Bielefeld (dpa/jad/pbr/mak/anwi). Die Gewerkschaft Verdi hat für Freitag und Samstag zu Warnstreiks in Nordrhein-Westfalens Nahverkehr aufgerufen, um im Tarifkonflikt Druck auf die Arbeitgeber zu machen. Wie schon bei der eintägigen Arbeitsniederlegung Anfang Februar fallen viele Busse, Straßen- und U-Bahnen aus. Der Streik soll am Freitag in den frühen Morgenstunden beginnen und je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder Sonntag andauern.

Von den Arbeitsniederlegungen betroffen sind der Gewerkschaft zufolge in NRW mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten. Nach Einschätzung von Verdi werden am Freitag und Samstag in zahlreichen kommunalen Nahverkehrsunternehmen in ganz Deutschland „ganztägig von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht keine Busse und Bahnen fahren“.

Zu den kommunalen Verkehrsbetrieben, um die es in den Verhandlungen geht, gehören nahezu alle großen Städte in Nordrhein-Westfalen von Bielefeld (Mobiel), Gütersloh (Stadtbus), Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis nach Hagen. Die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag gehören zu den wenigen Ausnahmen in NRW, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen.

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Warnstreik trifft Nahverkehr in Bielefeld und Gütersloh

Wie das Bielefelder Verkehrsunternehmen Mobiel mitteilt, werden von 4 Uhr am Freitagmorgen, 27. Februar, bis 4 Uhr am Sonntagmorgen, 1. März, keine Stadtbahn und kein Mobiel-Bus fahren. Wie an den bisherigen Streiktagen auch, kommt der öffentliche Verkehr in Bielefeld nicht komplett zum Erliegen. Auf Teilstrecken sind Bus-Linien unterwegs, die von Fremdunternehmen bedient werden. Über Details informiert Mobiel auf seiner Homepage.

Die Stadtbus Güterloh Gmbh teilt mit, dass am Freitag und Samstag keine Stadtbusse fahren werden. Betroffen sind demnach der reguläre Stadtbus- und der Schulbusverkehr.

Heimspiel von Arminia Bielefeld und weitere Fußballspiele betroffen

Betroffen vom Warnstreik ist auch die An- und Abreise zum ausverkauften Heimspiel des Fußballzweitligisten DSC Arminia Bielefeld gegen Hannover 96 am Samstag (Anstoß: 13 Uhr) sowie der Nachtbusverkehr von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag.

Ebenfalls deutliche Auswirkungen dürfte der Streik auf den ebenfalls ausverkauften Bundesliga-Kracher zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München (mehr als 81.000 Zuschauer) sowie weitere Fußballspiele in NRW haben.


An den Streiktagen wird in Bielefeld keine Stadtbahn fahren. Das hat auch Auswirkungen auf das Heimspiel von Arminia Bielefeld am Samstag. - © Andreas Zobe

An den Streiktagen wird in Bielefeld keine Stadtbahn fahren. Das hat auch Auswirkungen auf das Heimspiel von Arminia Bielefeld am Samstag.
| © Andreas Zobe

Viele Ausfälle bei der Deutschen Bahn wegen Bauarbeiten

Nicht nur der Streik sorgt am Samstag für Probleme bei der Anreise zum Hannover-Spiel in Bielefeld. Die Deutsche Bahn sperrt ab Freitag, 27. Februar (21 Uhr), die Eisenbahnbrücke an der Sophienstraße in Herford. Grund sind lange geplante Bauarbeiten. Wegen der Sperrung entfallen die Halte der Fernzüge in Hamm, Gütersloh, Bielefeld, Herford und Bad Oeynhausen. Im regionalen Nahverkehr fallen mehrere Linien auf Teilstrecken aus, teilweise fahren Ersatzbusse.

Die Details: Eine Woche lang kein Fernverkehr in Bielefeld, Gütersloh und Herford

Mobiel kritisiert zweitägigen Warnstreik

„Eine Betriebsstilllegung lässt sich einmal mehr leider nicht vermeiden, weil wir wieder mit einer hohen Beteiligung der Beschäftigten rechnen müssen“, sagt Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann mit Blick auf den Warnstreik. „Wir bedauern die Auswirkungen für unsere Fahrgäste sehr und weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir als Unternehmen das Streikrecht zwar grundsätzlich respektieren, diese Maßnahme aber für unverhältnismäßig halten.“ Ein zweitägiger Warnstreik zu diesem frühen Zeitpunkt der Verhandlungen gehe einzig und allein zulasten der Kundinnen und Kunden.

Zweite Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt am 2. März

Bei der ersten Verhandlungsrunde im aktuellen Tarifkonflikt waren die Positionen von Verdi und von den Arbeitgebern noch weit voneinander entfernt. Am 2. März steht die zweite Runde an. „Wir erwarten, dass die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde auf unsere konkretisierten Forderungen eingehen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen“, sagte der Gewerkschafter Heinz Rech, der die Verhandlungen für Verdi NRW führt.


Eine Fahne von Verdi:. Am Freitag und Samstag ruft die Gewerkschaft bundesweit zu Warnstreiks im ÖPNV auf. - © Stefan Puchner/dpa

Eine Fahne von Verdi:. Am Freitag und Samstag ruft die Gewerkschaft bundesweit zu Warnstreiks im ÖPNV auf.
| © Stefan Puchner/dpa

„Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle laut einer Mitteilung. „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen.“

Dem schließt sich auch Thorben Albrecht, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes NRW (DGB), an, der die Arbeitgeber dazu aufruft, sich zu bewegen. „Sie sind die Streikverursacher und haben es in der Hand, den Arbeitskampf zu beenden“, sagt er. Das Argument der klammen kommunalen Kassen lässt Albrecht dabei nicht gelten. Seiner Meinung nach müsse das Problem der finanziellen Lage anders gelöst werden.

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Verdi fordert deutliche Verbesserungen für Beschäftigte

Verdi fordert, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um zwei Stunden auf 37 Stunden zu reduzieren. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf mindestens elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.

Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal. Diese Forderungen seien die Grundlage für einen attraktiven Nahverkehr, sagte Gewerkschafter Rech.

Aus Sicht der Arbeitgeber sind Verdis Forderungen nicht realisierbar. Die Gewerkschaft ignoriere die schlechte Finanzlage der kommunalen Nahverkehrsunternehmen, heißt es vom Kommunalen Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, über längere Takte und über die Vergabe von Beförderungsleistungen an das private Busgewerbe nachgedacht werden.

Voraussichtlich mehr Autoverkehr an Warnstreik-Tagen

Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfte es durch den neuerlichen Warnstreik vor allem am Freitag stressig werden – denn sie müssen in der Regel trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz sein. Und für Eltern ebenso: Auch Schülerinnen und Schüler können wegen eines Warnstreiks in der Regel nicht einfach zu Hause bleiben.

Die Warnstreiks Anfang Februar hatte entsprechend auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, weil viele Menschen auf das Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen. Zudem stieg dem Fahrdienstvermittler Freenow zufolge in den Morgenstunden die Nachfrage nach Taxis stark. Immerhin: Die Warnstreiks dürften nicht wieder von eisigem Wetter begleitet werden – deutschlandweit werden zweistellige Temperaturen erwartet.