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Berlin – Krisen-Montag nach Katastrophen-Wochen bei der AfD! Bis tief in die Nacht saßen die Spitzen der Bundespartei in der AfD-Zentrale am nördlichen Stadtrand der Hauptstadt zusammen. Hauptthema: Die massiven Filz-Vorwürfe aus den eigenen Reihen. Mit dabei: Vertreter der Landesverbände, in denen es derzeit besonders krass zugeht: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt! Alle dort – nur eine fehlt: Parteichefin Alice Weidel (47). Die habe „andere Termine“, heißt es. So bleibt die Krisen-Runde an ihrem Mitparteichef Tino Chrupalla (50) kleben. Bis 22.30 Uhr saßen die Parteigranden zusammen.
Immerhin ein Ergebnis: Die AfD-Spitze beschloss, einen Prüftrupp in den Niedersachsen-Sumpf zu schicken. Von dort kamen zuletzt die heftigsten internen Vorwürfe. Auch die Vorwürfe aus Sachsen-Anhalt sollen geklärt werden. Wann und wie war zunächst unklar.
Fest steht nur: In der AfD liegen die Nerven blank. Das zeigte schon die erste Krisensitzung am Montag im Vorstand der Bundestagsfraktion. Schon da wurde klar: Die Parteispitze läuft Gefahr, dass aus den Affären ein Flächenbrand wird – und ein Machtkampf im Bund! Als erste Infos an BILD durchsickerten, habe der Fraktionsgeschäftsführer der AfD gar – erfolglos – versucht, die Teilnehmer zum Vorzeigen ihrer Chat-Nachrichten zu bewegen.

AfD-Fraktionsvize Stefan Keuter
Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress
Partei- und Fraktionschefin Weidel hatte im Fraktionsvorstand auf Konsequenzen gedrängt: Nach BILD-Informationen forderte sie ihren Vize Stefan Keuter (53) zum Rücktritt aus dem Fraktionsvorstand auf. Keuter soll seine Freundin auf Steuerzahlerkosten in seinem Bundestagsbüro angestellt haben. Doch schon da: Kräftemessen! Keuter weigerte sich, seinen Posten niederzulegen. Nun habe er bis nächsten Montag Zeit, sich Gedanken über Konsequenzen zu machen, hieß es weiter.

Zum Rapport: Sachsen-Anhalts AfD-Chef Martin Reichardt (56)
Foto: Peter Müller/BILD
Auch das wurde klar: Die Fraktionsspitze will den Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt (34, Sachsen-Anhalt) aus der Fraktion schmeißen. Vorbereitet werden soll dies mit einem Ordnungsverfahren, das der Fraktionsvorstand am Montag eingeleitet hat.

Die Chefin kam nicht: AfD-Bundesvize Stephan Brandner (59) am Abend vor der Krisenrunde in der Berliner Parteizentrale
Foto: Peter Müller/BILD
Der Konflikt um Schmidt gilt als einer der Auslöser der gegenseitigen Vorwürfe wegen Vetternwirtschaft und des Betrugs mit Steuergeldern in Fraktionen der AfD in Ländern und Bund. Sachsen-Anhalts AfD-Chef, der Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt (56), musste sich deshalb ebenfalls in der Nacht vorm Parteivorstand erklären.
Aus Niedersachsen war die Europaabgeordnete Anja Arndt (60) nach Berlin gekommen. Die hatte dem Landeschef Ansgar Schledde (48) in zwei Brandbriefen (liegen BILD vor) harte Vorwürfe gemacht: Posten-Kartell, „Terror-Regime“ und Aufforderung zum Missbrauch von Geldern der Bundestagsfraktion! Schledde habe von den 13 Niedersachsen in der Bundestagsfraktion verlangt, 35 Prozent ihres Mitarbeiter-Budgets an ihn und den Landesverband abzuführen. Das Geld, so Arndt, werde rechtswidrig für die Partei-, statt die Fraktionsarbeit verwendet. Schledde bestritt die Vorwürfe.
Nach ihrem Auftritt vor der Parteispitze äußerte sich Arndt erstmals öffentlich. BILD sagte sie: „Der Bundesvorstand nimmt die vorgelegten Brandbriefe ernst. Es war ein konstruktiver Austausch. Ich vertraue voll und ganz darauf, dass der Bundesvorstand die richtigen Entscheidungen treffen wird.“
Hinweis:
Nach der ersten Meldung dementierte ein AfD-Fraktionssprecher zunächst, dass Alice Weidel Stefan Keuter zum Rücktritt aufgefordert habe. Das Weidel-Umfeld bleibt aber dabei: Alice Weidel habe sich „unmissverständlich geäußert“.