Stand: 24.02.2026 17:19 Uhr
Niedersachsens Umweltministerium prüft, ob Framatome im emsländischen Lingen Brennstäbe für russische Reaktortypen herstellen darf. Eine angebliche Genehmigung für das umstrittene Nuklearprojekt vom Bund liegt nicht vor.
Aktuell laufe beim niedersächsischen Umweltministerium ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren mit Advanced Nuclear Fuels (ANF), einer Tochtergesellschaft der Framatome, teilte ein Sprecher dem NDR Niedersachsen mit. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) hält einen Einstieg Russlands in die Brennelemente-Produktion in Lingen politisch für fatal. „Aber wir prüfen nach Recht und Gesetz im Auftrag des Bundes“ und man werde allen Hinweisen nachgehen und die Prüfung weiter forcieren, um zu schauen, welche Sicherheitsgefahren dort bestehen, sagte der Minister dem NDR Niedersachsen. Er sehe eine Zusammenarbeit zwischen Framatome und dem russischen Nuklearkonzern Rosatom grundsätzlich kritisch. Meyer befürworte es, wenn man ohne russische Hilfe auskomme.

Für die Erweiterung der Brennelementefabrik soll mit dem russischen Staatskonzern kooperiert werden. Die wichtigsten Fakten.
Bund will sich nicht weiter zu Bericht äußern
Das Nachrichtenportal „Politico“ hatte am Freitag vermeldet, dass der Bund das Projekt durch eine atomrechtliche Bewertung unter Auflagen erlauben wolle. Der Bund selbst will das nicht bestätigen – man äußere sich nicht dazu, heißt es. Zudem verwies er darauf, dass das Land Niedersachsen die Produktion in Lingen genehmigen müsse. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums teilte am Montag aber mit, dass dem Umweltministerium in Hannover „zu dessen vorläufigem Entscheidungsentwurf im Rahmen der Bundesaufsicht eine Stellungnahme übermittelt wurde“. Bei der geplanten Kooperation zwischen dem russischen Staatskonzern Rosatom und ANF geht es darum, dass in der Fabrik in Lingen neben den bisherigen Brennelementen auch sechseckige Elemente nach russischer Bauart gefertigt werden sollen.
Atomkraftgegner warnen vor russischer Einflussnahme

Anti-Atomkraft-Organisationen sehen nun Minister Meyer in der Verantwortung, eine Genehmigung zu verweigern.
In Lingen hat es vor dem Tor von ANF am Montag eine spontane Mahnwache gegeben. Die Anti-Atomkraft-Aktivisten rund um die Bündnisse AgiEL (Atomkraftgegner*innen im Emsland) und SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster befürchten eine Gefährdung der inneren und äußeren Sicherheit. Das Bündnis „.ausgestrahlt“ hat nicht nur für Deutschland Sicherheitsbedenken, sondern auch für die gesamte EU, wenn Rosatom Zugang zur Atomfabrik in Lingen bekäme.

In der Silvesternacht 2022 waren sie auf das Dach einer Brennelementefabrik geklettert. Beide müssen eine Geldstrafe zahlen.

Die Menge an geliefertem Uran ist um 66 Prozent gestiegen. Die Fabrik verarbeitet den Rohstoff zu Brennstäben weiter.

Nach der Diskussion zur geplanten Kooperation von ANF mit Rosatom sehen sich Kritiker bestätigt – und warnen vor Manipulation.
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 23.02.2026 | 19:30 Uhr