Der Rettungssanitäter assistiert sonst in einem ukrainischen Krankenhaus deutschen Chirurgen dabei, verletzte Soldaten zu operieren. Organisiert werden diese Einsätze vom „Medizinischer Hilfsdienst Nordrhein“ (MHD), den Paul Näther 2022 gegründet hat.
Damals kontaktierte er ein Krankenhaus südlich von Kiew, das Hilfe brauchte, organisierte Spenden, Hilfsmaterial und gewann eine Ärztin und einen Arzt, die für zehn Tage in der Klinik operierten. Seitdem ist er ein gutes Dutzend Mal dort gewesen, hat in dem Plastischen Chirurgen Christoph Möbius aus Hamburg einen dauerhaften Partner gefunden, der inzwischen Ärztlicher Leiter des Hilfsdienstes ist. Der Verein bringt medizinische Hilfsgüter in die Ukraine, betreibt einen Krankenwagen in der Region Cherson, konnte kürzlich dank einer großen Spende den Operationssaal der Klinik modernisieren und bringt immer wieder Chirurgen in die Klinik südlich von Kiew.
Aktuell ist Paul Näther mit Christoph Möbius, dem Plastischen Chirurgen Stephan Grzybowksi aus Südtirol und dem Studenten Felix Stein als organisatorischem Helfer dort. Sie operieren und bilden die Ärzte vor Ort weiter.
Das Krankenhaus, dessen Standort Paul Näther aus Sicherheitsgründen nicht nennen will, kann weiter arbeiten. Aber: „Man merkt, dass es schwierig ist.“ Unter anderem, weil Personal in den Kriegsdienst geht. „Hier gibt es viele junge Ärzte, die noch wenig Erfahrung haben.“
Die Stromversorgung der Klinik funktioniere dank Generatoren und weil bei Schäden am Netz das Krankenhaus von Abschaltungen verschont bleibt: „Kritische Infrastruktur hat Priorität.“ Für die Bevölkerung gebe es nur fünf Stunden am Tag Strom, nur in dieser Zeit kann geheizt werden und gibt es warmes Wasser. Die Besucher wohnen im Hotel, haben dort dank Generator warme Zimmer. „Bei den Leuten zu Hause ist es kalt“, erzählt Paul Näther.
Luftalarm gebe es mehrfach am Tag. „Das ist die ukrainische Normalität.“ Er kennt Situationen, wenn etwa die Kartenzahlung im Restaurant nicht möglich ist, weil der Strom ausfällt.
„Dann muss man kurz warten, bis der Generator anspringt.“ Morgens findet regelmäßig ein „Moment of Silence“ statt, bei dem Menschen auf der Straße stehen bleiben und der Opfer des Krieges gedenken.
Er erlebt die Ukrainer „hauptsächlich müde, aber offen“. Die Klinikmitarbeiter suchten Kontakt zu ihnen. Er weiß auch: „Jeder von ihnen hat mindestens Bekannte verloren.“ Er hat gesehen, dass in Lwiw inzwischen ein neuer Friedhof für die Gefallenen eröffnet wurde, weil der bisherige voll ist.
Aktuell plant der Verein ein Projekt für die Notfallmedizin an der Front. Wegen des Einsatzes von Drohnen sei es schwierig, verletzte Soldaten in Sicherheit zu holen: „Sie müssen oft lange auf Rettung warten.“ Viele ausgebildete Notfallmediziner seien gefallen oder fielen wegen Verletzungen aus.
Der Verein will mobile Medizingeräte wie etwa Notfallbeatmungsgeräte beschaffen. Dafür wirbt er aktuell um Spenden auf der Internet-Plattform Betterplace.de. Weitere Informationen: