Während der Regierungschef schon vom nächsten Coup träumte („Alles ist möglich“), stieg im altehrwürdigen Giuseppe-Meazza-Stadion die Siegesfeier – allerdings ohne den Matchwinner. Der frühere Frankfurter Jens Petter Hauge, der das 2:1 (0:0) im Play-off-Rückspiel bei Inter Mailand mit einem Tor und einer Vorlage ermöglicht hatte, musste zur Dopingkontrolle. „Es war hart, vor der Kabine zu stehen“, sagte er später, „und die Party nur zu hören.“
Vorher habe Hauge „fast 70.000 Zuschauer zum Schweigen gebracht“, wie die Zeitung Verdens Gang über die „Machtdemonstration“ unter dem Titel „Glimt im Himmel“ schrieb. Der norwegische Rundfunk fühlte sich angesichts der „Glimt-Pracht“ an „Hollywood“ erinnert, TV2 kommentierte: „Glimt schockiert – schon wieder“.
Seit dem 2:2 in Dortmund gewann der Klub gegen Manchester City (3:1), bei Atlético Madrid (2:1) und zweimal gegen Vorjahresfinalist Inter (Hinspiel 3:1). „Bodö macht dem San Siro Schüttelfrost“, schrieb der Corriere dello Sport. Wie im November, als sich Norwegen in Mailand für die WM qualifizierte, wehe dort „die norwegische Fahne“, schrieb die Gazzetta.
Nationaltrainer Stale Solbakken sprach von der „größten Leistung einer norwegischen Vereinsmannschaft jemals“ und „bester Werbung für Norwegen“. Kapitän Patrick Berg meinte: „Deshalb lieben wir den Fußball so sehr. Weil Dinge möglich sind, die auf dem Papier unmöglich erscheinen.“
Mit der „Ein-Prozent-Regel“ zum Erfolg
Und ganz Europa fragt sich: Wie? „Wir haben eine klare Identität“, betonte Trainer Kjetil Knutsen. Deren Leitsatz ist die „Ein-Prozent-Regel“, die frei nach Jürgen Klinsmann besagt, jeden Tag ein bisschen besser zu werden – um daraus Großes entstehen zu lassen.
Das Resultat: Erstmals setzte sich eine norwegische Elf in einem K.o.-Duell der Champions League durch. „Das ist komplett verrückt. Wir haben etwas völlig Aberwitziges geschafft“, sagte Torschütze Hakon Evjen. Jetzt sei „alles möglich“, meinte auch er vor der Achtelfinal-Auslosung am Freitag mit den möglichen Gegnern City und Sporting Lissabon.
Daran glaubt auch der frühere Weltstar Thierry Henry. „Wir reden über Geld, über Namen – aber nichts schlägt eine echte Mannschaft“, sagte der CBS-Experte und schwärmte: „Ich liebe es, eine solche Mannschaft zu sehen.“
Gahr Stöhre sprach von einer „Ermutigung für alle“, die „weit über den Fußball hinaus“ wirke. Bis in die hohe Politik.