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Weimar (Thüringen) – Linksradikale Gruppen rufen zum Protest gegen die Gedenkstätte Buchenwald auf – ausgerechnet am Wochenende der Befreiung des Konzentrationslagers rund um den 11. April. Ihr wahnsinniger Vorwurf: Die Leitung des Zentrums, das an die Ermordung von mehr als 56.000 Menschen, darunter viele Juden, durch die Nazis erinnert, sei nicht israelfeindlich genug. Zudem würden propalästinensische Aktivisten angeblich kriminalisiert, berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“.
Hintergrund ist demnach ein Streit um das Tragen von Palästinensertüchern (Kufiyas) auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Im April vergangenen Jahres verweigerten Mitarbeiter einer Frau den Zutritt, weil sie mit einem solchen Tuch auf dem Gelände gegen Israel protestieren wollte. Ein Gericht gab der Gedenkstätte recht.
Die Klägerin war offenbar Mitglied einer kommunistischen Organisation, die das antisemitische Massaker der Hamas im Oktober 2023 gefeiert hatte. In einer Stellungnahme der Gruppe hieß es: „Wir können diesen Aufstand nur bewundern“, er sei „in Gänze legitim, genau wie all seine Mittel“.

Überlebende Inhaftierte des KZ Buchenwald nach der Befreiung durch alliierte Truppen im April 1945
Foto: AFP
Was ist jetzt geplant? Unter dem Slogan „Kufiyas in Buchenwald“ sollen öffentlicher Protest und Vorträge stattfinden. Mit dabei: die antizionistische Organisation „Jüdische Stimme“ und die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). In einer Stellungnahme der Gruppen heißt es, die Gedenkstätte Buchenwald sei zu einem Ort des „Geschichtsrevisionismus und der Genozid-Leugnung“ geworden. Sie verbreite „israelische Propaganda“.
Antisemitismusbeauftragter: „Neuer Tiefpunkt der Täter-Opfer-Umkehr“
Ein Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung sagte der „NZZ“: „Wir sind besorgt, dass versucht wird, das Gedenken unangemessen zu instrumentalisieren.“ Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sprach von einem „neuen Tiefpunkt der leider so geläufigen Täter-Opfer-Umkehr“. Er verurteilte „diesen frontalen Angriff auf die Würde des Erinnerns an die Opfer der Shoah auf das Schärfste“.
Unter anderem Juden, Homosexuelle und Kriminelle wurden zwischen 1937 und 1945 in dem KZ auf dem Ettersberg bei Weimar ermordet. Am 11. April 1945 befreiten sich die Insassen des Konzentrationslagers, nachdem die meisten SS-Männer vor den vorrückenden Amerikanern geflohen waren.
Transparenzhinweis: In einer früheren Version wurde berichtet, auch die Studentenorganisation der Linkspartei nehme an der Aktion teil. Dabei berief sich BILD auf die Recherche der „Neuen Zürcher Zeitung“. Unserer Recherche zufolge macht die Studentenorganisation der Linkspartei aber nicht mit. Auch ein Sprecher der Linkspartei wies uns darauf hin. Darum haben wir sie aus dem Text genommen.