Hilfsorganisationen sprechen von schwerstem Winter in der Ukraine seit Russlands Invasion 2022Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung – und das bei teils zweistelligen Minusgraden: Hilfsorganisationen haben ein düsteres Bild der humanitären Lage in der Ukraine gezeichnet und vor einem Rückgang der Hilfen gewarnt. Der Leiter der evangelischen Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Keßler, sagte, vier Jahre nach Beginn der russischen Großinvasion trügen nationale und internationale Hilfsorganisationen entscheidend dazu bei, den Menschen vor Ort zu helfen. Gleichzeitig sei diese Hilfe so gefährdet wie nie zuvor. Global würden Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt.

Die Einsparungen rissen massive Lücken in die Hilfsprogramme, warnte Keßler. Standen 2022 noch etwa 3,5 Milliarden Euro für solche Programme zur Verfügung, seien es 2025 nur noch 1,2 Milliarden Euro gewesen. Auch bei den Spendeneinnahmen gebe es nach anfangs sehr großer Hilfsbereitschaft eine sinkende Tendenz. Dennoch sei die Hilfsbereitschaft in Deutschland weiter groß.

Durch den extremen Winter benötigen laut Deutschem Roten Kreuz (DRK) fast 13 Millionen Menschen in der Ukraine humanitäre Hilfe. Der Leiter des Kiewer Büros der Diakonie Katastrophenhilfe, Andrij Waskowycz, sprach vom bisher schwersten Winter seit 2022. Staatliche Strukturen in der Ukraine seien vielfach nicht mehr in der Lage, allen Menschen im Land zu helfen. Umso nötiger sei daher Hilfe von außen.

Laut der Hilfsorganisation „Save the Children“ wurden seit Februar 2022 mehr als 4000 Stunden Luftalarm ausgelöst. Gerade für Kinder bedeute das Tausende Stunden voller Angst in Kellern, fehlenden Schlaf und Schulausfall. Der Dauerstress habe schwere Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit. Nach Angaben der „Aktion gegen den Hunger“ nimmt auch Mangelernährung zu. Steigende Preise, zerstörte Infrastruktur und winterliche Engpässe setzten Familien massiv unter Druck. Viele hätten kaum noch ein Einkommen, während Binnenvertriebene oft in schlecht isolierten Unterkünften lebten, sagte Geschäftsführer Jan Sebastian Friedrich-Rust.