Es ist laut, es ist warm, es riecht nach Öl, Metall und Strom. Turbinen rauschen, Schritte hallen über Beton und Gitterroste. Ein Ort, an dem man sich erst einmal orientieren muss. Für die meisten Menschen ungewohnt, für Rettungshündin Fanny hartes Training unter Stress.

Rettungshunde im Training

Im Dresdner Kraftwerk an der Nossener Brücke übt an diesem Winterabend die Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes Dresden. Fünf Hunde sind dabei. Spaniel-Hündin Fanny läuft konzentriert neben ihrem Frauchen, die Nase dicht am Boden, dann wieder in der Luft. Sie soll lernen, sich nicht ablenken zu lassen.

„Die Hunde lernen, mit lauten Geräuschen klarzukommen, über Gitterroste zu laufen und insgesamt ungewohnte Umgebungen zu tolerieren“, sagt Berit Bartsch von der Staffel. Sie wohnt in Radebeul, arbeitet hauptberuflich bei einer Krankenkasse und engagiert sich seit vier Jahren ehrenamtlich bei den Rettungshunden.

Die Hunde lernen, ungewohnte Umgebungen zu tolerieren.

Berit Bartsch
Hundestaffel ASB

Zweimal pro Woche Training gehört dazu. Denn wenn es ernst wird, zählt jede Minute. Nach Lawinen oder Erdbeben suchen Rettungshunde weltweit nach Verschütteten, das kennt man aus den Nachrichten. In Sachsen geht es aber meist um Vermisste: verirrte Wanderer, Pilzsammler oder Menschen mit Demenz, die nicht nach Hause finden. Bis zu 40 Einsätze im Jahr kommen zusammen, sagt Bartsch.

Versteckspiel mit System

Im sogenannten Fernwärmekanal des Kraftwerks ist es düster. Dicke Metallrohre, Leitern, Winkel und Ecken ziehen sich unterhalb des Kraftwerks entlang. Hier wird heute geübt. Eine Person wird versteckt und die Hunde nacheinander ins Suchgebiet geschickt. Anders als beim Mantrailing folgen sie keiner konkreten Geruchsspur, erklärt Bartsch. Sie durchsuchen eine Fläche und zeigen durch lautes, anhaltendes Bellen an, wenn sie einen Menschen gefunden haben.

Fanny verschwindet hinter einer Rohrleitung, taucht wieder auf, zögert kurz an einer Treppe. Dreht dann um und sprintet zu Berit Bartsch zurück. Das Besondere bei den beiden: Bartsch kann nicht räumlich hören, deshalb muss ihr Fanny den Weg zeigen, statt zu bellen. Sie springt an ihr hoch, ihr Signal für: Hier ist jemand. An der Leine zieht sie Bartsch zu der versteckten Person.

Ausbildung für Mensch und Hund

Die Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre.

Berit Bartsch
Hundestaffel ASB

Doch nicht nur die Hunde lernen. Auch ihre Halter werden zu Sanitätshelfern ausgebildet. Erste Hilfe am Menschen, Erste Hilfe am Hund, Funken, Orientierung mit Karte und Kompass. Denn im Einsatz kennt niemand das Gelände. Gesucht wird oft nachts, im Wald, bei Wind und Wetter.

Warum im Kraftwerk trainieren?

Im Kraftwerk kommt noch eine andere Dimension hinzu: Gerüche, Hitze, hallende Räume, wechselnde Untergründe. Beton, Teppich, Gitterrost. Für sensible Hundenasen eine Herausforderung. Karl-Heinz Reiche, Kraftwerksführer im Ruhestand, begleitet die Gruppe. Seit Jahrzehnten ist er dem Werk verbunden. „Es ist auch mal was anderes“, sagt er schmunzelnd. Für die Mitarbeitenden sei es spannend, die Hunde bei der Arbeit zu erleben. Und vielleicht helfe es im Ernstfall, wenn Rettungskräfte das Gelände schon einmal gesehen haben.

Erfolgreicher Abschluss

Nach anderthalb Stunden sind die Teams erschöpft. „Jeder Hund hat so ein bisschen seine Schwierigkeit“, sagt Bartsch. „Der eine schaut immer zu Frauchen, der nächste hat Respekt vor bestimmten Untergründen.“ An diesem Abend jedoch sind alle zufrieden. „Alle haben wunderschön gearbeitet.“

Zum Abschluss gibt es Lob, Streicheleinheiten und eine wohlverdiente Belohnung. Allerdings nur für die Vierbeiner.