Bielefeld. Seit zwei Jahren und vier Monaten steht sie als erste Frau an der Spitze der Universität Bielefeld, in dieser Woche hat sie runden Geburtstag gefeiert: Mit 60 Jahren ist Angelika Epple auf einem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen und hat als Unirektorin bereits einiges bewegen können und schultern müssen. Die Historikerin führt die Hochschule in schwierigen Zeiten – im Umbau und trotz Sparkurs muss sie die Uni für die Zukunft neu aufstellen. Ein Amt zwischen Aufbruch und Stellenabbau.

Als das Land NRW Anfang 2025 ankündigt, die Grundfinanzierung der Hochschulen ab 2026 zu kürzen, ist Epple etwas länger als ein Jahr im Amt. Zur Mammutaufgabe der Gebäudesanierung gesellt sich eine weitere. Fachbereiche, Studiengänge, Verwaltung – die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen der Universität kommen auf den Prüfstand. Dass es ohne „schmerzhafte Einschnitte“ nicht gehen wird, macht die Unirektorin früh deutlich.

Transparenz, Klarheit, Diplomatie, Teamfähigkeit und ein großer Optimismus zählen neben ihrer fachlichen Kompetenz zu Epples großen Stärken. Sie ist gut darin, Menschen auf ihre Seite und an ihre Seite zu holen. In diesen Zeiten eine wichtige Eigenschaft. Denn damit die vor ihr und der Universität liegenden Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden können, braucht sie möglichst viele, die den anspruchsvollen Prozess der Neuausrichtung mitdenken, mitplanen, mitgehen.

„Es wird in der Verwaltung Einschnitte geben müssen“

Bis zum Sommer wolle man sich auf Eckpunkte einigen, nennt Epple jetzt den Zeitplan. „Es wird auf jeden Fall auch in der Verwaltung Einschnitte geben. Aber es sieht aktuell nicht so aus, dass wir in größerem Umfang Studiengänge einstellen werden.“ Wo man aber Strukturen verschlanken wolle und müsse, würden immer zunächst Professuren gestrichen.

Die Stellen, die bleiben, sollen unter Epple mehr Verlässlichkeit erhalten. „Überall dort, wo wir ganz klar Daueraufgaben haben, wollen wir sie – wenn möglich – auch mit Dauerstellen unterlegen.“ Denn um Spitzenkräfte für Spitzenforschung nach Bielefeld zu holen, muss die Uni sich im internationalen Wettbewerb behaupten und als Arbeitgeberin attraktiver werden.

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Neu aufgestellt hat Epple bereits die Talententwicklung, ein sichtbarer Erfolg in ihrer noch kurzen Amtszeit. Seit Mai 2025 gibt es das „Graduate Academic Career Development Center“, kurz „Grace“, das Epple selbst „einen Meilenstein“ nennt. Die Zielgruppe reicht vom wissenschaftlichen Nachwuchs bis zur Professorinnen und Professoren, die mit Workshops, Beratungen, Informationen zu Stipendien und vielem mehr im „Grace“ auf ihren Karrierewegen gezielt unterstützt werden.

Die Baden-Württembergerin, gebürtig aus Heilbronn, ist ihre Stelle mit dem Auftrag angetreten, die Internationalisierung vorantreiben. Dafür ist sie durch ein neues Amt bestens vernetzt: Seit April 2025 gehört sie dem Vorstand des Verbands der Europäischen Universitäten („European University Association“) an, der die Interessen von 840 europäischen Universitäten vertritt.

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„Universität und Stadt noch enger miteinander verzahnen“

In dieser Rolle will sich Epple auch für den Schutz akademischer Freiheit einsetzen, die nicht mehr selbstverständlich sei. Dass diese mit einer demokratischen Grundordnung Hand in Hand geht, wird sie nicht müde zu betonen. „Das stärkt sich gegenseitig. Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir Universität und Stadt noch mal viel enger miteinander verzahnen und uns gemeinsam für Demokratie starkmachen.“

Die Geschichtsprofessorin ist zu einer hörbaren Stimme in Bielefeld geworden: Unter anderem via Instagram ruft sie 2023 zur Demo gegen Rechts mit auf, im September 2025 zur Kommunalwahl. Sie sagt: „Die Helden der Demokratie sind in meinen Augen die Lokalpolitikerinnen und -politiker. Sie machen einen wirklich harten Job. Wenn es uns aber gelingt, in den Regionen die Demokratie hochzuhalten, haben wir als Land sehr viel gewonnen.“

In Zeiten voller Unsicherheiten plädiert die Geisteswissenschaftlerin für Zuversicht und zeigt öffentlich Haltung, auch zum Nahostkonflikt. Die Antisemitismus-Prävention ist unter ihr zur Sache des Rektorats geworden.

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Epples Mann ist ein Drehbuchautor und Schriftsteller

Zeit für Privates bleibt unterdessen kaum. „Ich habe mit so viel mehr Menschen zu tun, als jemals zuvor in meinem Leben.“ Das verändere die Kommunikation und sei eine Herausforderung. Privat bilden drei Menschen Epples engsten Familienkreis: Seit 40 Jahren ist die 60-Jährige mit dem „Tatort“-Drehbuchautor und Buchautor André Georgi liiert. Seit 30 Jahren ist das Paar verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter (27 und 29).

In der Freizeit, die bleibt, wandert und joggt Epple gerne und geht ins Unifit-Fitnessstudio. „Ich gucke aber auch mal eine spannende Serie“, darunter zuletzt die norwegische Produktion „Weihnachten zu Hause“. „Am besten entspannen kann ich aber im Wald.“ Und der ist in ihrem Zuhause in Hoberge, aber auch an der Uni immer ganz in der Nähe.

Diskussion am 20. Februar in der Universität Bielefeld

Anlässlich des 60. Geburtstags von Angelika Epple lädt die Universität Bielefeld heute, 20. Februar, zur Diskussionsveranstaltung „Wissenschaft in Zeiten der gefährdeten Demokratie“ ein: Dabei sind unter anderem Unternehmer Michael Böllhoff, der renommierte Gewalt- und Konfliktforscher Andreas Zick, Theaterintendantin Nadja Loschky und NW-Geschäftsführer Klaus Schrotthofer. Los geht es um 15 Uhr im CITEC-Hörsaal der Uni Bielefeld.

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