Flutung eines ehemaligen Tagebaus
Künstlicher See bei Köln wird zweitgrößter nach dem Bodensee
Aktualisiert am 24.02.2026 – 12:37 UhrLesedauer: 3 Min.
Diese Visualisierung zeigt eine geplante Aussichtsterrasse am Hambacher See. (Quelle: Treibhaus Landschaftsarchitektur | Lindenkreuz Eggert)
Seit über 40 Jahren wird im Tagebau Hambach Braunkohle abgebaut. Doch damit ist bald Schluss und es soll dort ein riesiger See entstehen. Es gibt allerdings Gegenwehr.
Von hoch oben sieht der Tagebau Hambach fast wie eine jahrtausendealte Gesteinsformation aus. Die Illusion wird jedoch bei näherem Anblick schnell zerstört – dafür sorgen allein schon die riesigen Bagger, die unablässig Material abschaufeln. Hier, zwischen Jülich, Elsdorf und Kerpen, befindet sich die größte Braunkohlegrube Europas. Seit 1978 lieferte sie erst Rheinbraun und dann dem Nachfolger RWE unzählige Tonnen des fossilen Brennstoffs.
Doch so wie die Steinkohlenbergwerke im Ruhrgebiet nach und nach schlossen, neigt sich auch die Zeit des Tagebaus Hambach ihrem Ende zu. Ab 2030 wird das riesige Loch umfunktioniert. An gleicher Stelle, nur 40 Kilometer von Köln entfernt, entsteht der Hambacher See. Mit 3,6 Milliarden Kubikmetern Gesamtvolumen wird er der zweitgrößte See Deutschlands werden. Nur der Bodensee fasst mehr Wasser.
Die Ideen, wie man den See nutzen kann, sind vielfältig: Schwimmen und Wassersport für die Aktiven, Gastronomie und Hotellerie für die Genießer oder auch eine schlichte Nutzung als Erholungsgebiet. Schwimmende Solaranlagen könnten außerdem Energie erzeugen. Am Ende entscheidet darüber „Neuland Hambach“, eine Gesellschaft der angrenzenden Ortschaften Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz.
Um die Braunkohle abbauen zu können, wird das Grundwasser im Tagebau seit 1976 großflächig abgesenkt – bis zu 500 Meter tief. Ab 2030 geht es wieder in die andere Richtung, die riesige Grube wird geflutet. Die Wassermassen dafür kommen vom Rhein. RWE baut eine unterirdische Rohrleitung. „Die Leitung wird von der Entnahmestelle bei Dormagen-Rheinfeld bis zum Einlaufpunkt bei Elsdorf-Esch 41 Kilometer lang werden“, sagt RWE-Sprecher Guido Steffen t-online.
Aus dem Rhein darf jedoch nicht beliebig viel Wasser gepumpt werden, um ihn vor der Austrocknung zu schützen. Also muss RWE in kleineren Schritten agieren. „Die Entnahme ist flexibel und richtet sich nach der Wasserführung des Rheins“, sagt Steffen. Bei extremem Niedrigwasser dürfen 1,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen werden, bei „normalem Pegel“ 18 Kubikmeter pro Sekunde. Rund 40 Jahre wird es dauern, bis der See komplett gefüllt ist.
