Aus dem Johanna Ey- Forum im Stadtmuseum dringen am Samstagvormittag Pianoklänge. Bereits zum zweiten Mal ist das Haus Austragungsort für den Auftakt der Kinderkulturtage. Das kleine Festival für junge Talente zwischen sechs und 17 Jahren bietet Wettbewerbe in drei Kategorien: Instrumental, Gesang und Tanz.
„Wir haben in diesem Jahr über 1300 Anmeldungen“, freut sich Mitgründerin Elina Chernova über die Rekordnachfrage. Doch damit stößt die Veranstaltung auch an ihre Kapazitätsgrenze. „Wir hätten sicher noch zweimal so viele Talente einladen können, aber das sprengt einfach unsere Möglichkeiten“, meint die Geschäftsführerin und fügt an: „Wir mussten leider viele Bewerbungen ablehnen.“
Als die Kinderkulturtage vor 16 Jahren aus der Taufe gehoben wurden, hätten sich die Wettbewerbe auf teilnehmende Düsseldorfer Kinder konzentriert. „Dann weiteten wir das Angebot auf NRW und inzwischen auf ganz Deutschland aus“, fährt Elina Chernova fort. Mit der Öffnung des Festivals auf bundesweite Bewerbungen sei die Zahl der Anmeldungen von einigen Hundert auf mehr als 1000 angestiegen.
Viele der Kinder, die sich in den drei Kategorien einer fünfköpfigen Jury stellen, haben schon Erfahrungen mit vergleichbaren Wettbewerben. So auch Arthur Orlov. Der Elfjährige hat 2025 den ersten Platz bei „Jugend musiziert“ abgeräumt. Für seine Darbietung an der Gitarre hat sich Arthur einen Genremix ausgesucht, der von Klassik über spanische Klänge bis hin zu Metallicas „Nothing else matters“ viel Raum bietet, sein Können vorzustellen.
Das Nachwuchstalent sitzt im weißen Hemd, in schwarzer Hose und mit schwarzer Fliege um den Hals auf einem Stuhl. Den Korpus seiner Akustikgitarre hat er zwischen die Beine geklemmt, ihr Steg ragt schräg in die Höhe. Gespannt lauscht das Publikum im neu eingerichteten Johanna Ey-Forum den Klängen, die er auf den Saiten anschlägt. Mal sanft, mal rasant, aber immer virtuos. Scheinbar mühelos leitet er von einem Stück ins nächste über und krönt seinen Auftritt mit dem Metallica-Klassiker, den er so spielt, als säße er noch mit ein oder zwei weiteren Kollegen an der Gitarre auf der Bühne und nicht als Solist.
„Arthur hat einen privaten Lehrer“, erzählt die stolze Mama und betont, dass er ein „Naturtalent“ sei. Der so Gelobte lächelt bescheiden und verrät, dass er ein Hardrock-Fan ist. Den Musikgeschmack teilt er mit Maxim Kotov. Auch er tritt in der Kategorie „instrumental für Neun- bis Elf-jährige“ an. Sein Instrument ist das Schlagzeug. Wie Arthur hat Maxim sich für ein Medley entschieden. Klassik ist dabei weniger sein Ding. Er setzt allerdings ebenfalls auf ein Metallica-Stück. Doch für den Einstieg wird es Nirvanas Kracher „Smells like Teenspirit“, dem er Boney M.‘s „Rasputin“ folgen lässt.
Was alle drei Stücke vereint, sind knifflige Drumparts, die Maxim zur Musik aus zwei Lautsprechern spielt. Denn anders als bei Arthur wäre das Schlagzeug allein nur dann für die Jury zu bewerten gewesen, wenn der Nachwuchsdrummer ein minutenlanges Solo hingelegt hätte. Weil er aber, ebenso wie Mitbewerberin Mariia Shatalova, der Jury zeigen soll, dass er nicht nur improvisieren, sondern auch den Takt halten und Akzente setzen kann, dürfen die Kids ihre Idole trommelnd begleiten.
So frei sie in der Wahl der Stücke und Genres sind, so können sie auch entscheiden, ob sie allein oder als Gruppe antreten möchten. Am Samstag muss die Jury 47 Auftritte von insgesamt 60 Kindern bewerten. Erstmals darf auch das Publikum via QR-Code digital mit abstimmen und damit einen eigenen Preis verleihen.
„Wir vergeben Pokale an die ersten drei Plätze und einen weiteren Pokal als Publikumspreis“, erklärt Elina Cherkova und ergänzt: „Außerdem bekommen alle teilnehmenden Kinder eine Medaille und eine Urkunde“.
Im März stehen zwei weitere Termine im Kulturhaus Süd an. Dann messen sich die jungen Talente in den Kategorien Gesang und Tanz. „Für manche ist es die erste Gelegenheit, sich live vor Publikum zu präsentieren, für andere sind die Kinderkulturtage das Sprungbrett für eine Karriere“, fasst die Leiterin die Idee hinter dem Festival zusammen.