Kritik am Landesschulamt

Ein Umzug kam für Keller aus familiären Gründen nicht infrage. Stattdessen nahm er eine Stelle an einem Gymnasium in Sachsen-Anhalt an – in zumutbarer Pendeldistanz. Auch andere Absolventen orientieren sich um, wechseln den Beruf oder warten ab und beantragen Bürgergeld. Der junge Lehrer kennt weitere Beispiele aus seinem Ausbildungsjahrgang.

Er kritisiert vor allem, wie das Landesamt für Schule und Bildung mit den Referendaren umgeht: Als ich dann meine Gründe genannt habe und auch wirklich versucht habe, einen Kompromiss zu finden – und ich habe gesagt: ich würde pendeln, aber einfach nicht so weit, also das geht nicht – da wurde dann mit großem Unverständnis reagiert. Ich soll doch da einfach mir eine Zweitwohnung holen oder habe dann einfach eine Wochenendbeziehung zu führen, dann ist das nun mal so.“

Kultusminister will Gerechtigkeit

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sagt dazu im Gespräch mit MDR SACHSEN, man berücksichtige auch die soziale Situation der Absolventen. Zugleich verweist er jedoch auf die großen regionalen Unterschiede bei der Unterrichtsversorgung: „Es ist einfach ungerecht. Wir haben eine zentrale Prüfung in Sachsen. Die Schüler in Leipzig schreiben die gleiche Prüfung wie im Erzgebirge. Und es kann nicht sein, dass in Leipzig die Unterrichtsversorgung bei 100 Prozent ist und im Erzgebirge nur bei 70 Prozent.“

GEW: Ausbildung vor Ort und keine Daumenschrauben

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist dieses Problem hausgemacht. Es sei seit Jahren klar, dass es auch in Ostsachsen einen Lehrkräftemangel gebe, erklärt der GEW-Landesvorsitzende Burkhard Naumann. Den werde es auch noch eine ganze Weile geben.

Er verlangt deshalb ein Umdenken in der Lehrerausbildung: „Wir brauchen eine flächendeckendere Ausbildung, dass die Leute vor Ort auch schon ausgebildet werden, auch ihre Praktika und Referendariate machen. Aber wir brauchen vor allem Anreize, zum Beispiel durch eine Zulage, dass man den Leuten etwas Besonderes anbietet. Stattdessen wird jetzt mit Daumenschrauben agiert. Und das geht nicht.“

Clemens verweist auf Jobvorteile

Kultusminister Clemens hat die Referendare für kommende Woche zu einem Gespräch eingeladen. Dabei setzt er offenbar hauptsächlich auf Überzeugungsarbeit. Der Minister betont: „Da müssen wir deutlich machen, dass sie ein gutes Jobangebot bekommen – über 5.000 Euro, eine Verbeamtung – aber wir sie natürlich nicht nur an den Wunschschulen brauchen, sondern eben auch in Hoyerswerda oder in Breitenbrunn im Erzgebirge. Diese Flexibilität müssen wir von den Lehrerinnen und Lehrern auch erwarten.“

Noch 65 Stellen unbesetzt

Bis vier Tage vor Beginn des zweiten Schulhalbjahres wurden nach aktuellen Zahlen des Kultusministeriums 427 Referendare des jüngsten Jahrgangs neu eingestellt. Dazu kommen noch 158 neue Lehrer aus anderen Bundesländern, früheren Ausbildungsjahrgängen und Seiteneinsteiger. Gerade die Zahl der Seiteneinsteiger steigt erfahrungsgemäß noch stark an, um die letzten 65 ausgeschriebenen Stellen auch noch zu besetzen, so der Kultusminister.