Judith Braun22.02.202610:05
Sie schmeckt zwar vielen, gilt gemeinhin jedoch als ungesund: Sahne. Der Verzehr des Lebensmittels könnte überraschenderweise für das menschliche Gehirn durchaus positive Folgen haben. Lesen Sie, was schwedische Forscher in einer Studie beobachteten.
Ernährungswissenschaftler raten derzeit zu einem maßvollen Konsum von Sahne und Käse. Aufgrund ihres hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren gelten beide Lebensmittel als potenziell gesundheitlich belastend. Gleichzeitig deuten jedoch Studien darauf hin, dass insbesondere der Verzehr von Käse langfristig positive Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten haben könnte, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. So zeigte eine finnische Studie entsprechende Zusammenhänge.
Überraschenderweise scheint Ähnliches auch für Sahne zu gelten: Schwedische Forscher stellten fest, dass ein regelmäßiger Sahnekonsum mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert war. Die Ergebnisse legen nahe, dass einzelne Milchprodukte differenzierter betrachtet werden sollten.
ANZEIGEForscher bestätigen Zusammenhang zwischen Käse-Konsum und geringerem Demenz-Risiko
Für ihre im Fachjournal Neurology veröffentlichte Untersuchung analysierte ein Forschungsteam der Universität Lund Daten der Langzeitstudie „Malmö Diet and Cancer“. Darin hatten die Teilnehmenden detaillierte Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten gemacht. Insgesamt wurden 27.670 Erwachsene ausgewertet, die zum Zeitpunkt der Befragungen zwischen 1991 und 1996 im Durchschnitt 58,1 Jahre alt waren und keine Anzeichen einer Demenz aufwiesen. Im Verlauf der folgenden 25 Jahre traten 3.208 Demenzerkrankungen auf.
ANZEIGE
Die Analyse zeigte, dass rund zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die angaben, täglich mehr als 50 Gramm Käse mit einem Fettgehalt von über 20 Prozent zu verzehren, im Beobachtungszeitraum an Demenz erkrankten. Diese Menge entspricht etwa zwei Brötchen mit Brie. Demgegenüber lag der Anteil bei denjenigen, die weniger als 15 Gramm Käse pro Tag konsumierten, bei 13 Prozent. Als der fettreiche Käse bei einer weiteren Analyse allerdings durch fettreiches rotes Flesich ersetzt werden, stieg das Demenzrisiko wieder an. Daraus lässt sich schließen, dass nicht unbedingt der höhere Fettgehalt für die schützende Wirkung verantwortlich ist. Die Forschenden vermuten, dass andere Inhaltsstoffe in Brie, Gouda oder Cheddar eine Rolle spielen könnten.
ANZEIGEStudie zeigt: Auch Sahne kann wohl Demenz-Risiko reduzieren
Neben dem Einfluss von Käse auf die kognitiven Fähigkeiten untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die Auswirkungen des Sahnekonsums auf das Demenzrisiko. Dabei zeigte sich, dass der tägliche Verzehr von 20 Gramm fettreicher Sahne – entsprechend etwa 1,4 Esslöffeln bei einem Fettgehalt von über 30 Prozent – mit einem um 16 Prozent geringeren Demenzrisiko assoziiert war. Für Butter mit einem Fettgehalt von über 80 Prozent ließ sich hingegen kein vergleichbarer schützender Effekt feststellen.
Allerdings handelt es sich bei der Untersuchung um eine Beobachtungsstudie. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Käse oder Sahne und einem geringeren Demenzrisiko lässt sich daher nicht belegen. Möglich ist vielmehr, dass andere Lebensstilfaktoren der Teilnehmenden – etwa Ernährungsgewohnheiten insgesamt oder soziale Faktoren – zu dem beobachteten Effekt beigetragen haben.