Martina Uhr von der AfD im Bundestag

AUDIO: Vetternwirtschaft? AfD-Landesgruppe im Bundestag schließt Abgeordnete aus (1 Min)

Stand: 25.02.2026 22:04 Uhr

Die AfD-Landesgruppe im Bundestag setzt Abgeordnete Martina Uhr aus Nordhorn mit sofortiger Wirkung vor die Tür. Ein Grund nach NDR Informationen: Uhr hatte die Untreue-Vorwürfe gegen Landeschef Schledde unterstützt.

von Amelia Wischnewski

Zudem soll sie ihren Lebenspartner und dessen Tochter bei sich angestellt haben. In einer nur etwa 50-minütigen Krisensitzung am Mittwoch wurde Uhr nach Aussage von Leiter Andreas Paul (AfD) mit sofortiger Wirkung aus der niedersächsischen AfD-Landesgruppe ausgeschlossen. Uhr wurde von der Landesgruppe dazu aufgefordert, ihr Mandat niederzulegen. Komme Sie dem innerhalb von 24 Stunden nicht nach, würde bei der nächsten Fraktionssitzung am Dienstag ihr Ausschluss beantragt. Die offizielle Begründung: Martina Uhr habe ihren Lebensgefährten angestellt. Mutmaßlich auch dessen Tochter. Laut Landesgruppenchef Paul wurde die Adresse des gemeinsamen Wohnsitzes erst vergangene Woche im internen Verwaltungsprogramm der AfD – dem „Parteimanager“ geändert.

Uhr hatte Vorwürfe gegenüber Landeschef Schledde erhoben

Doch hinter dem Ausschluss der Bundestagsabgeordneten könnte mehr stecken. In einem internen Schreiben von Mitte Februar, es liegt dem NDR vor, hat Uhr schwere Vorwürfe gegen AfD-Landeschef Ansgar Schledde erhoben. Es geht um den Fall von angeblich veruntreuten Steuergeldern in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Überschrieben ist das Dokument mit „Zeugenaussage“. Darin erklärt Uhr gegenüber dem Bundesvorstand, Schledde habe von ihr erwartet, sich an eine „65%/35%‑Regel“ zu halten, sollte sie in den Bundestag einziehen. Diese Praxis habe bedeutet, 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets für Parteiarbeit in Niedersachsen abzustellen. Uhr schildert, dass ihr Schledde vorgefertigte und bereits unterschriebene Verträge vorgelegt habe. Der Einsatz von Bundestagsmitarbeitern für Parteiarbeit wäre ein Verstoß gegen das Abgeordnetengesetz des Bundestages.

Weiter schreibt Uhr, sie habe Niedersachsens Landeschef Ansgar Schledde vertraut, weil sie politisch unerfahren gewesen sei. Sie habe angenommen, die Regelung sei üblich und rechtlich gedeckt. Erst später habe sie bemerkt, dass die Mitarbeiter nicht für ihre bundesparlamentarische Arbeit zur Verfügung gestanden hätten, sondern Aufgaben für die Landespartei übernommen hätten. Uhr kündigt laut ihrem Schreiben vom 15. Februar an, die betreffenden Mitarbeiter zu entlassen. Auf Anfrage dieser Redaktion hat Uhr nicht reagiert und auch nicht bestätigt, dass die „Zeugenaussage“ tatsächlich von ihr stammt.

Landesgruppenchef sieht Verantwortung bei Uhr

Landesgruppenchef Andreas Paul geht von der Echtheit des Schreibens aus und hat Uhr in der Sitzung damit konfrontiert. Sie habe die Gelegenheit nicht genutzt, sich zu erklären. Als Arbeitgeberin stehe Uhr persönlich in der Verantwortung, sagt Paul gegenüber NDR Niedersachsen: „Sie hat den Vertrag unterschrieben, sie hat die Mitarbeiter nicht eingesetzt – oder nicht für Aufgaben des Mandates eingesetzt und dafür ist sie voll verantwortlich. Das erklärt sie öffentlich in ihrer ‚Zeugenaussage‘ und versucht die Schuld nun abzuschieben. Auf eine ‚Allianz‘, auf wen auch immer.“ Und das sei aus Sicht der Landesgruppe parteischädigend, so Paul.

