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Beide Teams sammelten bereits neun Punkte in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga. So wie Urs Fischer dem FSV Mainz 05 hilft, tut auch Merlin Polzin dem HSV gut.
Mainz/Hamburg – Eigentlich war die Dienstreise nach Mainz schon vergangenes Wochenende geplant. Doch Merlin Polzin musste den Besuch im ZDF-Sportstudio auf dem Mainzer Lerchenberg aus Krankheitsgründen absagen. Anstelle des Trainers des Hamburger SV sprang kurzfristig Leistungsträger Nicolai Remberg ein, um einem Millionenpublikum den Aufschwung des Aufsteigers zu erklären. Nun sind die Rothosen beim FSV Mainz 05 bereits am Freitag unter Flutlicht (20.30 Uhr) in der Arena am Europakreisel gefordert.
Szene aus dem Hinspiel: Nicolas Capaldo vom HSV im Duell mit dem Mainzer Jae-Sung Lee. © IMAGO/Philipp Syza
Beide Teams stehen im Kampf um den Klassenerhalt nach neun Punkten in der Rückrunde besser da als noch vor Wochen gedacht. Ein Umstand, der hier dem erfahrenen Urs Fischer und dort dem jungen Merlin Polzin zugeordnet wird. Unterschiedliche Trainertypen, die aber mit ähnlichen Ansätzen den Rettungsanker geworfen haben.
Mainz profitiert im Bundesliga-Abstiegskampf von klarer Handschrift des Trainers
Der Schweizer Fischer hat mit seiner pragmatischen Attitüde den Rheinhessen wieder Hoffnung vermittelt, nachdem die Lehre des Einpeitschers Bo Henriksen ins Leere lief. Man brauche einen anderen Fußballlehrer, „der mit Ruhe draufschaut“, hatte Sportvorstand Christian Heidel damals erklärt.
Der 59-Jährige steht für eine strukturierte Defensive, ohne die punktuellen Nadelstiche in der Offensive zu vernachlässigen. Union Berlin wäre kaum unter seiner Regie bis in die Champions League gekommen, wenn Fischer mit den Eisernen nur Beton angerührt hätte. Auf Vorhaltungen in Bezug auf mangelnde Unterhaltung kann der 59-Jährige schon mal ungehalten reagieren. „Wer definiert, was attraktiv ist? Für mich ist entscheidend, dass man seine Idee nicht aufgibt.“
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Zu seiner klaren Handschrift passt, dass sogar am Rosenmontag Training angesetzt war. Und das bei einem Klub, dessen Fans zuletzt bei der Lehrstunde in Dortmund (0:4) ein Plakat als „internationaler Karnevalsverein“ in die Luft reckten.
Fischer fand allerdings weniger lustig, dass die Mainzer nunmehr neun der elf Gegentore im Jahr 2026 per Kopf kassiert haben. Für den mit einer Knieverletzung fehlenden Abwehrchef Stefan Bell dürfte vorerst der erst 18-jährige Kacper Potulski verteidigen. Fischer mag gerne auf routinierte Recken stehen, doch die Anlagen des polnischen Toptalents sind nicht zu übersehen.
Hamburger SV auf dem besten Weg zum Klassenerhalt
Und im Angriff hatte sein Arbeitgeber ohnehin umfassend aufgerüstet: Die Verpflichtungen von Phillip Tietz und Silas von der Konkurrenz in Augsburg und Stuttgart sollen Meilensteine sein, auch das 17. Jahr in Folge im Oberhaus abzusichern. Dass die Mainzer solche Deals im Gegensatz zu den Konkurrenten rasch durchziehen können, ist einem grundsoliden Wirtschaften zu verdanken.
Der HSV musste nach sieben Zweitligajahren eher findige Leihgeschäfte einfädeln, wobei der jetzt gesperrte Shootingstar Luka Vuskovic im Sommer zurück zu Tottenham muss und auch Feingeist Fabio Viera wohl kaum bleiben kann.
Weil offen ist, ob der einst aus Darmstadt gekommene Keeper Heuer Fernandes einen neuen Vertrag unterschreibt, könnte eine ganze Achse verloren gehen. Alles würde im Volkspark leichter, wenn der Ligaverbleib gelänge, der nach fünf Spielen ohne Niederlagen deutlich näher gerückt ist.
„Wir sind alle im Flow“, hat Polzin zuletzt gesagt. Der 35-Jährige gilt als reflektierter Charakter, der für den technisch limitierten Bakery Jatta und den lange torlosen Ransford Königsdörffer neue Positionen gefunden hat, die ihren Beitrag zu den jüngsten Erfolgen leisteten. Aber auch der Sprung in die obere Tabellenhälfte nach dem Heimsieg gegen Union (3:2) veranlasste Polzin nicht zu Tagträumen.
Sechs Punkte Vorsprung vor dem Nordrivalen Werder Bremen auf dem Relegationsrang können sich schnell verflüchtigen. Obwohl der stolze HSV von zehn Auswärtsspielen erst eines gewonnen hat, sagte Polzin vor dieser Dienstreise: „Es wird eine schwierige Aufgabe, aber wir sind mittlerweile so gefestigt, dass wir mit Selbstvertrauen und Zuversicht in die Spiele gehen können.“