Das ehemalige Postgiroareal am Ettlinger Tor in Karlsruhe wird zurzeit neu gestaltet. Vor rund 50 Jahren wurde das Gebäude des Postgiroamts dort errichtet, und die Diskussionen, Entscheidungen über den endgültigen Bau des neuen Postscheckamts gingen fast 20 Jahre – obwohl man damals mit einem Bauende Anfang 1962 gerechnet hatte, wurde der Neubau erst 1976 fertig.

Am Anfang war die “Via Triumphalis“ mit dem Ettlinger-Tor-Denkmal

Ursprünglich liegt zwischen der Kreuzstraße und der Karl-Friedrich-Straße auf dem Platz, wo das heutige Postgiroamt steht, ein Park. Vor dem Park und zur Straße hin steht der monumentale Malsch-Brunnen, der im September 1874 vom Architekten Heinrich Lang erbaut wird. Ein Jahr später kommen zwei Statuen von Bildhauer Friedrich Moest dazu. Der Brunnen ersetzt das 1872 abgerissene Ettlinger-Tor-Denkmal, das 1803 von Friedrich Weinbrenner als Teil der sogenannten “Via Triumphalis“ erbaut wird.

Malsch-Brunnen 1890.

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Malsch-Brunnen 1890.
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_oXIVb_304

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Malsch-Brunnen 1890.
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_oXIVb_304

1963 wird der Brunnen, der zwei Weltkriege unbeschädigt überlebt hat, abgerissen, damit die Straßen am Ettlinger-Tor-Platz umgebaut werden können. Lediglich einer der gusseisernen Löwenköpfe der Brunnenschalen, die Statue des Hylas und die Inschrifttafel werden gerettet.

Kosten werden auf 10 Millionen DM geschätzt

Bereits 1958 wird über den Bau des neuen Postscheckamts am Ettlinger-Tor-Platz diskutiert. Die Kosten für den Bau werden vom Bauamt bei der Oberpostdirektion auf 10 bis 11 Millionen DM geschätzt und man rechnet mit einem Bauende von 1962. Das Projekt steht bereits seit Jahren im Brennpunkt des öffentlichen Interesses.

Die Vorschläge des Stadtplanungsamts stimmen relativ mit den Wünschen der Oberpostdirektion überein, obwohl es leichte Abweichungen gibt. Beispielsweise werden aufgrund von Platzmangel viele alte Bäume im ehemaligen Garten des Markgräflichen Palais gefällt, obwohl die Stadt gerne einen Teil des kleinen Parks erhalten hätte. Man rechnet mit einem Bauanfang von 1960.

Jedoch verzögert sich das Projekt erheblich. Anfang 1963 wird berichtet, dass die Bundesregierung einen Baustopp verhängt, um die Wirtschaftstätigkeit einzudämmen. Man hofft, im Jahr 1964 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Verschiedene Probleme sind der Grund dafür, beispielsweise die Entscheidung über elektronische Systeme zur Automatisierung im Postdienstbetrieb oder die Frage der verfügbaren Parkplätze für das Gebäude. Hier sieht es so aus, dass neue Tiefgaragen geschaffen werden müssen.

Gerüchte um Hochhausbau am Ettlinger Tor kursieren 1964

Im Januar 1964 kursieren Gerüchte, dass die Post ihre Planung für das Postscheckamt geändert hat und ob am Nordrand des Ettlinger-Tor-Platzes ein 21-stöckiges Hochhaus errichtet wird. Auf jeden Fall wird bekannt gegeben, dass frühestens in diesem Jahr mit dem Baubeginn gerechnet werden kann. Der geschätzte finanzielle Aufwand ist inzwischen 20 Millionen DM.

Postgiroareal vom 4. November 2025.

