Seit gut eineinhalb Jahren gilt auf einem Teilstück der Berliner Straße ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Anlass für die Maßnahme waren 20 Unfälle mit Schwer- und Leichtverletzten zwischen Januar 2021 und Juli 2024. Das Tempolimit gilt zwischen Wupperfelder Markt und der Einmündung Hügelstraße.

Die Maßnahme hatte damals die Unfallkommission beschlossen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen – Unfälle sollten weniger und Menschen nicht verletzt werden. Hat die Maßnahme Wirkung gezeigt?

Laut Polizei ja: „Die Verkehrssicherheit ist deutlich verbessert“, teilt ein Sprecher der WZ mit. Durch das niedrigere Geschwindigkeitsniveau verkürzen sich die Reaktionszeiten der Autofahrer deutlich, wodurch auch das Verletzungsrisiko bei Unfällen sinkt. Unfälle gebe es seit der Tempomaßnahme aber deutlich weniger, in diesem Jahr noch keinen mit Verletzten, teilt die Polizei mit. Auch mit Beginn der Maßnahme bis Dezember 2024 sei nur ein Unfall festgestellt worden. Genauere Zahlen soll es im Jahresbericht der Polizei 2025 geben, der in Kürze erscheinen soll.

Im Jahresbericht 2024 sind der Berliner Platz und die Berliner Straße als sogenannte Unfallhäufungsstellen identifiziert. Als häufigste Ursachen für Unfälle waren dort „falsches Verhalten gegenüber Fußgängern und falsches Verhalten der Fußgänger“ sowie „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren“ aufgeführt.

Zuständig für die Überwachungsmaßnahmen an der Berliner Straße ist die Stadt Wuppertal, bei der auch die weitere Entscheidungsgewalt liegt. Was die Überwachung der Geschwindigkeit und entsprechende Maßnahmen zum Tempolimit angeht, habe die Polizei keinen Einfluss. Sie spricht jedoch von einem „signifikanten Rückgang“ bei der Zahl der Unfälle und sieht das Ziel der Tempo-30-Maßnahme erreicht.

Gleichzeitig richtet die Polizei den Appell an Fußgängerinnen und Fußgänger, die vorgesehenen Ampeln und Querungshilfen zu benutzen, denn es laufen viele Menschen über die Straße – gerade weil mit der Tempo-30-Zone und langsamer fahrenden Autos das vermeintliche Sicherheitsgefühl steige.

Das sieht auch Bezirksbürgermeister Christian Wirtz (CDU): „Natürlich klappt die Maßnahme, um Fußgängerunfälle zu verhindern.“ Doch er sei „zwiegespalten“. „Ich bin mir nicht sicher, ob das die einzige nötige Maßnahme war.“

Wirtz zweifelt: „Fraglich, ob
das der Königsweg war“

Auf der Hauptverkehrsstraße Wuppertals – die Berliner Straße ist ein Teilstück der B 7 – gilt bis auf einige Ausnahmen Tempo 50. Weil die Straße in eine Fahrtrichtung größtenteils zweispurig verläuft, werde auch mehr geblitzt.

Mit der Maßnahme der Tempo-30-Zone nehme man auch die Autofahrer in Haftung, die sich immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten haben. „Das finde ich befremdlich“, sagt der Bezirksbürgermeister, der auch im Verkehrsausschuss sitzt. „Menschen rennen oft unkontrolliert über die Fahrbahn, zudem wird häfig gewendet.“ Entsprechende Rückmeldungen erhalte er auch regelmäßig von Bürgerinnen und Bürgern in Oberbarmen.

„Ob das nun der Königsweg war, ist fraglich“, sagt Wirtz – wobei andere Maßnahmen äußerst aufwendig oder kostspielig gewesen wären, etwa ein Zaun, der die Fahrbahn trennt, sodass Fußgänger die Ampeln und Querungshilfen nutzen müssen.

Hinter dem Blitzer werde ohnehin wieder Gas gegeben, so sein Eindruck: „Ich beobachte das selber, wie oft nach den Blitzern wieder Gas gegeben wird.“ Wirtz wünscht sich eine Evaluation der Maßnahme durch die verantwortlichen Akteure.

In der Berliner Straße waren im vergangenen Jahr nach Angaben der Stadt mehr als fünf Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs. Im Jahr 2025 seien demnach 21 839 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt worden, davon 10 069 in Fahrtrichtung Westen und 11 770 in Fahrtrichtung Osten. Von allen stationären Messanlagen der Stadt wurden hier besonders viele Geschwindigkeitsverstöße in Wuppertal festgestellt.

Wo fest installierte Blitzer aufgestellt werden, entscheidet die städtische Unfallkommission, ein Gremium, in dem Polizei, Ordnungsamt, das städtische Ressort Straßen und Verkehr, die Stadtwerke und die Bezirksregierung vertreten sind. Den Anstoß zur Aufstellung solcher Anlagen gebe meist die Polizei. Die Entscheidungen der Kommission sind bindend. Bei Blitzern an der Autobahn entscheidet eine Unfallkommission bei der Bezirksregierung.