Eidesstattliche Versicherung mit gegenteiliger Darstellung

Parallel zu dem Schreiben liegt dem AfD-Bundesvorstand eine eidesstattliche Versicherung Uhrs vor. Darin versicherte sie am Montag, Schledde habe „zu keinem Zeitpunkt“ Zugriff auf Teile ihres Mitarbeiterbudgets erhalten oder verlangt. Sie erklärt außerdem, alle Personalentscheidungen selbst getroffen zu haben und Mitarbeiter ausschließlich für parlamentarische Arbeit einzusetzen.

Vorwürfe auch Gegenstand eines Berichts der „Bild“

Die „Bild“ berichtet über die Vorgänge und zitiert einen Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten. Demnach ziehe Uhr diese eidesstattliche Erklärung vom 21.2. nun zurück. Sie fühle sich nicht länger an den Inhalt gebunden. Bild legt dar, Schledde habe damit monatlich rund 9.300 Euro ihres Budgets kontrolliert.

Reaktion des Landesvorstands Niedersachsen

Der AfD‑Landesvorstand Niedersachsen weist alle Vorwürfe erneut zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Sollte Frau Uhr bei ihren wahrheitswidrigen Äußerungen bleiben, werden wir juristisch dagegen vorgehen.“ Bereits am Montag hatte der Bundesvorstand beschlossen, den Vorwürfen aus dem Lager um die Europaabgeordnete Anja Arndt nachzugehen. Dabei geht es unter anderem um die Veruntreuung von Mitarbeitergehältern. Auch Martina Uhrs „Zeugenaussage“ ist in diesem Zusammenhang zu verstehen.

Arbeitsgruppe soll Vorwürfe prüfen

Anfang der Woche hatte der Bundesverband beschlossen, eine Prüfkommission nach Niedersachsen zu schicken, um den Vorwürfen aus dem Brandbrief – und damit auch Uhrs Vorwürfen – nachzugehen. Der niedersächsische Landesverband hatte das begrüßt. Es sei wichtig, dass die schweren Anschuldigungen „vollumfänglich aufgeklärt werden.“ Weiter heißt es: „Wir sind überzeugt, dass die Kommission am Ende zu dem Ergebnis kommt, dass hier von einigen wenigen eine haltlose Schmutzkampagne gegen die AfD Niedersachsen gestartet wurde.“ Mit schnellen Ergebnissen rechnet die Partei nicht. Kritiker meinen, dass langwierige Untersuchungen vor allem dazu dienen könnten, das Superwahljahr 2026 geräuschlos zu überstehen – in dem sowohl Kommunalwahlen in Niedersachsen anstehen, als auch vier Landtagswahlen. Auch die Wiederwahl des AfD-Bundesvorstands selbst steht 2026 an.

Verurteilung in Frankreich

Die französische Rechtsnationalistin Marine Le Pen war 2025 für einen ähnlichen Vorwurf verurteilt worden. Sie hatte ein System aufgebaut, mit dem Mitarbeiterbudgets aus dem Europäischen Parlament systematisch für Parteiarbeit veruntreut worden waren.

Fahnen mit AfD-Logo.

AfD-Europapolitikerin Arndt bezichtigt Parteifreunde der Korruption. Sie sollen Geld für Parteiarbeit zweckentfremdet haben.

Ansgar Schledde ist Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen.

Der Bundesvorstand prüft schwere Anschuldigungen gegen den AfD-Landesverband Niedersachsen. Dieser wehrt sich entschieden.

Ansgar Schledde

Nach NDR Recherchen wird sie im Mailverzeichnis der Mitarbeitenden geführt. AfD-Landeschef Schledde wird von Parteimitgliedern „persönliche Bereicherung“ vorgeworfen.

Bei einer Veranstaltung ist das Logo des niedersächsischen AfD-Landesverbandes zu sehen.

Wie wird die Entscheidung begründet? Was sagt die AfD dazu? Drohen AfD-Mitgliedern Konsequenzen? Fragen und Antworten gibt es im FAQ.

Marine Le Pen

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