Die Debatte um eine Rückkehr Russlands zu Olympia oder der Fußball-WM hat Fahrt aufgenommen. Doch an den Gründen für den Ausschluss hat sich nichts geändert.

Die Phalanx bröckelt langsam, aber vernehmlich. Wenig verwunderlich kam der erste direkte Vorstoß, den Bann Russlands im Weltsport aufzuweichen, von Gianni Infantino. Dem Präsidenten des Weltfußballverbandes Fifa, der bekanntlich keinerlei moralische Skrupel besitzt, Autokraten, Widerlingen und Menschenrechtshassern die ganz große Bühne zu übergeben. Solange nur die Kasse stimmt.

Infantino zeigte sich in einem Interview offen für eine Aufhebung des Ausschlusses von Russland, „zumindest im Jugendbereich.“ Der Bann habe nichts gebracht, sondern nur Frustration und Hass hervorgerufen, sagte er dem britischen Sender Sky. Die Reaktion aus der Ukraine, dem Land, das seit nunmehr vier Jahren unter dem brutalen Kriegsterror von Wladimir Putins Russland leidet, kam prompt.

Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete den Fußball-Boss als „moralisch degeneriert“. Man kann seinen Furor emotional verstehen, wenn man an die Schätzungen zufolge 55.000 ukrainischen Opfer des russischen Angriffskrieges denkt.

Auf einer Sportanlage im ukrainischen Lwiw fordert ein Banner den Ausschluss russischer Sportler. Auf einer Sportanlage im ukrainischen Lwiw fordert ein Banner den Ausschluss russischer Sportler.Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Die aufkeimende Debatte verwundert vor allem deshalb, weil sich an der grundlegenden politischen Ausgangslage seit dem Überfall im Februar 2022 so gut wie nichts geändert hat. Putin bombt und mordet weiter, die Ukraine verteidigt sich mit Hilfe seiner Verbündeten. Der russische Machthaber hat es selbst in der Hand, den von ihm selbst losgetretenen Wahnsinn zu beenden. Wenn er will, sofort. Erst nach einem Kriegsende sollte die Resozialisierung Russlands beginnen dürfen.

Warum von mehreren Seiten dennoch eine Diskussion über das Ende des Ausschlusses begonnen wird, wirft ein Schlaglicht auf die moralische Verkommenheit von Teilen der Funktionärsriege im Weltsport. In Moskau jubilieren sie schon. „Die Zukunft des Sports besteht darin, dass es eine Neutralität gegenüber allen politischen Strömungen gibt“, sagte das russische IOC-Mitglied Schamil Tarpischtschew der „Sportschau“. Das wäre die Traumvorstellung aller Kriegstreiber und Diktatoren: Dass der Weltsport endlich wieder einfach wegschaut, wenn schlimmes Unrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden. Hoffentlich kommt es nicht so weit.

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Auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beginnt sich der Wind zu drehen. 13 Athletinnen und Athleten aus Russland sowie sieben aus Belarus waren für die Winterspiele in Norditalien zugelassen. Sie starteten unter neutraler Flagge und ohne Hymne – so war es auch bei den Sommerspielen in Paris 2024. Im Taekwondo, beim Judo und im Fechten sind russische Sportler mit diesen Einschränkungen ebenfalls bereits wieder dabei. Die Vorgabe bei Olympia: Die russischen Teilnehmer dürfen den Krieg in der Ukraine nicht unterstützen. Wie realistisch so eine Neutralität in Putins Russland ist, wo andere Meinungen als die des Regimes wahlweise ins Arbeitslager, zur unfreiwilligen Einnahme eines Giftcocktails oder dem überraschenden Sturz aus einem Fenster führen können, darf sich jeder selbst ausrechnen.

Das IOC, das schon zu Zeiten des früheren Präsidenten Thomas Bach durch eine unappetitliche Nähe zu Putin auffiel, wankt in der Ausschluss-Frage. Dabei muss man wissen, dass die Suspendierung der Athleten

Die Debatte um eine Rückkehr Russlands zu Olympia oder der Fußball-WM hat Fahrt aufgenommen. Doch an den Gründen für den Ausschluss hat sich nichts geändert.