
AUDIO: Ausstellung „Mit Herz und Pinsel“ (5 Min)
Stand: 21.02.2026 06:00 Uhr
Bis zum 5. April präsentiert die Elbschloss Residenz im Hamburger Stadtteil Nienstedten Bilder ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Diese zeugen von Humor, Talent und Freude am Malen.
Ein langer Flur, weiße Wände, gerahmte Bilder. Tiere, Blumen, Gebäude und Landschaften sind darauf zu sehen, Farben, Formen in unterschiedlichen Stilen. Wer die Ausstellung „Mit Herz und Pinsel“ besucht, sieht Arbeiten von Frauen und vereinzelt auch von Männern, die sich regelmäßig zum Malen treffen, jeden Dienstag, seit vielen Jahren. Über viele Meter hängen die Bilder in dem langen tageslichtfreien Gang. Jedes ist eigens mit einem Spot in Szene gesetzt.
Feierlich wirkt das und lenkt den Blick jedes Passanten auf die Kunstwerke. Einige sind farbenfroh und plakativ, andere reduziert, grafisch, ruhiger. Norddeutsche Küste, Strände oder Stadtansichten schmücken die Rahmen, feine Stillleben, aquarellierte Tiere, die zufrieden oder humorvoll dreinschauen. Man erkennt Vorlagen großer Namen, Hundertwasser etwa. Andere Motive scheinen frei entwickelt. Entstanden sind alle Werke im Malkreis der Residenz.
„Ich kann mir nicht vorstellen, mit dem Malen aufzuhören“

Malkreis-Teilnehmerin Karin Lindhorst malt am liebsten nach Modell. Dieses Bild der studierten Künstlerin hängt in der Ausstellung.
Eine der Malenden ist Alexandra Adam-Carstens. Sie führt begeistert durch die Ausstellung: „Das Repertoire ist unglaublich vielfältig. Ich schaue mir die Ausstellung immer wieder an und trete dann auch mal näher an die Bilder heran. Ich kenne ja die meisten der Malenden. Und dann denke ich: Ja, das ist Marion oder ja, das ist Paul.“ Wenn man die Maler und Malerinnen kenne, könne man sich besser identifizieren mit dem, was da geschaffen wurde, die Leistung trefflicher einschätzen.
Nur eine der Malkreis-Teilnehmenden hat Kunst studiert und kann aus langjähriger Erfahrung schöpfen. Ihre eigene Begeisterung für die Ausstellung beobachtet die Alexandra Adam-Carstens auch bei anderen, die hier lang laufen: „Jedes Bild hier hat seinen eigenen Charakter. Den einen spricht dies besonders an, den anderen ein anderes. Ich sehe dauernd Leute, die stehen bleiben und interessiert die Bilder betrachten.“
„Ich kann mir nicht vorstellen, mit dem Malen aufzuhören“

Für „Die Dame trägt Rot“ erhält Hobby-Malerin Alexandra Adam-Carstens viel Lob.
Neben einem schwarzgerahmten Bild bleibt Alexandra Adam-Carstens stehen. Darauf ist eine elegante Dame mit schwarzem Haar und großem Hut zu sehen, die dem Betrachter die kalte Schulter zeigt. „Die Dame trägt Rot“ nennt sie das Bild, das ihrer Feder entstammt. Als Alexandra Adam-Carstens vor zehn Monaten dem Malkreis beitrat, experimentierte sie zunächst mit konkreten Motiven wie Blumen. Später suchte sie in Kunstbüchern nach Inspiration und stellte fest, dass sie gerne kräftige Farben und klare Formen einsetzt, um Stärke auszudrücken. Farbe und Konturen der „Dame in Rot“ legte sie anhand einer Vorlage fest und arbeitete anschließend frei an der Umsetzung, bis das Bild für sie stimmig war. Für sie ist das Werk eine persönliche Bestätigung ihres Fortschritts als Malerin. Kunst hatte sie in der Vergangenheit nur als Betrachterin begeistert. Erst nach ihrem Einzug in die Residenz im vergangenen Jahr entdeckte sie das Malen für sich: „Am Anfang habe ich ja gar nicht gewusst, ob ich das überhaupt machen kann. Es wurde dann immer packender, immer intensiver. Heute kann ich mir gar nicht vorstellen, mit dem Malen aufzuhören.“
Themen lenken den kreativen Prozess

