„Gegen den satanistischen Westen“

Putin forciert seinen „Heiligen Krieg“

23.02.2026 – 07:18 UhrLesedauer: 5 Min.

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Russlands Präsident Putin und die russisch-orthodoxe Kirche deuten den Überfall auf die Ukraine immer weiter in einen Glaubenskrieg um. (Quelle: IMAGO/Sergei Bulkin/imago-images-bilder)

Wladimir Putin verleiht dem Ukraine-Krieg zunehmend eine religiöse Bedeutung. Zeichen dafür finden sich überall im Land. Für den Kreml steht die „Existenz des russischen Volkes“ auf dem Spiel.

Lange bemühte sich der Kreml, die Realität des brutalen Angriffskriegs gegen die Ukraine sprachlich zu verschleiern. Gerade in den ersten Kriegsjahren hieß es offiziell, es handle sich um eine „spezielle Militäroperation“. Wer in Russland den Krieg als das benennt, was er ist – ein eklatanter Bruch des Völkerrechts –, riskiert Gefängnis oder Schlimmeres. Gleichzeitig wird der Krieg vom Kreml immer stärker ideologisch überhöht. Und inzwischen auch unter Mitwirkung der russisch-orthodoxen Kirche religiös aufgeladen.

Anfang Januar, zum orthodoxen Weihnachtsfest, inszenierte Putin die Verbindung aus Glauben und Krieg öffentlich. Zur Mitternachtsmesse erschien er in einer Kreml-Kathedrale – umringt von uniformierten Soldaten und ihren Familien. In seiner Ansprache sprach er von einer „heiligen Mission“. „Russlands Krieger haben immer – als seien sie vom Herrn berufen – die Verteidigung des Vaterlandes … ausgeführt“, predigte Putin.

Putins weihnachtlicher Auftritt war damit bei Weitem kein Einzelfall, sondern Teil einer deutlichen Verschiebung: Während die alte Sprachregelung von der „Militäroperation“ weiter in den Hintergrund gerät, bedient der Kreml immer häufiger das Bild eines alles entscheidenden Krieges um die „Fortexistenz des russischen Volkes“.

Den ideologischen Grundstein dafür legte die Moskauer Führung der russisch-orthodoxen Kirche bereits im Jahr 2024. Patriarch Kirill I., ein glühender Verehrer Putins und ehemaliger Kollege beim KGB, leitete Ende März 2024 den Weltkonzil des russischen Volkes, eine Plattform, die das russische Volk vereinigen soll und häufig dazu genutzt wird, die Politik des Kremls zu popularisieren. Dort verabschiedeten die Geistlichen ein Dokument zur „Gegenwart und Zukunft der russischen Welt“, in dem sie die bislang so bezeichnete „Militäroperation“ erstmals als „heiligen Krieg“ ausriefen. Die Logik des Papiers: Der Westen sei dem „Satanismus“ verfallen – Russland bleibe keine andere Wahl, als sich zu verteidigen.

Was in dem Papier wie eine religiöse Überhöhung klingt, nimmt in Russland längst Gestalt an. Eine Recherche des russischen Exilmediums „Meduza“ zeigt, wie sich rund um den Krieg in den vergangenen Jahren eine regelrechte religiös-militärische Erinnerungslandschaft gebildet hat: neue militärische Andachtsorte – teils zig Meter hoch mit Platz für Hunderte Gläubige, teils nur wenige Quadratmeter groß – in Frontnähe, gedacht für das stille Gebet vor dem Einsatz.