Kinder auf dem Schulhof der Heinz-Brandt-Schule

Kinder auf dem Schulhof der Heinz-Brandt-Schule

Foto: IMAGO / Christian Thiel

Die Rodung mehrerer alter Bäume auf dem Gelände der Heinz-Brandt-Schule im Stadtteil Weißensee war zulässig. Das entschied in der vergangenen Woche das Verwaltungsgericht Berlin. Nur einen Tag später lagen die zu Kleinholz verarbeiteten Überreste der hundertjährigen Bäume auf dem Schulhof. Dass der Rechtsweg der Kläger noch nicht gänzlich ausgeschöpft war – gegen die Eilentscheidung des Gerichtes hätte noch eine Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erhoben werden können –, ist somit nur noch Makulatur.

»Da wurde wirklich keine Zeit vergeudet«, sagt Julia Lord, deren Sohn auf die Heinz-Brandt-Schule geht, gegenüber dem RBB. »Nach dem Beschluss vom Mittwoch wurden direkt am nächsten Morgen Fällkeile in die Bäume gesetzt, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Es ist ein Trauerspiel, diese alten Bäume fallen zu sehen – und die Kinder stehen daneben und schauen zu«, so Lord. Die Bäume weichen einem Erweiterungsbau auf dem Schulhof. Dadurch sollen zwölf zusätzliche Klassenräume entstehen. Jedoch ist der Schulhof nach Angaben der Schulleiterin für die derzeit etwa 500 Schüler schon zu klein.

David Kißling, ein Elternvertreter, berichtet, dass die Schule über die Fällungen vorab »gar nicht« informiert wurde. Auf Nachfrage des Regionalsender RBB bestätigte das Sekretariat der Schule dies. Die Pressestelle der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen teilte dagegen mit, dass das zuständige Schulamt des Bezirks Pankow nach dem Beschluss informiert wurde. »Die Weitergabe der Information obliegt dem Schulamt«, so die Pressestelle weiter.

»Wir sind alle traurig und fassungslos«, erklärte die Schulleiterin im Nachgang gegenüber dem RBB. Die preisgekrönte Sekundarschule bietet Projekte zu Nachhaltigkeit, Klimaschutz und achtsames Miteinander an, die Fällung der Bäume könne man »den Schülern einfach nicht erklären«. Dass die Forstarbeiter unter Polizeischutz ihrer Tätigkeit nachgingen, verstärkt den Eindruck einer konzertierten Aktion. »Die Fällungen der bis zu 100 Jahre alten und gesunden Bäume wären vermeidbar gewesen«, sagt Almuth Tharan, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, gegenüber »nd«. Die unzureichenden Planungen der Senatsbauverwaltung hätten darüber hinaus ein unnötiges neues Hitzeschutzproblem auf dem Hof der Schule geschaffen.

»Die Fällungen der bis zu 100 Jahre alten und gesunden Bäume wären vermeidbar gewesen.«


Almuth Tharan (Grüne) BVV-Fraktionsvorsitzende

»Der Mangel an Oberschulplätzen in Pankow ist dramatisch. Diesen Mangel aber zu Lasten von Schulhoffläche und Lebensqualität beheben zu wollen, ist weder sinnvoll noch so alternativlos, wie der CDU-Bezirksschulstadtrat es dargestellt hat«, ergänzt Paul Schlüter, Tharans Co-Vorsitzender bei den Grünen in der BVV Pankow. Für den Fraktionsgeschäftsführer der Linken, Felix Fischer, sind »Baumfällungen nur dann vertretbar, wenn sie nachweislich zwingend für die Schaffung der dringend benötigten Schulplätze erforderlich sind, die Planung rechtssicher ist und gleichzeitig klare Kompensations- und Qualitätsmaßnahmen für den Schulhof umgesetzt werden«. Entscheidend sei aus seiner Sicht: »Wenn gebaut wird, dann muss auch der Schulalltag funktionieren – mit ausreichend Platz für Pausen, sicheren Wegen und einer guten Lernumgebung«.

Das Bezirksamt sei schon 2023 aufgefordert worden, so Fischer weiter, »für mehr Qualität an der Heinz-Brandt-Schule zu sorgen«. Dies müsse sich nun »endlich sichtbar in den Planungen widerspiegeln«. Denn Kinder bräuchten nicht nur Klassenräume, sondern auch sichere, grüne Schulhöfe und eine Planung, die Betroffene mitnimmt. Gleichzeitig stelle sich weiterhin die Frage eines tragfähigen Brandschutzkonzeptes, die Absicherung von Pausenflächen und Fluchtwegen sowie die transparente Einbindung der Schulgemeinschaft. Die Linksfraktion befürwortet zwar ausdrücklich zusätzliche Schulplätze, aber nicht um den Preis von Sicherheit, pädagogischer Qualität und einer grünen, altersgerechten Schulhofgestaltung.