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Die Ukraine hat eine wichtige militärische Produktionsstätte in Russland attackiert. Mit der Flamingo-Rakete dürfte Putins Kalibr-Rekord übertroffen worden sein.
Kiew – Die Armee von Kreml-Chef Wladimir Putin nimmt die Ukraine jede Nacht mit Drohnen und Raketen ins Visier. Hierfür ist die Kriegsmaschine Russlands ständig am Laufen. Neben den Shahed-Drohnen bilden dabei Raketen wie die Kinschal, Iskandar und Oreshnik das Herzstück dieser Angriffe. Genau diese Waffen wurden nun zum Ziel eines ukrainischen Angriffs.
Die ukrainischen Marschflugkörper Flamingo sollen eine Reichweite von 3.000 Kilometern haben. © Efrem Lukatsky/AP/dpaUkraine attackiert Putins Oreshnik und Iskandar-Raketen: Flamingo-Rakete im Einsatz
Nach Angaben aus ukrainischen Quellen wie dem Magazin Defense Express haben die Verteidigungskräfte der Ukraine ein russisches Rüstungsunternehmen angegriffen, das ballistische Raketen der Typen Kinschal, Iskandar und Oreshnik produziert. Ziel des Angriffs war demnach das sogenannte JSC Wotkinsk Maschinenbau-Fabrik in der Teilrepublik Udmurtien, welches sich mehr als 1300 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt befindet. Der Betrieb stellt seit 1957 ballistische Raketen her.
Dem Bericht zufolge kamen bei der Attacke ukrainische Marschflugkörper vom Typ FP-5 „Flamingo“ zum Einsatz. Der ukrainische Generalstab teilte mit, es seien wichtige Objekte des militärisch-industriellen Komplexes und der Logistik des Feindes getroffen worden. Denys Shtilerman, Chefkonstrukteur des Unternehmens Fire Point, das die „Flamingo“-Raketen produziert, veröffentlichte unterdessen in sozialen Netzwerken ein Video vom Start entsprechender Flugkörper. Dazu schrieb er: „Hier ist ein kurzes Video. Kein Kontext. Kontext folgt.“
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Ukrainische und russische Telegram-Kanäle veröffentlichten Aufnahmen aus der Stadt Wotkinsk, die von Bewohnern aufgenommen wurden. Darin ist zu sehen, wie Rauchwolken aus den Produktionshallen der Fabrik aufsteigen. Laut Defense Express schlugen die ukrainischen „Flamingo“-Raketen mit diesem Angriff innerhalb eines Monats zum dritten Mal in wichtigen Militärkomplexen Russlands ein. Zuvor war auch das Kapustin Yar-Testgelände getroffen worden.
Ukraine-Marschflugkörper Flamingo setzt neuen Maßstab: Rakete fliegt größere Distanz als Putins Kalibr
Nach dem mutmaßlichen Angriff auf das russische Rüstungsunternehmen rückt zudem die Frage nach der tatsächlichen Reichweite des eingesetzten ukrainischen Marschflugkörpers in den Fokus. Denn der Angriff könnte einen neuen Maßstab für die bislang längste Gefechtsverwendung eines Marschflugkörpers gesetzt haben – womöglich sogar über die bislang bekannte Reichweite russischer „Kalibr“-Systeme mit 1500 Kilometern hinaus.
Die Luftliniendistanz zwischen der ukrainischen Staatsgrenze und dem Werk in Wotkinsk beträgt zwar etwa 1300 Kilometer.
Für eine realistische Einschätzung der tatsächlich zurückgelegten Strecke sind jedoch weitere Faktoren entscheidend, wie Defense Express schildert. Denn demnach liegen Startpositionen in der Regel nicht unmittelbar an der Grenze, sondern im Landesinneren. Zudem ist davon auszugehen, dass der Marschflugkörper Ausweich- und Manöverbewegungen durchführte, um die russische Luftverteidigung zu umgehen oder zu erschweren.
Der Schätzung des Magazins zufolge könnte die tatsächlich zurückgelegte Distanz daher bei 1600 bis 1650 Kilometern oder sogar darüber gelegen haben. Russlands „Kalibr“-Rakete war am 7. Oktober 2015 erstmals im Kampfeinsatz genutzt worden, als Russland Ziele in Syrien angriff. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums legten die Marschflugkörper damals rund 1500 Kilometer zurück. (Quellen: Defense Express, Telegram, eigene Recherche) (bb)