Weltweit einmalig

Seltenes Phänomen rund um Hannover – und keiner weiß warum

21.02.2026 – 09:57 UhrLesedauer: 2 Min.

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Reh im Wald: In der Region Hannover wurde das Phänomen der seltenen Fellfärbung einst als erstes festgestellt. (Quelle: IMAGO/Matias Basualdo/imago)

Niedersachsens Natur ist reich an Lebewesen – und viele davon hat wohl jeder schon mal gesehen. Doch es gibt Tiere, die sind so selten, dass selbst Experten keine Erklärung haben.

Wer in der Region Hannover in der Dämmerung durch Wälder oder über Feldwege unterwegs ist, begegnet mit etwas Glück einem Reh. In Deutschland leben nach Schätzungen rund 2,5 Millionen dieser Tiere. Sie gehören zum vertrauten Bild zwischen Deister, Wedemark und den Leineauen. Doch einige Exemplare stechen heraus – im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn im nordwestdeutschen Raum, insbesondere im weiteren Umkreis von Hannover, gibt es Rehe mit tiefdunklem Fell. Anders als ihre rotbraunen Artgenossen tragen sie ein fast schwarzes Haarkleid. Körpergröße, Gewicht – bis etwa 35 Kilogramm – und Geweih unterscheiden sich nicht. Auffällig ist allein die Farbe.

Fachleute sprechen von Melanismus. Dabei sorgt eine genetische Veränderung dafür, dass vermehrt dunkle Pigmente gebildet werden. Das Ergebnis ist ein nahezu schwarzes Fell. Vergleichbare Phänomene gibt es auch bei anderen Tierarten – ebenso wie das Gegenteil, den Albinismus.

Warum sich diese Tiere vor allem zwischen Ems und Elbe, also auch im Raum Hannover, konzentrieren, ist bislang nicht abschließend geklärt. Einzelne Sichtungen gab es zwar auch in anderen Regionen Deutschlands, etwa im Taunus oder in Bayern. Doch stabile Vorkommen finden sich fast ausschließlich im Nordwesten.

Historische Berichte verweisen darauf, dass schwarze Rehe schon vor Jahrhunderten im heutigen Niedersachsen vorkamen. Besonders häufig werden frühe Sichtungen aus dem Raum Haste bei Hannover erwähnt. Noch heute zeigt das Gemeindewappen dort einen schwarzen Rehbock. Auch in angrenzenden Gebieten wie Verden, Osnabrück oder Lüchow-Dannenberg wurden die Tiere spätestens seit dem 16. Jahrhundert beschrieben.

Wie viele schwarze Rehe tatsächlich existieren, lässt sich schwer beziffern. Allgemein gilt: Pigmentstörungen treten selten auf – Schätzungen sprechen von etwa einem Tier unter 10.000 Geburten. Für den Nordwesten werden teils deutlich höhere Anteile diskutiert. Belastbare Zahlen fehlen jedoch.