Die Stadt Leipzig reicht in diesem Jahr keine Fördermittel an den Trägerverein des Stasi-Museums „Runde Ecke“ aus. Das bestätigte das Kulturamt MDR SACHSEN. Als Grund wird der andauernde Streit um eine Weiterentwicklung der Gedenkstätte genannt.
Will das Museum nicht modern sein?
Die Ausstellung im ehemaligen Bezirksverwaltungssitz des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit ist seit der Eröffnung 1990 fast unverändert. Die Präsentation in den im Originalzustand belassenen Räumen müsse im Kern auch erhalten bleiben, betont Museumsleiter Tobias Hollitzer vom Trägerverein Bürgerkomitee Leipzig. Die Stadt und auch andere Förderer fordern dagegen seit Jahren ein modernes Ausstellungskonzept, bei dem in zeitgemäßer Form über staatliches Unrecht in der DDR informiert wird.
Ein absehbarer Schlussstrich
Weil der Verein keine entsprechenden Vorschläge vorlegte, hatte die Stadt ihre jährliche Förderung von ursprünglich 150.000 Euro seit 2020 mehrfach verringert. Im vergangenen Jahr überwies die Kommune nach Vereinsangaben noch 10.000 Euro. Weitere 223.000 Euro kamen von Bund und Freistaat Sachsen. Hollitzer erklärte, die fehlende Unterstützung der Stadt solle möglichst durch Spenden ausgeglichen werden.
Eine wichtige Einrichtung, aber …
Im Leipziger Stadtrat zeigten sich die Fraktionen auf Anfrage von MDR SACHSEN einig, dass die „Runde Ecke“ ein zentraler Erinnerungsort und die Arbeit des Museums grundsätzlich sehr wichtig sei. Aber nur die AfD kritisiert, dass die Förderung jetzt eingestellt wurde und vermutet eine versuchte Geschichtsklitterung. Fast alle anderen Fraktionen sprechen dagegen von einem überfälligen Schritt, werfen Verein und Museumsleitung eine Verweigerungshaltung vor. Der Museumsleiter Tobias Hollitzer war wegen Missständen kritisiert worden.
Verein soll sich endlich bewegen
Immer seien Änderungen versprochen, aber nicht geliefert worden, kritisiert die SPD. Die Linke spricht von einer Verzögerungstaktik. Die Grünen betonen, die Friedliche Revolution verdiene es, professionell und zeitgemäß präsentiert zu werden. BSW und Freie Fraktion fordern personelle Konsequenzen an der Vereins- und Museumsspitze.
Lediglich die CDU wollte sich inhaltlich nicht äußern und erklärte, über die Entscheidung des Kulturamtes nicht informiert worden zu sein.