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Postgiroareal vom 4. November 2025.
Foto: Thomas Riedel

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Postgiroareal vom 4. November 2025.
Foto: Thomas Riedel

Es passiert aber noch nichts und Mitte Juli 1966, über zehn Jahre nach dem Beschluss, den Neubau zu errichten, schlägt die Stadtverwaltung der Oberpostdirektion Karlsruhe vor, das neue Postscheckamt nicht am Ettlinger Tor sondern im Beiertheimer Feld zu bauen. Die Stadt möchte das Areal wieder akquirieren, um ein Parkhaus zu bauen. Tatsächlich ist das Areal noch nicht überbaut und es funktioniert aktuell als Parkplatz.

Offensichtlich verschiebt das Bundespostministerium die Ausführung des Projekts teilweise wegen der hohen Kosten, jedoch auch teilweise, um Erfahrungen in automatisierten Postscheckämtern in anderen Bundesstädten abzuwarten. Es scheint, dass bei einer Umstellung des Betriebs auf Datenverarbeitungsmaschinen der Raumbedarf für die Post höher liegt. Außerdem erwägt das Bundespostministerium, einige Postscheckämter zu schließen und manche kleine Ämter, darunter auch das in Karlsruhe, zusammenzulegen.

Bau mit Brücke über die Kriegsstraße, Kantine und Tagungsräume

Anfang 1969 gibt es endlich einen Kompromiss – das neue Postscheckamt kommt doch am Ettlingen-Tor-Platz, wo der Post das Gelände am ehemaligen Markgräflichen Palais gehört und es wird eine Tiefgarage für die Theatergäste gebaut. Der bereits vor inzwischen acht Jahren genehmigte Bau des neuen Amtes wurde aufgrund der Einführung der Automation, des Baustopps und der Unterführung am Ettlinger Tor verzögert, erklärt die Post.

Inzwischen werden die Kosten des Baus, der in den Jahren 1973 bis 1976 errichtet werden soll, auf 65 Million DM geschätzt. Die Höhe des Gebäudes soll maximal 30 Meter sein, um sich dem Theaterneubau anzupassen. Der Vorschlag von der Stadtverwaltung, das neue Postamt im Beiertheimer Feld zu errichten, wird von der Post nicht akzeptiert. Sie will mit dem neuen Amt nahe dem Stadtzentrum bleiben.

Im Gespräch ist auch ein Vorschlag der Stadt, über die Kriegsstraße hinweg eine Brücke zu bauen, mit einer Postkantine, öffentlichem Restaurant und Tagungsräumen. Damit könnte der Ettlinger-Tor-Platz erheblich attraktiver werden. Die Stadt wünscht sich auch Geschäfte und Cafés im Erdgeschoss des Gebäudes, um den Ettlinger-Tor-Platz zu beleben.

Postgiroareal vom 4. November 2025.

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Postgiroareal vom 4. November 2025.
Foto: Thomas Riedel

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Postgiroareal vom 4. November 2025.
Foto: Thomas Riedel

Dieser Wunsch wird aber von der Post nicht akzeptiert und sie will sich auch nicht an einer Tiefgarage beteiligen. Der Neubau soll allerdings kein Hochhaus sein. Auf jeden Fall gibt es endlich grünes Licht für das neue Postscheckamt, zumindest vom Rathaus und von der Oberpostdirektion Karlsruhe. Die Zustimmung des Bundespostministeriums steht noch aus.

Fußgängerunterführung zum neuen Theater

Im Mai 1973 werden die Baukosten schon mit 81 Millionen DM geschätzt und es ist geplant, im Oktober mit den Bauarbeiten anzufangen. Wenige Monate später sind die voraussichtlichen Kosten auf 86 Millionen gestiegen, und der Bau soll Anfang 1974 beginnen.

Es wird eine fünfgeschossige Bebauung geplant, mit einem zurückgesetzten sechsten Geschoss. Drei weitere Stockwerke sollen versetzt angeordnet dazukommen. Der östliche Teil des Grundstücks wird mit einem viergeschossigen Gebäude mit Innenhof ausgefüllt. Auch eine Fußgängerunterführung zum neuen Theater soll aufgenommen werden.

