Die Basketballer von Alba Berlin befanden sich noch in der Kabine, als es in ihrem Fanblock das erste Mal an diesem Pokalabend laut wurde. Nachdem die 800 mitgereisten Anhänger das erste Halbfinale zwischen Gastgeber Bayern München und Bamberg lange emotionslos verfolgt hatten, taten sie in der Schlussphase etwas, das ihnen eigentlich widerstrebt: Sie jubelten mit den Bambergern.
Normalerweise gibt es für den ehemaligen Serienmeister aus Franken abschätzige „Bamberger Bauern“-Rufe, doch am Samstagnachmittag wurde deutlich, dass die Abneigung gegenüber Bayern München mittlerweile noch größer ist.
Bambergs Cobe Williams (Nummer 24) zeigte gegen Bayern München eine herausragende Leistung.
© dpa/Sven Hoppe
Der sensationelle 103:97-Erfolg der Bamberger gegen den großen Favoriten – größter Etat der Bundesliga gegen den niedrigsten – ließ bei den 11.500 Zuschauern in der Halle erstmals richtig Stimmung aufkommen. Nur der Bayern-Block schwieg in Schockstarre und leerte sich schnell.
11.500
Fans waren in der neuen Münchner Halle.
Auf den Tribünen, wo viele bekannte Gesichter aus der deutschen Basketballgeschichte und auch andere Stars wie Mats Hummels saßen, klafften anschließend große Lücken. Alba scherte das nicht. Im zweiten Halbfinale setzten sich die Berliner souverän mit 98:78 (29:18, 17:20, 25:23, 27:17) gegen Oldenburg durch und stehen zum ersten Mal seit 2022 im Endspiel. Dort treffen sie am Sonntag, um 16.30 Uhr (Livestream im RBB), auf Bamberg.
Am Spielfeldrand saß reichlich Sportprominenz, unter anderem der frühere Fußball-Weltmeister Mats Hummels.
© dpa/Sven Hoppe
Beste Werfer auf Berliner Seite waren Malte Delow (21 Punkte) und der frühere Oldenburger Norris Agbakoko (16). Bei den Niedersachsen stach Chris Clemons hervor (26). „Abgesehen von den Ballverlusten haben wir das Spiel in vielen Facetten dominiert. Das war eine große kollektive Leistung“, sagte Pedro Calles.
Für Albas Trainer hatte es vor dem Spiel gute und schlechte Nachrichten gegeben. Während Ausnahmetalent Jack Kayil nach seiner Wadenverletzung wieder fit war, reichte es bei Bennet Hundt wegen Schulterproblemen noch nicht. So rückte erneut Guy Artman von Kooperationspartner Lok Bernau aus der dritten Liga in den Kader.
Die Berliner gingen von Beginn an mit mehr Intensität zu Werke als am Dienstag bei der überraschenden BBL-Niederlage gegen Hamburg. Zwar traf Oldenburgs Topscorer Clemons schnell drei Dreier, doch Alba hatte das Spiel im Griff. Insbesondere beim Rebound dominierte der Favorit und lag in dieser Statistik zwischenzeitlich mit 15:3 vorn. Ende des ersten Viertels wurde auch der Vorsprung bei den Punkten erstmals zweistellig.
„Wir haben super gereboundet, wir haben Druck gemacht und sie zu schweren Würfen gezwungen. Ich bin sehr stolz auf das Team“, sagte Albas Kapitän Jonas Mattisseck. „Berlin gegen Bamberg ist immer ein Klassiker.“
Im Berliner Fanblock, der zu Beginn des Spiels komplett in Hellblau und Gelb gefärbt war, herrschte prächtige Stimmung. Die Anhänger, von denen sich viele noch vor der Morgendämmerung mit einem Bus auf den Weg gemacht hatten, hüpften und sangen.
Malte Delow steht mit Alba zum ersten Mal seit 2022 im Pokalfinale.
© IMAGO/Alexander Trienitz
Ansonsten zeigte sich im nagelneuen Münchner Garden, erst vor anderthalb Jahren eröffnet und laut Betreiber die modernste Halle Europas, ein bekanntes Phänomen des Top-Four-Formats. Während die Anhänger der involvierten Mannschaften Stimmung machen, sind die anderen Fanlager desinteressiert – und die vielen Eventzuschauer lassen sich nur selten mitreißen.
Nur Alba durchbricht die Stille
Die Oldenburger sorgten dann aber dafür, dass der Abend nicht völlig einseitig verlief. Obwohl Clemons mit drei Fouls lange auf der Bank saß, kämpften sie sich im zweiten Viertel wieder auf zwei Punkte heran. Calles nahm gegen seinen früheren Arbeitgeber die erste Auszeit, und diese zeigte Wirkung.
Die Berliner fingen sich wieder und gingen nach dem dritten Distanztreffer des starken Alex O’Connell mit einer 46:38-Führung in die Pause. Nach dem Seitenwechsel legten sie erneut so intensiv los wie in der Anfangsphase des Spiels. Alba presste über das gesamte Feld, erzwang Ballverluste und zog immer weiter davon. Als Oldenburg bei 18 Punkten Rückstand eine Auszeit nahm, war in der Halle nur noch der Berliner Block zu hören.
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Die Niedersachsen gaben sich zwar nicht auf, doch Alba war an diesem Tag zu stabil und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Das Spiel trudelte seinem Ende entgegen, und als der Berliner Finaleinzug endlich perfekt war, hatte sich die Halle schon zur Hälfte geleert.