Am Anfang der Saison musste Borussia Mönchengladbach quälende acht Spiele auf einen Sieg warten, nun sind es Ende Februar bereits sieben nacheinander ohne Dreier. „Wir haben uns viel vorgenommen. Wir wissen, dass es um Punkte und um Siege geht. Das ist zu wenig“, sagte Haris Tabakovic nach der 1:2-Niederlage beim SC Freiburg.

Der Stürmer verkürzte in der Schlussphase per Kopf nach einer Ecke, im letzten Angriff hatte er plötzlich den Ausgleich auf dem Fuß, aber Freiburgs Christian Günter ging gerade noch dazwischen. „Ich nehme das ganze Spiel mit ins Bett“, sagte Tabakovic auf die Frage, inwiefern er die Szene am Abend noch im Kopf haben werde.

Der Bosnier wollte die Versuche am Ende auch nicht so hochhängen, zu harmlos hatte Borussia über weite Strecken agiert. Von zwölf Schüssen gingen zwei aufs Tor, bei einem Expected-Goals-Wert von 0,67 – ein erschreckend schwacher Schnitt. „Wir müssen von der ersten Minute an so agieren, die Bälle in die Box bringen. Hinten kriegen wir zu einfache Tore, vorne sind wir nicht gefährlich genug – so sehen dann auch die Resultate aus“, fasste Tabakovic zusammen.

Gladbach-Fans wenden sich ab in Freiburg

Die Fans hatten in Freiburg keine Lust, die Mannschaft aufzumuntern. Zwischendurch hatten sie ihr gar den Rücken zugedreht im Gästeblock. Die Lage spitzt sich in alle Richtungen zu bei Borussia, vor allem in der Tabelle, wo der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur noch zwei Punkte beträgt. „Am Ende des Tages ist es ein Spiel, das wir in den letzten Wochen häufiger hatten. Wir haben ganz gut mitgespielt, aber den Ball nicht in den Sechzehner getragen“, sagte Rouven Schröder.

Der Sportchef gestand ein, dass Borussia nicht ihr Leistungslimit erreicht habe. „Da müssen wir die Fesseln lösen, das wird so nicht reichen in der Liga. Es ist wichtig, sich da sehr kritisch die Meinung zu sagen“, betonte Schröder. Er sprach nach dem Abpfiff in der Kabine, erst dann ging es raus zu den Interviews. Logischerweise musste der 50-Jährige beantworten, wie es angesichts der Krise um sein Vertrauen in Trainer Eugen Polanski bestellt ist.

„Er hat weiter das volle Vertrauen. Eugen tut alles, um die Mannschaft gut aufzustellen. Am Ende sind wir alle, vor allem die Spieler, gefragt, die Dinge gut umzusetzen“, sagte Schröder. „Ich sehe, wie Eugen jeden Tag arbeitet. Es geht nicht nur um ihn, sondern auch um Borussia Mönchengladbach.“ Am kommenden Samstag kommt Union Berlin in den Borussia-Park, dann geht es zum FC Bayern. Anschließend empfängt Gladbach den FC St. Pauli und fährt vor der Länderspielpause Ende März zum 1. FC Köln.

Schröder zeigte den Spagat auf, den alle Beteiligten in der Aufarbeitung nun hinbekommen müssen. „Es geht darum, auf der einen Seite den Finger in die Wunde zu legen und auf der anderen das Vertrauen auszusprechen. Das ist Leistungssport. Nur mit dem Dampfhammer draufzuhauen, ist definitiv keine Lösung“, sagte er.

Kevin Diks: Ausführung des Plans ist das Problem

Kevin Diks lehnte es ab, den Fokus nun zu sehr auf Trainer Polanski zu lenken. Ob er sich gut vorbereitet fühle, ob es nur daran liege, dass der Plan nicht gut genug ausgeführt werde, wurde der Abwehrspieler von unserer Redaktion gefragt. „Es ist eine Mischung aus vielen Dingen. Ich verstehe, worauf die Frage abzielt. Man sieht es auch bei großen Mannschaften, dass es nicht immer der Trainer ist.“ Also: Plan vorhanden, Ausführung verbesserungswürdig.

Wie in den vergangenen Wochen und Tagen betonte Schröder, dass niemand die Situation unterschätze. „Wir haben es vor zwei, drei, vier, fünf, sechs Wochen gesagt: Es ist gestern, heute und morgen gefährlich“, lautete sein allumfassendes Urteil. Zuletzt hatte Gladbach vor 15 Jahren weniger Punkte auf dem Konto nach 23 Spieltagen, damals waren es 19. Geht es so weiter, wird die aktuelle Mannschaft auch von Lucien Favres Relegations-Borussia eingeholt.

„Wenn wir ihm das nicht zutrauen würden, würden wir handeln. Ich glaube, das ist eine klare Aussage“, sagte Schröder über den Versuch, die Wende mit Polanski zu schaffen. „Wir brauchen jetzt keine Headline: Der Trainer ist gefordert. Wir sind alle gefordert – für Borussia.“