Meine Reise mit der Titanic beginnt mit der Aushändigung der Bordkarte. Ich bin Daniel Warren Marvin, 18 Jahre alte und reise 1. Klasse. Mein Vater besitzt eine Filmgesellschaft und meine Hochzeit wurde als einer der ersten auf Film festgehalten. Ob ich je in New York angekommen werde? Ich weiß es nicht.

Kein Hollywood

„Titanic – eine immersive Reise“ ist keine Ausstellung zum berühmten James-Cameron-Film aus dem Jahr 1997, sagt Malte Fiebing-Petersen, Vorsitzender des Deutschen Titanic-Vereins und wissenschaftlicher Berater der Ausstellung. Es gebe Anknüpfungspunkte, aber die Forschung sei heute weiter als vor 29 Jahren.

Im Film mit Leonardo Di Caprio und Kate Winslet werde etwa dargestellt, dass Passagiere der dritten Klasse aktiv durch ein geschlossenes Gittertor gehindert werden, auf das Bootsdeck zu kommen. Heute wisse man, dass das nicht der Fall war, so Fiebing-Petersen. Es habe solche Gittertoren nicht gegeben.

Einsteigen wie 1912: Die Reise beginnt am Kai

Nach diesem Einstieg in die Ausstellung, stehe ich am Kai, überall sind Gepäckstücke verteilt, die noch verladen werden müssen. Über eine Gangway gehe ich ins Innere der Titanic, dann durch einen langen Kabinengang weiter in einen Raum, der ins große Bordrestaurant der 1. Klasse zu führen scheint.

Ausgestellt werden Eierbecher, Gurkengabeln, Milchkännchen und allerlei weiteres Geschirr. Ich werfe einen Blick in ein Lese- und Schreibzimmer und in beengte Kabinen der 3. Klasse mit Doppelstockbetten.

Zwischen Pracht und Enge: Die Decks der Titanic

Dann stehe ich vor der großen Freitreppe, die sich im Original über mehrere Etagen zwischen dem A-Deck und dem E-Deck erstreckte. Über mir – angedeutet – ist die große Tageslichtglaskuppel.
In einer Vitrine liegen Schnitzereien vom Geländerpfosten der Treppe und eine Fliese aus einem Damen-WC. Ich bin mitten im Schiff angekommen.

Auf der Brücke

Ich betrete die Brücke der Titanic. Darauf das große Steuerrad und der Magnetkompass. Aus den Fenstern blicke ich auf das Meer mit seinen leichten Wogen. Immer mehr Eisbrocken schwimmen wie Boote im Wasser und treiben auf uns zu. Der letzte Tag der Titanic vergeht im Zeitraffer.

Zum Abend hin gehen immer mehr Funksprüche anderer Schiffe ein, die vor Eis warnen. Sie werden ignoriert. Die Funker sind damit beschäftigt, private Botschaften der Passagiere aus der ersten Klasse abzusetzen.

Im Krähennest – Eisberg voraus

Von der hell erleuchteten Brücke geht es ins Dunkel des Krähennestes, dem Aussichtspunkt an der Spitze des Vordermastes. Riesig groß liegt der Eisberg vor uns. Und schließlich kollidiert das Schiff in sternenklarer Nacht.

Im Maschinenraum

Mit frostigem Gefühl, das die Begegnung mit dem Eisberg erzeugt, gelange ich in den nächsten Raum: orange und rot erleuchtet, durchdrungen vom dumpfen Geräusch der Dampfmaschinenkolben stehe ich im Maschinenraum und habe das Gefühl, die Hitze der Kohlenglut und die Hektik der Maschinisten zu spüren, die versuchen die Maschinen aus voller Fahrt zu stoppen und den Befehl „Full astern – volle Kraft zurück!“ auszuführen. Es ist zu spät.