Der Berliner Senat will ein Landesamt für Klimaanpassung gründen. Das kündigte Umweltstaatssekretär Andreas Kraus (CSU) während eines Pressegesprächs am Mittwoch an. Das neue Amt soll maßgeblich die Umsetzung des aus dem Baumentscheid hervorgegangenen Klimaanpassungsgesetzes koordinieren.

Ziel des Gesetzes ist unter anderem, dass bis 2040 im Durchschnitt mindestens alle 15 Meter ein gesunder Straßenbau steht. Laut einer Berechnung der Berliner Forsten würde das rund 240.000 neue Bäume bedeuten. Ende 2025 lag der Bestand der Berliner Straßenbäume laut Umweltverwaltung bei 439.348.

Tagesspiegel Checkpoint: Berlins beliebtester Newsletter

Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.

Insgesamt wären das deutlich weniger als die oft kolportierten eine Million Straßenbäume – ein Zielzahl, die so allerdings nicht im Gesetz steht. Die Initiative Baumentscheid verweist auf Nachfrage auf die Regeln zur Ersatzpflanzung. Diese sieht vor, dass in Zukunft für jeden gefällten Baum mindestens drei neue gepflanzt werden müssen. Dadurch würden nochmals 300.000 neue Bäume hinzukommen. Dass die Ersatzpflanzungen allerdings tatsächlich zusätzlich erfolgen müssen, regelt das Gesetz nicht.

Felix Weisbrich, stellvertretender Amtsleiter der Berliner Forsten, erklärte, dass es am Ende gar nicht so sehr auf die Anzahl der Bäume ankomme, sondern auf die Klimawirkung, also etwa darauf wie viel Schatten ein Baum spende. Staatsekretär Kraus betonte, dass dabei vor allem die Kieze, die besonders von Hitze betroffen sind, im Fokus stehen werden. „Thermische Belastung überschneidet sich oft mit sozialer Belastung“, sagte Kraus. „Diese Doppelung möchten wir nicht hinnehmen. Die kühlste Stadt nützt nichts, wenn die Hitze dort bleibt, wo die Menschen am wenigsten verdienen.“ Als Beispiel nannte Kraus Wedding und Nord-Neukölln.

Bis zu 500 zusätzliche Fachkräfte notwendig

Hauptverantwortlich für die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes sind die Straßen- und Grünflächenämter der Bezirke. „Die Bezirke alleine werden das Gesetz aber nicht umsetzen können“, sagte Felix Weisbrich, stellvertretender Amtsleiter der Berliner Forsten. Seine Landesbehörde soll insbesondere am Anfang den Aufbau der Verwaltungsstrukturen unterstützen, etwa bei der Personalgewinnung. Aktuell schätzt Weisbrich, dass rund 480 zusätzliche Fachkräfte in verschiedenen Bereichen der Landes- und Bezirksverwaltungen gebraucht werden, um das Gesetz umzusetzen.

Die Zahl komme auch zustande, weil dabei etliche Zielkonflikte gelöst werden müssen. Benötigt werden nicht nur Fachleute, die die Pflanzung übernehmen, sondern zum Beispiel auch im Tiefbau. Nicht nur über der Erde, sondern auch unterirdisch werde Platz durch den Ausbau der Wärmeinfrastruktur und von Glasfaser immer knapper. Weitere Zielkonflikte seien der Brand- und der Denkmalschutz.

Mehr zum ThemaVersenkt Schwarz-Rot das Sondervermögen? Wirtschaftsexperten kritisieren Berlins 5,2-Milliarden-Euro-Liste Doch nur eine Milliarde Euro für Bäume und Schwammstadt CDU und SPD einigen sich auf Verwendung des Sondervermögens in Berlin Braucht Berlin eine Million Bäume? „Ein großer Baum kann viel mehr bringen als zehn kleine“

„Das Klimaanpassungsgesetz stellt die gesamte Berliner Verwaltung vor eine große Herausforderung“, sagte Kraus. Daher solle die Umsetzung auch eine „Blaupause für die Verwaltungsreform“ werden. Durch eine zentrale Steuerung durch das neue Landesamt könne den unterschiedlichen Anforderungen in den einzelnen Bezirken Rechnung getragen und notwendige Prioritäten gesetzt werden.