
Stand: 24.02.2026 16:38 Uhr
In Berlin befasst sich die AfD-Führung erneut mit innerparteilichen Vorwürfen. Während eine neue Kommission eingesetzt wird, spricht der Landesvorstand Niedersachsen von einer gezielten Kampagne.
Die Schlammschlacht in der Niedersachsen-AfD hat Berlin erreicht. In der Bundesvorstandssitzung am Montag mussten sich die verfeindeten Lager um die AfD-EU-Abgeordneten Anja Arndt und den Landesvorstand Ansgar Schledde vor dem Bundesvorstand erklären. Anberaumt wurde das Treffen als reguläre Bundesvorstandssitzung, wie es sie einmal im Monat gibt. Doch allen Anwesenden ist schon vorher klar: Das hier wird eine Krisensitzung. Anja Arndt wird abgeschirmt vor der Reportertraube vor der Tür – kein Kommentar.
Vorwürfe aus Niedersachsen
Zwei Brandbriefe der Europaabgeordneten Anja Arndt haben eine neue Eskalationsstufe ausgelöst. In denen ist unter anderem von einem „Korruptionssumpf“ in Niedersachsen die Rede, es wird auch von „Missbrauch von Organmacht“ und „systematischer Umgehung innerparteilicher Demokratie“ gesprochen. Die Briefe liegen dem NDR vor.
Arndt beschuldigt Landeschef Ansgar Schledde, innerparteiliche Unterstützung gegen Zugriff auf Mitarbeiterbudgets verlangt zu haben. Sie spricht von einer „mutmaßlichen Veruntreuung“ von bis zu 1,5 Millionen Euro pro Jahr und davon, Schledde sichere sich so Loyalität im Verband. Das läuft nach Darstellung von Arndt so ab: Zunächst verspreche Schledde einem AfD-Mitglied seine Unterstützung für einen Listenplatz für die Bundestagswahl. Im Gegenzug dürfe er dann über 35 Prozent des zukünftigen Mitarbeiterbudgets bestimmen. Auf diese Weise erkaufe sich Schledde „uneingeschränkte Unterwürfigkeit einer ganzen Armee von Mitgliedern“. Bei ihrer Befragung im Bundesvorstand wirkte Arndt jedoch aufgeregt und wenig strukturiert, wie Teilnehmende berichten.

Verwandtenaffäre
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Eidesstattliche Erklärungen der Abgeordneten
Schledde weist die Vorwürfe entschieden zurück. Trotz Einladung erschien der Landesvorsitzende nicht selbst vor dem Bundesvorstand der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Partei. Er schickte die Geschäftsführerin der AfD Niedersachsen, Sonja Nilz. Sie legte eidesstattliche Versicherungen mehrerer niedersächsischer Bundestagsabgeordneter vor. Enthalten ist unter anderem diese Passage: „Herr Ansgar Schledde und auch keine andere Person hat zu keinem Zeitpunkt – weder vor meiner Wahl in den Deutschen Bundestag noch danach – die vertragliche oder faktische Verfügungsgewalt über 35 Prozent oder einen anderen Teil meines Mitarbeiterbudgets gefordert oder erhalten. Er bestimmt weder, wer von mir eingestellt wird, noch, welche Tätigkeiten meine Mitarbeiter ausüben.“
Arbeitsgruppe soll Situation in Niedersachsen prüfen
Ungeachtet aller Rechtfertigungen soll nun eine dreiköpfige Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die die Situation in der AfD Niedersachsen überprüft. Sie soll aus einem externen Juristen, einem Juristen der AfD-Bundesgeschäftsstelle und einem Mitglied des Bundesvorstands bestehen. Wer das genau sein wird, soll sich Ende der Woche entscheiden. Und: Bundesschatzmeister Carsten Hütter hat offenbar den Auftrag bekommen, im AfD-Kreisverband Goslar eine intensive Kassenprüfung durchzuführen. Doch schnelle Ergebnisse sind eher nicht zu erwarten, die Prüfungen werden sich voraussichtlich mehrere Monate hinziehen.

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Position des Landesvorstands Niedersachsen
Der Landesvorstand bezieht zur Sitzung in Berlin klar Stellung. Er begrüße die Einrichtung einer Kommission und werde ihre Arbeit in jeder Hinsicht unterstützen, heißt es am Dienstag. Es sei wichtig, dass die schweren Anschuldigungen, die im Raum stehen, vollumfänglich aufgeklärt würden. „Wir sind überzeugt, dass die Kommission am Ende zu dem Ergebnis kommt, dass hier von einigen wenigen eine haltlose Schmutzkampagne gegen die AfD Niedersachsen gestartet wurde. Alle rechtlichen Schritte, die wir inzwischen eingeleitet haben, werden wir aufrechterhalten.“ Das klang bei der Sitzung in Berlin wohl noch anders, sagen Teilnehmende – da sei der einzige Niedersachse im Bundesvorstand, Dirk Brandes, über die Kommission nicht glücklich gewesen.

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