Was der Streik gebracht hat
Der Streik dauerte sechs Wochen an: einer der längsten Arbeitskämpfe in der Bundesrepublik. Doch er konnte AEG in Nürnberg nicht retten. Electrolux machte das Stammwerk in Nürnberg 2007 dicht. Die Beschäftigen erkämpften sich durch den Streik jedoch einen üppig ausgestatteten Sozialtarifvertrag. „Wir wollten es am Ende so teuer wie möglich machen“, sagt der frühere Betriebsratsvorsitzende Harald Dix. Er hat inzwischen einen Job bei der IG Metall und sitzt für die SPD im Stadtrat. Die Beschäftigten mit Facharbeiterniveau fanden schnell eine Anstellung, berichtet Dix. Doch die Ungelernten hätten es schwer gehabt. „Das waren überwiegend Frauen mit Migrationshintergrund, die haben in der Industrie keinen Job mehr gefunden“, erzählt Dix. Einige hätten sich als Reinigungskraft durchgeschlagen.
Aus dem AEG-Werk wurde Kultur, Wirtschaft und Forschung „auf AEG“
Nach dem Aus für das AEG-Werk wollte die Stadt nicht, dass der schwedische Electrolux-Konzern auch noch daran verdient. Zum Beispiel mit dem Abriss der Gebäude und dem Bau von Supermärkten. „Wir haben zu allem ‚Nein‘ gesagt, was der Entwicklung für den Stadtteil hinderlich gewesen wäre“, sagt der frühere Oberbürgermeister Maly. Nur deshalb gibt es heute die „Kulturwerkstatt auf AEG“. Ein Treffpunkt für alle Menschen. Und ein Gewinn für den Stadtteil und den gesamten Nürnberger Westen.
Auf dem ehemalige Werksgelände, das inzwischen „Auf AEG“ heißt, siedelte sich neben der Kulturwerkstatt zum Beispiel auch der Energie-Campus an, ein Forschungs-Netzwerk von Uni, Hochschulen und Unternehmen. Hier forschen sie an einer Lösung, wie Elektroautos beim Fahren aufgeladen werden können. Hier entwickeln sie Ziegelsteine mit rekordverdächtig guter Wärmedämmung. Und hier hat das Wasserstoffzentrum Bayern seinen Sitz. Gut 20 Jahre nach dem Aus für die Produktion ist das frühere AEG-Werksgelände, trotz aller Verwerfungen, ein Beispiel, wie Strukturwandel gelingen kann.