Aber im September äußert der Stadtrat noch Bedenken wegen des Baus und bedauert auch weiterhin sehr, dass das Erdgeschoss durch Kommunikationszentren wie Läden oder Cafés nicht belebt wird. Der Bau wird wieder verzögert.

Endlich grünes Licht für den grün verpackten Neubau des Postscheckamts

Im März 1974 werden die Einsprüche vom Stadtrat, hauptsächlich wegen vermeintlicher Verkehrsbehinderungen und der sehr intensiven Ausnutzung des Grundstücks und Verschattung benachbarter Gebäude, abgelehnt. Am 1. Juli 1974 soll mit dem Bau angefangen werden. Dafür müssen zunächst 22 Bäume gefällt werden und 250 Parkplätze gehen verloren. Nach der Fertigstellung sollen 89 Bäume jedoch neu gepflanzt werden.

Postgiroareal in Karlsruhe. (Archivbild)

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Postgiroareal in Karlsruhe. (Archivbild)
Foto: Emelie Stump

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Postgiroareal in Karlsruhe. (Archivbild)
Foto: Emelie Stump

In einer Tiefgarage unter dem Areal gibt es 170 Parkplätze für die Mitarbeiter des Postscheckamtes. Das Gebäude wird moderne Büros für 1100 Leute bieten. Der Gebäudekomplex soll auch eine „grüne Verpackung“ erhalten. Rundum das Gebäude wird es eine Baumgruppe mit einer Brunnenanlage geben. Oben kommt ein großer Dachgarten mit Bäumen. In der Tat wird der Grundstein am 14. November 1974 gelegt. Inzwischen schätzt man die Kosten auf 84 Millionen DM.

Das Problem mit dem Dachgarten

Am 20. Mai 1976 ist es so weit – die Oberpostdirektion Karlsruhe feiert den Bau des Postscheckamts mit einem Richtfest, zu dem auch der Staatssekretär vom Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen aus der Hauptstadt Bonn eingeladen ist.

Es gibt jedoch noch einen offenen Punkt – den Dachgarten, und das Postministerium möchte von diesem Teil des Projekts nichts mehr wissen, mit der Begründung, es hält den Dachgarten für eine völlig nutzlose und überflüssige Sache. Zu dieser Begrünung ist jedoch die Post gemäß dem Bebauungsplan verpflichtet. Während die Stadtverwaltung im Februar 1977 darauf besteht, dass die Begrünung erforderlich ist, will die Post ihrer Verpflichtung durch ein Gutachten entziehen.

Genauso wie der Bau des Gebäudes zieht sich die Diskussion über den Dachgarten in die Länge. Endlich wird im Januar 1978 bekannt gegeben, dass die Begrünung auf insgesamt sechs Dachebenen etwa 300.000 DM kosten wird und im Februar anfangen kann. Die Begrünung der ebenerdigen Außenanlagen wird weitere 300.000 DM kosten.

Billiger als geplant

Endlich darf die 1100-Mitarbeiter-starke Belegschaft in das neue Gebäude einziehen und Ende Mai 1978 wird das neue Postscheckamt offiziell eingeweiht. Der Bau des Gebäudes unterlag zahlreichen Einschränkungen. Beispielsweise durfte er die Stadtmitte vom Volumen her nicht zu sehr belasten, den Blick zu den drei Türmen im Zentrum nicht beeinträchtigen und die Bühnenturmhöhe des Badischen Staatstheaters nicht überschreiten.

Postscheckamt am Ettlinger Tor Neubau 1977.

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Postscheckamt am Ettlinger Tor Neubau 1977.
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger 1977 A33_31_5_20

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Postscheckamt am Ettlinger Tor Neubau 1977.
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger 1977 A33_31_5_20

Am Ende ist der Bau billiger als geplant – 75 Millionen DM statt 83,5 Millionen. Von der Kantine aus darf man auch einen Teil des bepflanzten Dachs betreten.

  • Katherine Quinlan-Flatter

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