
AUDIO: Album der Woche: Die Leipziger Kantaten von Johann Ludwig Bach (4 Min)
Stand: 22.02.2026 06:00 Uhr
Eine neue Einspielung von Johanna Soller und ihrer Capella Sollertia lässt die Kantaten von Johann Ludwig Bach mit großer Klarheit und emotionaler Tiefe aufleuchten – von weinenden Seufzern bis zu jubelnden Freudenraketen.
Die Musik scheint mit den Worten mitzuweinen. „Die mit Tränen säen“, heißt es im Text, und Johann Ludwig Bach vertont diesen Effekt der Traurigkeit mit schweren Seufzer-Figuren. Als würden Tränen an den Noten kleben. Aber dann schlägt die Stimmung um beim zweiten Teil des Satzes: „Die mit Tränen säen werden mit Freuden ernten“. Plötzlich schießen jubelnde Koloraturen los. Da zündet die Dirigentin Johanna Soller mit ihrer Capella Sollertia kleine Freudenraketen.
Stimmen mit Klarheit und Seele
Dieser Beginn der Kantate bringt den besonderen Reiz der Aufnahme und der Musik auf den Punkt. Johann Ludwig Bach hat die geistlichen Texte ausdrucksstark in Töne gefasst. Den Effektreichtum reizt die Interpretation anschaulich und stilsicher aus. Etwa wenn eine Kantate an den Gang Jesu zum Kreuz nach Jerusalem erinnert und die Figuren der Streicher die mühsam schleppenden Schritte nachzuzeichnen scheinen.
„Ja, mir hast du Arbeit gemacht“, lautet die erste Zeile der Kantate. Davon versteht man beim Bariton Sebastian Myrus jedes Wort und jeden Ton. Myrus, der mit Johanna Soller zusammen auch eine neue Notenausgabe der Kantaten erstellt hat, gehört zu den herausragenden Erscheinungen unter den Solistinnen und Solisten der Aufnahme. Sie alle phrasieren natürlich, singen mit schlankem Klang und spüren den Botschaften der Musik organisch nach. Wie die Sopranistin Carine Tinney in der Arie „Auf, freue dich, Seele“, die einen tänzerischen Schwung entfacht.
Ein barocker Schatz auf vier CDs
Man kann sich gut vorstellen, weshalb Johann Sebastian Bach die Musik seines entfernten Cousins so geschätzt hat. Sie verströmt eine ganz eigene emotionale Kraft und deutet die christliche Botschaft der Texte empathisch aus. Besonders bewegend, wenn Johann Ludwig den Choral „O Große Lieb“ aufgreift und wie in Zeitlupe dehnt. Hier berührt der Komponist mit einem eher schlichten Ton. In anderen Chören überlagert er die Vokale mit einer bewegten instrumentalen Ebene und schichtet sie zu einem komplexen Gefüge.
Die neue Einspielung, gebannt auf vier CDs und mit einem fundierten Beihefttext ausgestattet, erkundet den Reichtum und die Vielfalt dieser Musik lebendig und transparent. Johanna Soller, ihre Capella Sollertia und die Solistinnen und Solisten haben einen barocken Schatz gehoben, der durch frühere Aufnahmen nur in Teilen bekannt war. Die Kantaten von Johann Ludwig Bach sind eine tolle Entdeckung.

Mozart: Sonaten für Violine & Klavier Vol. 4
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- Genre:
- Klassik
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