Weißer Rauch steigt auf. Menschen in fantasievollen Gewändern tanzen zu fremdländischen Klängen. Ein großer, roter Stein funkelt auf der Bühne. Mit dieser Szene beginnt die Zeitreise für das Publikum im voll besetzten NEW-Kunstwerk. Es ist eine Zeitreise zurück in die eigene Jugend.

„Die drei Fragezeichen“ entführen zurück in eine Zeit, in der man noch Schallplatten im Kinderzimmer anhörte, Kassetten eigenhändig umdrehte oder in einer gemütlichen Ecke in Jugendbüchern schmökerte. Die Darsteller des Vollplaybacktheaters, kurz VPT genannt, sind dabei Schauspieler, die ohne eigene Worte agieren. Dabei werden die Original-Hörspielstimmen der drei Fragezeichen in eine abendfüllende Live-Performance verwandelt, die auch beim „Fluch des Rubins” viel mehr ist als ein Theaterstück.

Alfred Hitchcock tritt in diesem Fall selbst in Erscheinung

Der neue Fall, der den jungen Nachwuchs-Detektiven Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews von keinem Geringeren als Alfred Hitchcock, dem berühmten Meister des Horrorfilms, übertragen wird, hat es in sich. Im Wickrather Kunstwerk agiert Hitchcock diesmal nicht nur als Erzähler, sondern tritt als Bühnenfigur in Erscheinung, die gerade am Filmset die bekannte Duschszene aus „Psycho”, dem Klassiker des Schocker-Genres der 1960er-Jahre, dreht. Ganz nebenbei macht er das gewiefte Spürnasen-Trio auch mit dem jungen Briten August bekannt, dessen ungewöhnliche Erbschaft nach dem Tod des Onkels einige Rätsel aufgibt.

„Die drei Fragezeichen“ machen sich auf die Suche nach einem wertvollen Edelstein

Die drei Fragezeichen beschließen, den Anwalt des Verstorbenen, Mr. Dwiggins, aufzusuchen, der von einem Mann mit schwarzem Schnurrbart überfallen wurde. Justus Jonas und seine beiden Freunde erfahren, dass Onkel Horatio in Indien zwar reich geworden ist, durch Schulden von seinem einstigen Reichtum aber nur noch wenig übrig blieb. Dreizehn Gipsbüsten berühmter Persönlichkeiten, die er besaß, landen zufällig auf dem Schrottplatz, den Justus‘ Vater Titus Jonas betreibt. Justus vermutet in der Büste des Augustus von Polen nun einen wertvollen Edelstein, der als „Feuriges Auge” bekannt ist.

Das Stück weckte Kindheitserinnerungen

Im Kunstwerk ist es mucksmäuschenstill, als die zahlreichen Zuschauer die turbulente Suche nach dem wertvollen Edelstein verfolgen. Was den Hörspiel-Theaterabend so besonders macht: Die spannenden Geschichten werden nicht nur neu interpretiert, sondern angereichert durch weitere Erinnerungen aus der Kindheit – unvergessene Zitate oder aktuelle Persönlichkeiten. So ist plötzlich die Titelmusik der „Fünf Freunde” zu hören, man trifft das Schlossgespenst Hui Buh wieder, hört Horst Schlämmers „weißte Bescheid” bei seinem kurzen Gastauftritt murmeln, und sieht den wehenden goldenen Vorhang, der neben Céline-Dion-Klängen charakteristisch zum angesagten Berliner Magier-Duo „Siegfried & Joy“ gehört. Seit fast drei Jahrzehnten zieht das Vollplaybacktheater sein Publikum in seinen Bann. Die bunte Aufführung verknüpfte Vergangenes mit Gegenwart – und wurde für das Publikum zu einem echten Erlebnis.