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Guadalajara (Mexiko) – Er galt als mächtigster Drogenboss von Mexiko: Nemesio Rubén Oseguera Cervantes (†59) alias El Mencho. Seine Gefolgsleute überschwemmen auch Tage nach seiner Tötung das gesamte Land mit Drogen und Gewalt. Besorgniserregend: Die brutalen Kartell-Mitarbeiter leben auch mitten unter uns in Europa.

Das von El Mencho gegründete Cártel Jalisco Nueva Generación (CJNG) handelt unter anderem mit Kokain, Heroin, Fentanyl und Methamphetamin. Tonnenweise werden die Drogen in die USA geschmuggelt – aber auch in europäische Länder. Dabei profitiert das Verbrecher-Syndikat laut der europäischen Polizeibehörde Europol von der Zusammenarbeit mit zahlreichen kriminellen Netzwerken in der Europäischen Union. Diese ermöglichen den Drogenschmuggel in EU-Häfen und die Weiterverteilung.

Nemesio Rubén Oseguera Cervantes alias El Mencho war Anführer des gefürchteten Jalisco-Kartells

Nemesio Rubén Oseguera Cervantes alias El Mencho war Anführer des gefürchteten Jalisco-Kartells

Foto: Privat

Immer mehr Kokain kommt nach Deutschland

Allein für Deutschland sind die Zahlen erschreckend. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes zu BILD: „Seit 2017 sind die Sicherstellungsmengen von Kokain in Deutschland signifikant angestiegen. 2023 stellten Ermittler in Deutschland eine Rekordmenge von 43 Tonnen Kokain sicher. 2024 waren es 24 Tonnen.“ Dieser Rückgang erklärt sich laut Ermittlern aber damit, dass die Schmuggler immer raffinierter vorgehen, auf alternative Routen über Häfen etwa in Spanien und Frankreich ausweichen.

Der Hafen von Rotterdam wird von Banden als Drogenumschlagsplatz genutzt

Der Hafen von Rotterdam wird von Banden als Drogenumschlagsplatz genutzt

Foto: REUTERS

Für 2025 liegen dem BKA noch keine Zahlen vor. In der Regel nutzen die Kartelle See- und Luftfracht, um größere Drogenmengen von Lateinamerika in die EU zu schmuggeln. Die häufigste Methode: das Verstecken in legalen Waren wie Lebensmitteln, Baumaterialien und Geräten.

Am 18.11.2025 gelang der spanischen Polizei die Zerschlagung eines Jalisco-Ablegers. Die Ermittler beschlagnahmten knapp 1,9 Tonnen Kokain und 375 Kilo Methamphetamin. Zudem wurden Kryptowährungen, 275.000 Euro in bar, Waffen und Luxusfahrzeuge sichergestellt

Am 18.11.2025 gelang der spanischen Polizei die Zerschlagung eines Jalisco-Ablegers. Die Ermittler beschlagnahmten knapp 1,9 Tonnen Kokain und 375 Kilo Methamphetamin. Zudem wurden Kryptowährungen, 275.000 Euro in bar, Waffen und Luxusfahrzeuge sichergestellt

Foto: X/Policia Nacional

Mehr zum ThemaHilft Mafia-Organisation Camorra beim Schmuggel?

Europol betont, dass sich Frachtsendungen meist nicht einem einzelnen Kartell zuordnen lassen. Es gibt aber zwei belegte Fälle, bei denen El Menchos Kartell aktiv war: In Spanien wurde im November 2025 ein CJNG-Ableger zerschlagen. Es gab 20 Festnahmen. Große Mengen Kokain und synthetische Drogen wurden sichergestellt. Offenbar gab es hier Verbindungen zur italienischen Mafia-Organisation Camorra, die beim Schmuggel half. Ebenfalls 2025 wurde in Mexiko ein mutmaßlicher Angehöriger des CJNG nach seiner Ankunft aus Barcelona festgenommen. 

Wie kann es weitergehen?

Der Lateinamerika-Experte Jonas von Hoffmann zu BILD: „Wie es beim CJNG weitergeht, ist schwer vorherzusagen. Kartelle sind illegale Unternehmen, deren Strukturen geheimgehalten werden.“ Auch nach dem Tod von El Mencho werden Drogenhandel, Menschenhandel und Schutzgelderpressung weitergehen. „Das ist ein lukratives Geschäft und die Nachfrage ist da.“ Möglicherweise ändern sich die Art und Routen des Schmuggels sowie die Namen der Akteure. „Ansonsten bleibt alles beim Alten“, so Jonas von Hoffmann weiter.

Denn: „Das CJNG funktioniert in manchen Bundesstaaten wie ein Franchise-Unternehmen. Lokal gibt es Verbindungen mit Kriminellen, die das CJNG als Label nutzen dürfen. „El Mencho war so was wie der Aufsichtsratsvorsitzende. Er löste interne Konflikte.“ Der Drogenschmuggel selbst werde von den unteren Kartell-Bossen geregelt.

Wer El Menchos Nachfolger wird, ist offiziell unklar. „Manchmal gibt es eine Nachfolgeregelung. Meistens wird die Nachfolge aber intern über Gewalt geklärt“, so Jonas von Hoffmann zu BILD. Eher unwahrscheinlich ist, dass sein Sohn der neue Kartell-Chef wird, weil er im Gefängnis sitzt. Jonas von Hoffmann: „Auch sein Stiefsohn ist in das Kartell involviert. Er wird gerade als Nachfolger gehandelt. Ich halte das aber für reine Spekulation.“

Dr. Jonas von Hoffmann ist Politikwissenschaftler und forscht am German Institute of Global and Area Studies (GIGA), speziell am Institut für Lateinamerika-Studien (ILAS) in Hamburg und Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen vor allem auf Drogenpolitik, Cannabis-Regulierung und lateinamerikanischer Politik. Er studierte in Oxford und Cambridge und war mehrere Jahre am Centro de Investigación y Docencia Económicas (CIDE) in Mexiko tätig.