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Es sind emotionale Einblicke, die der ehemalige Olympiasieger Michael Rösch (42) mit seinen Anhängern teilt. Er erklärt, welche Wucht der Gold-Gewinn für ihn hatte. Rösch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Der Olympiasieg war öffentlich. Der schwerste Kampf fand im Stillen statt. Mental war ich zeitweise tot.“

Deutsche Biathlon-Ikone spricht über Depressionen

Rückblick: Sein Debüt im Biathlon-Weltcup gibt Rösch 2004. 2006 schaffte er es mit dem Team zu den Olympischen Spielen in Turin, gemeinsam gewinnen sie mit der Staffel Gold. Es ist der größte Erfolg in der Karriere des Biathleten. Später läuft er noch zu drei Bronze-Medaillen bei Weltmeisterschaften (2007, 2008, 2009/jeweils mit der Staffel), insgesamt vier Weltcupsiege gelingen ihm. Bereits Anfang Februar erklärte Rösch im „Focus“: „Du wirst in jedem Rennen an der Goldmedaille gemessen. Daran bin ich teilweise zerbrochen.“

Ricco Gross (v.l.), Michael Rösch, Sven Fischer und Michael Greis 2006 nach dem Olympia-Sieg

Ricco Groß (v.l.), Michael Rösch, Sven Fischer und Michael Greis 2006 nach dem Olympia-Sieg

Foto: Bernd Thissen/dpa

Ab Sommer 2012 bemüht er sich um die belgische Staatsbürgerschaft, gibt dafür unter anderem seinen Beamtenstatus bei der Bundespolizei auf. Der Nationen-Wechsel zieht sich über mehrere Monate, im Januar 2013 hatte er erstmals den „Ansatz von Suizidgedanken“, wie er gerade im gemeinsamen Podcast mit Christian Akber-Sade (43) „Nacksch – vom Olympiasieg in die Depression“ erzählte.

Von Anfang 2014 geht er für fünf Jahre für Belgien an den Start. 2019 beendet Rösch seine Karriere. Nach dem Rücktritt und einem emotionalen Zusammenbruch geht er im Mai 2019 erstmals in die Notfallambulanz. Rösch über den Weg dahin: „Ich bin ins Auto gestiegen und habe einen Parkplatz gesucht. Ich habe weit weg geparkt, weil ich einen auffällig beklebten Bus hatte, damit den keiner sieht. Dann bin ich mit Basecap und Kapuze in die Notfallambulanz. Ich habe mich so geschämt, es war maximal unangenehm. Ich wollte auf keinen Fall, dass mich jemand erkennt.“ Auf die Diagnose folgten Medikamente und über 50 Therapiesitzungen. Rösch: „Es war wie ein Nebel – und plötzlich war blauer Himmel.“

Nach dem Karriereende wurde der Olympiasieger Kommentator, für Eurosport war er auch beim Riesen-Event in diesem Winter dabei.

In einer seelischen Krise? Hier bekommen Sie Hilfe
Wenn Sie depressiv sind oder an Suizid denken: Holen Sie sich bitte Unterstützung. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800-1110111 oder 0800-111 0 222. Die Beraterinnen und Berater helfen Ihnen, Auswege aus schwierigen Situationen aufzuzeigen. Im Notfall wenden Sie sich bitte an die Feuerwehr (112) oder den Polizei-Notruf (110).