Einblicke und kuriose Geschichten 

Struths Transfereinblicke: „Mit Schmadtke immer schön in die Schnauze gehauen“

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Volker Struth gehört mit seiner Agentur „Sports 360“ zu den einflussreichsten Beratern im Business, betreut neben Bundestrainer Julian Nagelsmann zahlreiche Top-Profis wie aktuell u. a. die Nationalspieler Angelo Stiller und Tom Bischof. Im „Bild“-Podcast „Phrasenmäher“ gab der 59-Jährige nun tiefe Einblicke in seine Arbeit und allerhand kuriose Geschichten der vergangenen Jahrzehnte. Struth erklärte, warum sein Klient Nagelsmann den zweiten Vorstoß des FC Bayern kurz vor der Heim-Europameisterschaft ablehnte, warum Manager Jörg Schmadtke sein härtester Verhandlungspartner war und wie er Florian Wirtz per SMS zu Real Madrid bringen wollte.

„In der Phase, als es um einen Wechsel zu Liverpool oder Bayern ging, habe ich Xabi Alonso angerufen und ihm gesagt: ‚Du musst den Jungen aus Leverkusen mit zu Real nehmen.‘ Xabi antwortete: ‚Das musst du nicht mir sagen, sondern Florentino Pérez (Real-Präsident/d.Red.).‘ Daraufhin habe ich ihm tatsächlich eine Nachricht geschickt: ‚Lieber Florentino. Ich habe es dir schon mehrfach gesagt: Ich habe hier einen Spieler, den ich euch sehr ans Herz legen würde. Florian Wirtz macht jede Mannschaft der Welt besser’“, erzählte Struth im Podcast. Pérez habe sich daraufhin bei ihm bedankt, verwies aber an Madrids Generaldirektor José Sanchez, zum Angebot kam es nie. „In dem Jahr hat es einfach nicht gepasst aufgrund des Kaders und des Budgets. Auch bei Real Madrid sind die Kassen mal nicht so voll. Mein Wunsch bleibt es aber, dass Florian dort eines Tages spielt.“

Struths Einblicke: „Mit Schmadtke immer schön in die Schnauze gehauen“

Im Jahr 2024 versuchte der FC Bayern den damals erst seit Kurzem als Bundestrainer tätigen Nagelsmann zurück an die Säbener Straße zu locken. Struth gibt Einblicke in die Gespräche. „Ich hatte es in den Eiern und wusste, dass sie noch mal kommen würden – und so war es auch. Max Eberl hat mich angerufen und daraufhin haben Sascha Breese und ich uns mit ihm und Jan-Christian Dreesen in München getroffen.“ Nagelsmann selbst sei bei den Gesprächen nicht vor Ort gewesen. „Julian war nie dabei, hatte uns auch gebeten, da ganz sensibel mit umzugehen. Im März gab es Länderspiele in Frankreich (2:0) und gegen Holland (2:1), die optimal liefen. Die Stimmung vor der Heim-EM nahm langsam richtig Fahrt auf. Dass man überhaupt Gespräche führt, hätte schon eine Gefahr für die EM werden können. Das war am Ende auch ein ganz entscheidender Grund, warum Julian das nicht gemacht hat – zumal der Stachel (der Entlassung/d.Red.) auch noch ein bisschen tief saß.“

Auch Uli Hoeneß habe bei Struth nochmal einen Vorstoß gewagt: „Er rief mich an und sagte, dass die Trennung von Julian nicht bayern-like gelaufen sei und er es begrüßen würde, wenn Julian wieder Trainer wird.“ Letztlich schloss Nagelsmann eine Rückkehr aus, verlängerte stattdessen beim DFB.

Als Struth den Ilicevic-Transfer im Badezimmer eintütete

Auch kuriose Anekdoten aus seinem Berater-Leben gab Struth im Podcast der „Bild“ preis. So habe er auch mal einen Transfer im Badezimmer eingetütet. „Als ich nackt aus der Dusche kam: Frank Arnesen rief wegen Ivo Ilicevic an, der dann auch zum HSV wechselte.“ Auf die Frage nach seinem härtesten Verhandlungspartner nannte der Agent den mittlerweile bei Hannover 96 tätigen Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke. „Mit ihm haben wir uns, auf gut Deutsch gesagt, immer schön in die Schnauze gehauen. Ich nenne den Schmaddi auch nur Brummbär, wenn ich ihm eine SMS schreibe.“

Die kürzeste Verhandlung habe er mit seinem ehemaligen Klient Toni Kroos gehabt. „Bei Bayern haben wir mal eine Verhandlung gehabt über Toni Kroos. Da bin ich nach drei Minuten wieder gegangen, weil klar war, dass wir nicht zusammenkommen.“ Der Kroos-Deal mit Real Madrid sei sein bester Deal gewesen, betonte Struth auf Nachfrage.

Struth äußerte sich auch zur jüngst formulierten Generalkritik von Ex-Bayern-Vorstand Matthias Sammer an der Berater-Branche. Der heutige BVB-Berater hatte bei Sky gesagt: „Ich würde sie abschaffen. Erstens verdienen sie zu viel Geld, zweitens sind sie unnötig, drittens schafft das keine gute Konstellation zwischen Spieler und Verein.“

Struth konterte im „Phrasenmäher“: „Das finde ich schon heftig. Da ist eine große Portion Populismus dabei und ein Stück weit auch Heuchelei. Er war ja selbst Berater und hat sich in dem Business versucht. Wer weiß, was er heute machen würde, wenn es geklappt hätte? Ich erinnere mich auch, wie er mich als Sportdirektor von Bayern München jeden Tag angerufen hat, als es um den Transfer von Mario Götze ging – der übrigens mit Morddrohungen und Polizeischutz vor meiner Tür endete. Wenn ich dran denke, wie oft er mich da gebraucht hat, finde ich seine Aussagen jetzt schon sehr verwunderlich und unnötig. Nicht alle Berater in einen Sack zu hauen – das wäre mal meine erste Bitte.“