Aktivisten haben in der Nacht zu Freitag eigenmächtig einen bislang gesperrten Fahrradweg an der A100 eröffnet. Wie das „Widerstands-Kollektiv Berlin“ mitteilte, seien „Absperrungen an fünf unterschiedlichen Orten mit einfachem Werkzeug“ geöffnet worden. Auf Bildern ist zu sehen, wie Bauzäune beiseitegeschoben wurden.
Als Grund gibt die Gruppe an, dass der fertige Fahrradweg „monatelang ohne ersichtlichen Grund gesperrt“ gewesen sei. Denn obwohl der neue Autobahnabschnitt zwischen Neukölln und Treptow bereits Ende August eröffnet wurde und Autofahrer über den 16. Bauabschnitt rollen können, blieb der parallel verlaufende Weg gesperrt.
Der von den Aktivisten eröffnete Fahrradweg an der A100.
© Widerstands-Kollektiv Berlin
Im September hieß es von der Senatsverkehrsverwaltung, dass er „im Frühjahr 2026“ eröffnet werden soll. Um einen Radweg handele es sich gar nicht, erklärte die Verwaltung auf Tagesspiegel-Anfrage, sondern um einen „Betriebsweg“ der Autobahn GmbH. Diese stelle aber „in Aussicht, dort zukünftig die Nutzung als Geh- und Radweg, auf eigene Gefahr, zu gewähren“.
Kritik am Berliner Senat
Die Ankündigung, den Weg im Frühjahr zu eröffnen, reichte den Aktivisten des „Widerstands-Kollektiv Berlin“ offenbar nicht. „Im Jahr 2025 wurden in Berlin nur 20,5 Kilometer Radweg gebaut – von den 150 Kilometern, die im Radverkehrsplan für 2025 vorgesehen waren. Es ist also notwendig, dass sich engagierte Radfahrende wie wir selbst darum kümmern“, wird eine Person, die an der Öffnung des abgesperrten Weges beteiligt war, in der Mitteilung der Gruppe zitiert. Nun stünden Radfahrenden „knapp zwei Kilometer Radweg mehr zur Verfügung“, heißt es weiter.
Das „Widerstands-Kollektiv Berlin“ ist eigenen Angaben zufolge aus der Protestgruppe „Letzte Generation“ hervorgegangen und setzt sich für Klimaschutz ein. Dafür wählt die Gruppe unterschiedliche Protestformen.
So sprühten Mitglieder der Gruppe im vergangenen Sommer in Berlin mehrmals auf normale Straßen Radweg-Piktogramme, um damit selbst neue Radwege anzulegen, etwa in Reinickendorf und Prenzlauer Berg. Damit wollten die Aktivisten gegen die fehlende Finanzierung für den Bau von Radwegen durch den Senat protestieren. In Neukölln nahm die Polizei mehrere Aktivisten bei dem Versuch fest, einen weiteren Guerilla-Radweg aufzumalen, und stellte Schablonen und Sprühfarbe sicher.
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In Gesundbrunnen malte die Gruppe einen Zebrastreifen auf die Fahrbahn. So wolle man „die so dringend benötigte klima- und menschenschützende Verkehrswende“ voranbringen, hieß es damals von der Gruppe.
Vor einem Monat wurden im Sauerland zwei Frauen und ein Mann der Gruppe festgenommen, nachdem diese versucht hatten, das Privatflugzeug von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu beschädigen.