht es um Musik, Gemeinschaft und gemeinsame Leidenschaft”, fügte er hinzu. “Ich fördere weder Gewalt noch Hass oder Schaden, und diejenigen, die meine Auftritte besucht haben, wissen, dass es mir immer darum gegangen ist, Menschen durch Musik zusammenzubringen. Alle sind willkommen. ”

Abschließend erklärte er, die Live-Musikszene müsse ein “sicherer und inklusiver Ort für Künstler, Fans, Mitarbeitende der Veranstaltungsorte und lokale Gemeinschaften gleichermaßen” bleiben. “Niemand sollte sich unsicher oder eingeschüchtert fühlen, weil er an Live-Musikveranstaltungen teilnimmt oder diese unterstützt.”

Graves war von 1995 bis 2000 Mitglied der Misfits und wirkte an den Alben “American Psycho” (1997) und “Famous Monsters” (1999) mit. Seitdem hat er mehrere Soloalben veröffentlicht.

Auch sein Vorgänger Glenn Danzig geriet vergangenes Jahr unter Beschuss, weil er ein Nazi-Symbol auf dem Tour-Merch seiner Band Danzig verwendet hatte.