Marion Buser ist Leiterin des selbstorganisierten Malkreises. Ihre Collage über Hamburg hängt in der Ausstellung.
Geleitet wird der Malkreis von Marion Buser. Sie ist 2013 mit ihrem Mann in die Residenz gezogen und hat die Organisation des Kurses übernommen, nachdem ihre Vorgängerin verstorben war. Seitdem kümmert sie sich um die Beschaffung von Materialien, denkt sich Themen aus und steuert Abläufe. Für ihr wöchentliches Gruppentreffen steht der Runde ein lichtdurchfluteter Raum mit Blick auf die Elbe zur Verfügung. Es gibt acht Plätze an der langen Tafel, jede Menge Pinsel, Farbkästen, Tuben, Stifte und Malgründe. Die Wände sind mit Selbstgemaltem behängt. Ein Regal trägt Kunstbücher, die als Inspiration oder Vorlage dienen. „Wir sind eine feste Gruppe“, erklärt die Gruppenleiterin. Den herrlichen Blick auf die Elbchaussee im Rücken, malt sie gerade an einem Wassermann.
Sieben Damen und ein Herr bilden den Malkreis

Die Nachfrage ist groß, aber die Gemeinschaft arbeitet gerne in einem überschaubaren Kreis.
Es befinden sich weitere sechs Damen und ein Herr im Raum, die konzentriert malen. Die ruhige Atmosphäre trägt. Ab und zu tauscht man sich leise aus, um die anderen nicht im kreativen Prozess zu stören. Dass hier eine eingeschworene Gemeinschaft arbeitet, spürt man. Neue können nur dazukommen, wenn ein Platz frei wird. Und das geschieht meistens nur aus gesundheitlichen Gründen, erklärt Buser, die seit 2014 Teil des selbstorganisierten Malkreises ist. Das Interesse der Bewohner sei groß, mitzumalen, die Kapazität jedoch begrenzt. Der Gemeinschaftssinn wächst auch an der gemeinsamen kreativen Ausrichtung. Gemalt wird nach wechselnden Themen. Gerade arbeiten die Kunstbegeisterten an Motiven zu Sternkreiszeichen. Im Frühjahr ist geplant, draußen zu malen – an der Elbe oder auf der Terrasse der Residenz.
Unterschiedliche Vorerfahrungen

Kunst begleitet Karin Lindhorst seit Jahrzehnten, sowohl praktisch als auch theoretisch.
Die Frauen, deren Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sind, bringen unterschiedliche Hintergründe mit. Karin Lindhorst ist studierte Künstlerin. Vor ihrem Studium hat sie eine Ausbildung als grafische Zeichnerin gemacht und viele Jahre im Verlagswesen gearbeitet, unter anderem als Layouterin. Kunst begleitet sie seit Jahrzehnten, sowohl praktisch als auch theoretisch. Für sie bietet der Malkreis eine Möglichkeit, regelmäßig zu arbeiten, ohne den Rahmen klassischer Kurse mit Leistungsdruck und festen Vorgaben.
Nach dem Tod ihres Mannes bietet ihr der Kurs vor allem auch Halt: „Ich bin dankbar für den Anschluss an diesen Freundeskreis“, erklärt die Künstlerin. Wenn sie einen Wunsch freihätte, würde sie sich wünschen, wieder einmal nach einem richtigen Modell zu arbeiten, einem Blumenstrauß oder einer Person, die sich zur Verfügung stellt. Marion Busers Plan, im Frühjahr an der frischen Luft, Bäume zu malen, geht in diese Richtung. Andere Teilnehmerinnen haben vor dem Malkreis kaum oder gar nicht gemalt. Alexandra Adam-Carstens war immer kunstbegeistert, hat aber selbst nie gemalt: „Es hat bei null begonnen und mittlerweile gefällt mir das sogar, was ich da mache.“
Die Resonanz tut gut
Für Alexandra Adam-Carstens ist der Kurs mit der Zeit immer wichtiger geworden, verrät sie und blickt voller Stolz auf ihre rote Dame. Die Ausstellung sei ein Highlight, weil man dadurch auch Rückmeldungen von anderen Bewohnern bekäme. „Das ist eine Art der Bestätigung, die mir gut tut“, schwärmt sie. Ihr Lieblingsmotiv in der Ausstellung hat die Kursleiterin gemalt. Es zeigt zwei Vögel, die Adam-Carstens herzlich zum Lachen bringen. „Ehekrach“ heißt das Bild.
Auch Marion Buser erfährt viel Lob für die gehängten Werke, von denen nur wenige abstrakt gehalten sind: „Wenn ich unsere Bewohnerinnen und Bewohner hier frage, die sagen immer, ich weiß jetzt, was ihr malt, ich kann das sehen, ich kann mich damit identifizieren. Und das ist genau das, was wir suchen, was wir brauchen.“

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