Ramadan Kareem! Musliminnen und Muslime in aller Welt begehen seit vergangenem Mittwoch den Fastenmonat Ramadan. Eine Zeit der Besinnung für jeden Muslim und jede Muslima sollen diese 30 Tage sein. Das Fasten gilt als eine der fünf Säulen des Islam.

Das Fastenbrechen – auf Arabisch „Iftar“ genannt – findet an jedem Tag im Ramadan nach Sonnenuntergang statt. Dann kommen traditionell Familie, Freunde und Nachbarn zusammen, um gemeinsam zu essen und zu trinken.

Auch in Wuppertal begehen die muslimischen Gemeinden Ramadan mit gemeinsamen Treffen. Im letzten Jahr gab es etwa ein Fastenbrechen im Stadion, zu dem alle Menschen eingeladen waren. Auch auf dem Rathausvorplatz feierten schon Hunderte das Fastenbrechen. Aufgrund des eher ungünstigen Wetters findet das Iftar der Islamischen Gemeinde diesmal drinnen und im kleineren Kreis statt.

„Die Resonanz im letzten Jahr war groß“, erinnert sich Samir Bouaissa von der Islamischen Gemeinde Wuppertal. „Beim gemeinsamen Fastenbrechen sind viele Menschen aus Neugierde auf die Gemeinde zugekommen.“ Doch auch viele Bedürftige hätten das Angebot, mit anderen zu essen und trinken, aufgesucht. Zudem soll am 3. März wieder das jährliche Fastenbrechen in der Gesamtschule Barmen stattfinden.

„Ramadan ist eine Zeit der Besinnung und auch die Zeit für einen persönlichen Reset“, so Bouaissa. Neben Essen und Trinken sind etwa auch Rauchen oder Geschlechtsverkehr von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang nicht erlaubt.

Der Verzicht „macht etwas mit Körper und Geist“, sagt Bouaissa. „Man empfindet alles anders“ und es könne zu einer spirituellen Erfahrung führen, bei der das Gedenken an Gott im Mittelpunkt stehe. Die Zeit, in der man nicht isst und nicht trinkt, nutze man ganz anders.

„Der Ramadan ist eine ganz besondere Zeit“, findet Bouaissa. „Gerade abends, wenn alle zusammenkommen.“

Ob der Ramadan in Deutschland missverstanden wird? „Teilweise“, findet Bouaissa. Das Fasten sei keine Qual, wie häufig angenommen. Die Fastenden kämen gut damit klar, auch wenn der erste Tag hart sein kann. „Weil sich der Ramadan jedes Jahr um etwa elf Tage verschiebt, findet er jetzt von Februar bis März statt. Im Sommer ist es natürlich anstrengender, aber zu schaffen.“ Auch gebe es immer mehr Nicht-Muslime, die aus unterschiedlichen Gründen fasten und sich dabei am Ramadan orientieren.

Kinder sind von den religiösen Pflichten während des Ramadan ausgenommen. Diese gelten etwa ab der Pubertät. „Auch wenn sie wollen, sollten die Kinder nicht fasten“, erklärt Bouaissa. Denn Fasten im jungen Alter könnte zu gesundheitlichen Risiken führen. Deshalb werden Kinder, die wollen, langsam, meist stundenweise an das Fasten herangeführt.

Die Einschränkungen durch das Fasten dürfen nicht zu körperlichen oder geistigen Schäden führen, erklärt Bouaissa. Weiter sind laut dem Koran Reisende, Kranke, Schwangere, Stillende und Menstruierende sowie alte und schwächliche Leute. Für die meisten Kinder geht die Schule also wie gewohnt weiter – nur, dass sich manchmal einige Mitschüler wundern, warum jemand nichts essen möchte.

Samir Bouaissa freut sich, dass der Ramadan in seinen Augen „mehr in die Mitte der Gesellschaft rückt“. Wenn auch noch nicht in Wuppertal vorhanden, gibt es doch bereits in einigen Städten Ramadan-Beleuchtung mit muslimischen Symbolen. Zudem bieten manche Handelsketten einen Ramadan-Kalender an – vergleichbar mit einem herkömmlichen Adventskalender in der christlichen Vorweihnachtszeit.