Zum siebten Mal bietet die Zentrale Studienberatung (ZSB) der Bergischen Universität Wuppertal ein Programm im Rahmen von „bergauf. Perspektiven bei Studienzweifeln” in den landesweiten Themenwochen „Studienzweifel”. Mittlerweile nehmen über 30 deutsche Hochschulen an der Veranstaltungswoche teil, die die Studierenden dazu ermutigen soll, offen über ihre Zweifel am Studium zu sprechen und sich frühzeitig über alternative Bildungs- und Berufswege zu informieren.
Fast ein Drittel verlässt
die Uni ohne Abschluss
Laut Angaben des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) verlassen über 28 Prozent der Bachelor-Studierenden die Hochschule ohne Abschluss. Es sei ein deutschlandweites Problem, sagt Jennifer Abels, Studienberaterin und Ansprechpartnerin für das Projekt „bergauf. Perspektiven bei Studienzweifeln” und NRW-Projekt Next Career.
Das Angebot „bergauf” entstand aus dem Landesprogramm, bei dem die BUW sich 2018 mit einem eigenen Konzept erfolgreich beworben hatte. Es macht sich zur Aufgabe, Studienabbrüche zu verringern und die Studienzweifler so zu unterstützen, dass sie entweder zu Ende studieren oder eine andere berufliche Perspektive finden. Die Zielgruppe sei heterogen, aber die Studienberaterin stellt fest, dass das Angebot und die damit einhergehende Öffentlichkeitsarbeit mittlerweile mehr Studierende der ersten Semester dazu bewegen würde, die Beratung in Anspruch zu nehmen. Ein gutes Zeichen, denn: „Es ist nur ein kleines Zeitfenster, in dem man für Beratung offen ist”, so Abels. Bestenfalls werden Studienzweifler aufgefangen, bevor sie das Studium abbrechen oder anfangen zu fehlen. Auch Langzeitstudienläufe könnten durch rechtzeitige Beratung verhindert werden.
Die Veranstaltungen der Themenwoche finden überwiegend digital statt und sind auch für Studierende anderer Hochschulen offen. Die Anonymität soll es den Studienzweiflern leichter machen, das Angebot wahrzunehmen, denn nach wie vor sei das Thema stark tabuisiert. „Umwege sind okay”, versuchen dann Abels und ihre Kolleginnen und Kollegen zu vermitteln, „es ist gesellschaftlich in Ordnung, sich umzuorientieren.” Zum Auftakt der Wochen erzählt der ehemalige Maschinenbaustudent Luca Bischoni, Autor des Buchs „Als man mir den Stecker zog“ und Podcaster von „Psychologie – die menschliche Energie“ von seiner Erfahrung, als er im sechsten Semester seines Maschinenbaustudiums im Jahr 2020 plötzlich an Depressionen erkrankte und mitunter sein Studium infrage stellte. Heute macht Bischoni, der inzwischen als Ausbildungskoordinator arbeitet, anderen Mut, über ihre Gefühle zu sprechen.
Studierende zunächst aus der Negativspirale rausholen
Hunderte von Studierenden suchen die ZSB über das Jahr auf. Neben Workshops und einer festen Telefon-Sprechstunde bietet Jennifer Abels den Studierenden Einzelberatungen an. Ihre Aufgabe im Zuge der Sitzungen ist es, die Zweifelnden durch psychosoziales Coaching zunächst aus der Negativspirale herauszubringen, denn auch wenn es sich so anfühlt, „das ist kein Scheitern”, sagt Abels. Viele verfallen in defizitäres Denken und sehen keinen Ausweg. Im Coaching werden dagegen realistische Perspektiven und Ziele ermittelt.
Mit dem Partnernetzwerk aus Bundesagentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer Düsseldorf kann die ZSB die Studienzweifler bis zum Bewerbungsprozess weitervermitteln. „Ausbilder wollen Bewerbungen von Studienaussteigern”, sagt Abels mit Überzeugung, denn Studienabbrecher treffen nach ihrer Vorerfahrung reflektierte, belastbare Entscheidungen und führen die Ausbildung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Ende. Die Hemmungen und Selbstzweifel der Studienabbrecher seien damit unbegründet, sagt die Studienberaten, und ermutigt die jungen Menschen zu mehr Resilienz und Selbstsicherheit.
Ausführliche Informationen zum Programm der Themenwoche sind auf der Website zu finden unter