Der US-Multimillionär und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat im März 2012 Berlin besucht und sich hier mit dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak getroffen. Das geht aus den Epstein-Files hervor – den Dokumenten, die das US-Justizministerium Ende Januar veröffentlicht hat. Die Akten geben detaillierte Einblicke in die Reiseplanung und das Netzwerk von Epsteins Helfern. Die Berliner Morgenpost hat die Dokumente ausgewertet und aufgezeichnet, was geschah, als Epstein in Berlin war.

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Laut Berliner Morgenpost landete Epstein am 21. März 2012 mit einem Privatjet am Flughafen Berlin-Schönefeld. Es war sein erster Besuch in der deutschen Hauptstadt. Am Nachmittag unternahm er mit einer befreundeten deutschen Unternehmerin eine Fahrt durch die Stadt, unter anderem zum Reichstag.

Welches Bild Epstein selbst von seinem Reiseziel hatte, offenbarte er kurz vor dem Abflug in einer Chatnachricht: Auf die Frage einer Frau, was es in Berlin überhaupt gebe („What’s in Berlin?“), antwortete er schlicht mit „Red light district“ (Rotlichtviertel). Ob Epstein tatsächlich ein Rotlichtviertel in Berlin besucht hat, ist unklar.

Am Abend traf sich Epstein laut dem Bericht im Restaurant „Hugo’s“ mit Ehud Barak und dessen Ehefrau Nili Priel-Barak. Priel-Barak und Epsteins Assistentin Sarah K. hatten die Verabredung in den Tagen zuvor arrangiert. Ehud Barak hielt sich zu diesem Zeitpunkt als Staatsgast in Berlin auf. Er hatte am selben Tag am Gleis 17 der Holocaust-Opfer gedacht und mit dem damaligen Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) einen Vertrag über eine U-Boot-Lieferung unterzeichnet.

Epstein hatte für die kurze Zeit seines Aufenthalts ein Zimmer im Hotel Intercontinental an der Budapester Straße gebucht. Dort logierte auch das Ehepaar Barak. Epstein zeigte sich laut dem Bericht in einer späteren Kurznachricht an einen Bekannten tief beeindruckt von Baraks massiver Polizei-Eskorte in der Hauptstadt.

Neben den prominenten Treffen verdeutlichen die in dem Bericht zitierten Dokumente auch die logistischen Strukturen hinter Epsteins Reisen. Seine Assistentin Sarah K. organisierte nicht nur Flüge und Hotels für ihn, sondern ließ am selben Tag auch eine junge Frau aus dem russischen St. Petersburg nach Berlin einfliegen. E-Mail-Verläufe legen nahe, dass diese Frau in einem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis zu Epstein stand und Teil des ausgeklügelten Systems war, über das Epstein junge Frauen rekrutierte und ausbeutete. Die Russin reiste dann mit Epstein und Sarah K. weiter nach Paris.

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Schon vor seiner Reise nach Berlin hatte sich Epstein in der französischen Hauptstadt aufgehalten, wo er laut den Akten Kontakte in die Kulturszene pflegte. So besuchte er gemeinsam mit dem Filmemacher Woody Allen das Musée d’Orsay – ein Treffen, das Epstein anschließend nutzte, um in Nachrichten an mehrere Frauen zu prahlen, das Museum sei eigens für sie geschlossen worden.

Außerdem organisierte Epsteins Umfeld ein Abendessen mit dem französischen Oscar-Preisträger Michel Hazanavicius,der gegenüber der Morgenpost zwar eine Begegnung in großer Runde bestätigte, sich aber in der Rückschau von dem verurteilten Straftäter distanzierte.